Rentate Brandner-Weiß ist Mobilitäts- und Energieberaterin sowie Sprecherin des Waldviertler Energiestammtisches.

SonnenKlee: Liebe Renate bitte stell dich unseren Leser*innen kurz vor?

Renate Brandner-Weiss: Ich bin 1972 im Bezirk Zwettl im Waldviertel geboren und habe nach der HAK-Matura an der Wirtschaftsuniversität Wien Betriebswirtschaftslehre studiert inklusive möglichst viel Verknüpfung mit VWL, Ökologie und Soziales. Ab dem 5. Semester habe ich mich bei der Hochschülerschaft für Studierendenberatung bzw. im Umweltreferat der Österreichischen Hochschülerschaft der WU engagiert, weil mir das Thema Umwelt schon immer sehr wichtig war.

Mein erster Job nach Studienende war beim Biomasseverband bzw. Ökosoziales Forum Wien, danach ging es für vier Jahre an die Universität Trier als Mittelbaumitarbeiterin an einem Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre/Nachhaltige Regionalentwicklung. Nach meiner Rückkehr nach Österreich war ich einige Jahre Beraterin in Wien und NÖ bei Projekten im Bereich aktive Arbeitsmarktpolitik (z.B. Frauen in Technik und Handwerk). 2008 habe ich dann beruflich ins Waldviertel gewechselt und war bis 2017 bei der Energieagentur der Regionen in Waidhofen an der Thaya, mit Schwerpunkt Bürgerbeteiligung, erneuerbare Energie, E-Carsharing, etc.
2017 habe ich meinen Schwerpunkt in Richtung Mobilität gelegt und arbeite seither als freie Beraterin für verschiedene Betriebe in NÖ. Ich arbeite auch in meinem Netzwerk von Kolleg*innen und Organisationen, die sich ebenfalls mit der E-Mobilität beschäftigen. Außerdem arbeite ich als Geschäftsführerin für die TRE Thayaland GmbH, die sich mit den Themen E-Carsharing und PV-Anlagen mit Bürgerbeteiligung beschäftigt.

Für die Zukunft möchte ich meine Tätigkeit gern in Richtung zukunftsfähiges Wirtschaften und möglichst viel regionale Kreisläufe und Wertschöpfung weiterentwickeln.

Privat bin ich verheiratet, fahre gern Rad, sammle Bücher und Sprüche. Ich freue mich über eine möglichst große Vielfalt an Vögeln, Blumen, Kräuter und über Gemüse aus dem eigenen Garten.

Seit rund 10 Jahren unterstütze ich als Sprecherin das Kernteam des Waldviertler Energie-Stammtischs, einer ehrenamtlichen Plattform für regionale Projekte, Energie- und Mobilitätsthemen, Anti-Atom-Themen (in Österreich und grenzüberschreitend) und Vernetzung.

SonnenKlee: Kannst du uns bitte etwas über den Waldviertler Energiestammtisch erzählen?

Renate Brandner-Weiss: Der Stammtisch ist 2000/2001 aus den „Grenzblockaden“ gegen die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Temelin entstanden. Im Sinne eines Beitrags zur Lösung, für erneuerbare Energie und des ebenso notwendigen Energiesparen. Das Kernteam besteht aus rund 10 Personen und mit dem Jahr 2021 sind wir nun in Summe 20 Jahre aktiv. Nach Martin Litschauer und Gottfried Brandner vor einem Jahrzehnt die Rolle der Sprecherin übernommen und hoffe, dass wir als Stammtisch auch in Zukunft immer wieder Akzente setzen und Menschen bei ihren Energie- und auch anderen sinnvollen Projekten bestärken können.

Beim Thema Dämmen ist zum Beispiel das Aufzeigen von Alternativen zu EPS (Expandiertes Polystyrol) sehr wichtig. Es gibt viel mehr erneuerbare Alternativen als die meisten Menschen denken, und deswegen ist auch Baustroh schon Thema bei den Waldviertler Energiestammtischen gewesen.

SonnenKlee: Was waren die erfolgreichsten Bürgerbeteiligungsprojekte in deinem Umfeld und warum denkst du, sind solche Projekte wichtig in der heutigen Zeit?

Renate Brandner-Weiss: Einige Bürgerbeteiligungsprojekte wie zum Beispiel das der sehr bekannten Sonnenscheine Schuhwerkstatt sind aus unserem Stammtischteam heraus entstanden. Ich selbst bin zu dem Thema eigentlich erst nach meiner Zeit in Deutschland dazugestoßen. Eine Bewertung der Projekte möchte ich hier nicht vornehmen, aber zwei Slogans aus sehr erfolgreichen Projekten zitiere ich sehr gern:

Lange wurde das Thema Bürgerbeteiligung und sein Potenzial unterschätzt, dabei kann es genau die Dynamik erzeugen, die wir für schnelle Umsetzung brauchen.

Insofern gibt es noch viel zu tun im Sinne regionaler Investitionskreisläufe statt Geldabfluss in Richtung Fossilimporte!

SonnenKlee: Was tut sich im Waldviertel bezüglich E-Mobilität und alternativen zukunftstauglichen Fortbewegungsmöglichkeiten?

Renate Brandner-Weiss: Bezüglich Mobilität ist mir sehr wichtig zu erwähnen, dass es seit Oktober 2021 mit dem Klima- und dem Metropolticket für Österreich und auch für die Ostregion endlich ein Flächenticket für den öffentlichen Verkehr gibt. Wenn wir Mobilität vernetzt denken, die öffentlichen Verkehrsmittel ausbauen und zum Beispiel auch E-Carsharing forcieren, dann wird der Mobilitätsmix ökologischer und sozialer. E-Mobilität ist an und für sich schon ein Rieseneffizienzsprung im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Auch das gemeinsame Nutzen von Autos schont Ressourcen und die Geldbörse, vor allem wenn das Nutzungsprofil passt. Ich finde, Sharing-Modelle sollten bewusst gestärkt und gefördert werden, um hier schnell in Richtung breite Umsetzung zu kommen.

SonnenKlee: Kannst du uns als Mitbegründerin ein paar Worte über den Verein Carsharing Österreich erzählen?

Renate Brandner-Weiss: Der Verein Carsharing Österreich wurde im Sommer 2020 gegründet und arbeitet intensiv an der Thematisierung, Weiterentwicklung und Vernetzung zum Thema E-Carsharing in Österreich. Auch an einem Roaming zwischen möglichst allen Anbietern wird gearbeitet. Aktuell sind über 100 Autos in vier Bundesländern via Roaming verfügbar. Wer sich für mehr Details zu dem Verein interessiert, kann unter folgendem Link nachlesen: www.carsharing-oesterreich.at

SonnenKlee: Was können wir als kleines Österreich dagegen tun, dass in vielen anderen Ländern die Atomkraft zur Rettung unseres Klimas wieder als legitim betrachtet wird?

Renate Brandner-Weiss: Wir können sehr viel tun und ich will hier drei wichtige Punkte nennen:

  • Wir sollten zumindest bilanziell den Strom, den wir brauchen, auch selbst erzeugen. Das heißt, der Ökostromausbau muss vorangetrieben werden. Konsumenten (auch Betriebe) sollten auf die Qualität schauen und keinen mit norwegischen oder anderen Zertifikaten „gewaschen“ Billigstrom kaufen.
  • Inhaltlich ist es wichtig, die Transparenz rund um das Thema Kernkraft immer wieder einzufordern. Damit wird verhindert, dass Gewinnabsicht und militärischer Zusatznutzen dazu führen, dass unser Lebensraum jetzt und für die Zukunft (nachhaltig, wie wir es nicht wollen) geschädigt wird.
  • Die aktuelle Lobbyoffensive der Kernkraftindustrie muss sachlich fundiert als sehr gut gemachtes Marketing mit sehr gefährlichem und teurem Inhalt entlarvt werden. Dazu brauchen wir allerdings noch viel Geduld und Ausdauer.

SonnenKlee: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten drei Punkte, die eine ländliche Gemeinde beherzigen sollte, damit sie heute schon im Sinne ihrer zukünftigen Generationen handelt?

Renate Brandner-Weiss: Ich denke, das ist je nach Gemeinde sehr unterschiedlich. Meiner Meinung nach sollten Gemeinden Dinge ermöglichen, Bürger aktiv einbinden und selbst in Richtung Eigenversorgung bei Energie gehen. Zum Beispiel könnten möglichst alle Dächer zur Stromproduktion genutzt werden oder man geht noch weiter, wie zum Beispiel die Gemeinde Munderfing mit ihrem Windpark.

Aber dazu braucht es auch den Abbau vieler Hürden und auch die Mitarbeit der Bundesländer. Dazu passt übrigens auch die Präsentation der österreichischen Energieagentur vor einigen Tagen, die sehr viel auf den Punkt bringt und die ich allen zum Studium ans Herz lege: Link

SonnenKlee: Hast du sonst noch etwas, das du unseren Leserinnen mitgeben möchtest?

Renate Brandner-Weiss: Ich möchte jede und jeden bitten, egal worum es geht und wie unterschiedlich die Standpunkte sind: Bleiben wir immer konstruktiv und im Dialog. Denn alles andere verursacht Leid und verhindert Entwicklung. In dem Sinne alles Gute für Sie/Euch persönlich und auch beruflich.

Liebe Renate, vielen Dank für das gute Gespräch!

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