Lehrgang Strohballenbau mit Bau eines Musterhauses

Lehrgang Strohballenbau mit Bau eines Musterhauses

Es gibt ihn nochmals,  Virko Kades beliebten Lehrgang für Strohballenbau!

Der Lehrgang findet wieder in den Räumlichkeiten von SonnenKlee in Abetzdorf statt. Aufgrund der aktuellen Situation haben wir den Lehrgang auf August 2020 verschoben!

An den zwei Wochenenden werden zuerst theoretische Grundlagen des Strohbaus vermittelt. Anschließend im praktischen Teil, wird gemeinsam ein lasttragendes Muster-Gebäude (30-40m²) errichtet.

  • Termin: Fr. 07.08.  bis So. 09.08.2020 und Fr. 14.08. bis So. 16.08.2020

Ort: SonnenKlee, Abetzdorf 2, 3331 Kematen/Y.

Anmeldung: E-Mail an Virko Kade

Weitere Details: www.strohballenbau.info

Interview mit Andy Holler – Techniker mit Weltverstand

Interview mit Andy Holler – Techniker mit Weltverstand

Der gebürtige Schweizer Andreas Holler lebt seit vielen Jahren in Neuseeland und Australien. Dem gelernten Heizungsbauer und studierten Sozialwissenschaftler ist gesundes und ökologisches Bauen ein großes Anliegen und er ist nach Österreich gekommen, um sich näher mit dem Strohbau zu beschäftigen. Wir freuen uns ganz besonders, dass er heute für SonnenKlee als Interviewpartner bereitsteht.

SonnenKlee: Andreas bitte stell dich unseren LeserInnen kurz vor.

Andreas Holler: Ich lebe in Perth, West-Australien. Zuvor lebte ich in Christchurch, Neuseeland, wo ich eine Beraterfirma für Energy-smart homes leitete. Wegen der regen Erdbebenaktivität in Christchurch, sind wir umgesiedelt nach Perth. Meine berufliche Laufbahn begann mit der Ausbildung zum Gebäudetechniker mit Spezialgebiet Heizung. Später bildete ich mich dann noch weiter zum Ingenieur für Heizung, Lüftung und Klimatechnik. Schon sehr früh in meiner Ausbildung erkannte ich, dass gut gedämmte Wände, kombiniert mit guten Fenstern, enorm hohen Einfluss auf das Wohlbehagen der Bewohner haben. Später bekam die Gebäudephysik und ethisch verantwortungsvolle gesamtheitlich geplante Gebäudestruktur für mich einen immer höheren Stellenwert. Ich studierte dann auch noch Soziologie, weil ich einfach ein noch besseres Verständnis für den Menschen und sein soziales Verhalten entwickeln wollte. Warum möchten so viele Menschen zwar eigentlich Energie sparen, setzen dies dann aber nicht wirklich um? Und warum werden dann so oft Lösungen wählt, die schlecht für die Umwelt sind und schlussendlich der Menschheit selbst enorm schaden? Ein Paradoxon, auf welches ich bis heute leider immer noch keine endgültige Antwort gefunden habe.

SonnenKlee: Warum ist das Thema gesundes und ökologisches Bauen für dich wichtig?

Andreas Holler: Ich glaube, dass wir als Menschen während unseres Lebens die Verantwortung und Fürsorgepflicht für die Erde, diesem wunderbaren, in unserem Sonnensystem einzigartigen Planeten tragen. Es gibt keine zweite Erde neben unserer. lm Klartext heißt das für mich, dass eine verantwortungsvolle und gesamtheitlich Planungsweise unerlässlich ist. Gesundes und ökologisches Bauen führt zur Konsequenz, dass die gesamte Gebäudetechnik wesentlich kleiner und weniger komplex wird. Dementsprechend ist auch der Energieverbrauch wesentlich kleiner und die laufende finanzielle Belastung für die Bauherren schrumpft auf fast belanglos kleine Werte, ergo minimiert man damit auch die Umweltbelastung. Es ist ein sozioökonomischer Gewinn für alle Beteiligten. Der Gewinn für ein heute total überlastetes Gesundheitssystem ist eine weitere positive Konsequenz. Zum Schluss ist hier die enorm wichtige Anmerkung zu machen, dass wir unbedingt einen Beitrag leisten müssen und können, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Dies kann nur erreicht werden, indem der Einsatz von fossilen Brennstoffen enorm reduziert wird und gleichzeitig nachwachsende Baumaterialien, die beim Wachstum CO2 binden, wie z.B. Stroh oder Hanf, verstärkt zur Anwendung kommen.

Besuch bei Vivihouse

SonnenKlee: Wie ist die aktuelle Situation betreffend ökologisches und energieeffizientes Bauen in Neuseeland und Australien?

Andreas Holler: Leider sehr schlecht. Die verantwortlichen Personen in wichtigen politischen Schlüsselpositionen, verfolgen die Vogel-Strauß-Strategie (Kopf in den Sand). Außerdem hat vor allem Australien riesige Kohlevorkommen, die noch Jahrhunderte ausreichen werden. Das Land ist enorm reich an Rohstoffen und spürt keinen Handlungsdruck. Obwohl viele von den existierenden Kraftwerken veraltet und überlastet sind, scheint es den verschiedenen Staatenregierungen keine Engpassstrategie zu geben. Die australischen Baubehörden haben immer noch U-Werte, die viel zu hoch sind und hier im EU-Raum heute nicht mehr vorstellbar wären.

SonnenKlee: Siehst du eine Chance, dass in Australien und Neuseeland mit Stroh und Lehm gebaut wird?

Andreas Holler: Im heutigen sehr konkurrenzstarken Umfeld, wo vor allem mit Backstein-Ziegel gebaut wird, stehen die Chancen für Stroh als Baumaterial nicht besonders gut.

Die Gründe dafür sind folgende

  1. Die Grundstückspreise sind enorm hoch und weil Strohballenhaus-Wände oft dicker sind, benötigt man somit mehr teures Bauland.
  2. Das Termitenproblem ist weitverbreitet und die damit verbundenen Bauschäden hoch (bei Holzbauten – nicht bei Strohdämmung).
  3. Die Bauordnung verlangt keine besonders guten U-werte, die ein Strohballenhaus natürlicherweise hat und somit ist auch die Motivation für gute Dämmung bei Bauherren oder den ausführenden Baufirmen sehr gering.
  4. Bauholz kann nach der heutigen australischen Bauverordnung nur dann verwendet werden, wenn es gegen das Termitenproblem behandelt worden ist. Diese Holzbehandlung ist genau spezifiziert und verankert in der Bauverordnung.

SonnenKlee: Wie gefällt es dir in Österreich?

Andreas Holler: Es ist ein wunderschönes Land und es würde hier den Schriftraum sprengen, wenn ich hier darüber schreiben würde….. Was mich vor allem beeindruckt ist, dass man hier versucht eine offene Diskussion zu führen, wie eine zukünftige Energieversorgung aussehen könnte und was die notwendigen Schritte dazu sein sollten.

Ich habe sehr positive Ansätze im Hausbau und im öffentlichen Verkehr gesehen. Wir in Perth zum Beispiel träumen nur von einem solchen Öffi-System, wie ihr es in Wien habt.

Andy unterwegs mit dem Strohblogger

SonnenKlee: Wie ich gehört habe, hast du dich als Schweizer viel mit Baunormen beschäftigt. Was würde es deiner Meinung nach im Bereich Normen bauchen, um es Planungsbüros und ausführenden Unternehmen in Österreich und vielleicht auch in ganz Europa, leichter zu machen mit nachwachsenden Rohstoffen zu bauen?

Andreas Holler: Ein klares Umdenken wie wir als Gesellschaft mit unserer Umwelt umgehen. Das bestehende Wirtschaftsmodell welches auf den Gesetzen von ständig erforderlichem Konsumwachstum und resultierendem Profit aufgebaut ist, muss neu überdacht werden. Das bestehende Wirtschaftsmodell beweist weltweit, dass es nicht funktioniert und uns als Gesellschaft fordert immer neue Umweltbelastungen zu bewältigen. Wir müssen ein neues Wirtschaftsmodell finden.

Es müssen gezielt neue Ausbildungsprogramme entwickelt werden, wo bereits sehr früh gesamtheitliches Denken geschult wird.

Für Bauherren, Planer und ausführende Unternehmen sollte es Steuernachlässe geben, wenn sie sich gezielt und nachweisbar für solche Thematik einsetzen.

Allen anderen, welche aktiv die Umwelt belasten, sollen enorm mehr Steuern bezahlen. Dies nach den Regeln des Verursacherprinzips. Und das gilt für alle, sei es jetzt die Stahlindustrie oder der kleine Bürger.

SonnenKlee: Wie siehst du die zukünftigen Entwicklungen im ökologischen Baustoffbereich und denkst du, dass der Klimawandel ein Umdenken im Baubereich bewirken wird?

Andreas Holler: Die Entwicklungen sind sehr gut. Nicht nur Baustroh entwickelt neue Produkte, sondern auch der Hanfanbau. Die Produktion von Hanfsteinen, Hanfdämmungen und einige Tonprodukte zeigen gute Wachstumspotenziale.

Außerdem ist die Forderung des Endverbrauchers für das gesunde Bauen stark am Wachsen.

Besuch bei SonnenKlee

SonnenKlee: Gibt es vielleicht ein besonderes Projekt im Bereich gesundes und energieeffizientes Bauen, bei dem du mitgewirkt hast und von dem du uns erzählen möchtest?

Andreas Holler: In der Schweiz durfte ich 1978 die erste Sonnenkollektoranlage bauen, die für ein 6-stöckiges Bürohaus konzipiert war. Dieses Gebäude steht inmitten Zürichs Bankenviertel. Auch wurde damals speziell der Warmwasserspeicher im Erdreich unter der Fundamentplatte so gebaut, das man nicht nur ein großes Speichervolumen besaß, sondern auch eine super Dämmung hatte. Man zeigte damit auf, was für eine große Wirkung eine gute Dämmung haben kann. Das Gebäude wurde schon damals mit besseren U-Werten und entsprechendem Dämmmaterial ausgerüstet. Dieses Gebäude bildete dann den Anstoß für viele folgende Neu-/Umbauten mit derselben Planungsphilosophie. Später in Neuseeland durfte ich bei Einfamilienhausbauten und auch kommerziellen Bauten mitwirken.

Generell kann man sagen, dass in allen Projekten immer bereits in der frühen Planungsphase die Grundsatzentscheidung gefällt wurde, gesund und energieeffizient zu bauen. Ich glaube, dass dies der Kernpunkt überhaupt ist für alle solche Infrastrukturprojekte. Diese Grundsteine bilden die Fundamente eines jeden Bauvorhabens. Das ist wirklich entscheidend für das Gelingen solcher Projekte.

Zusammenfassend kann ich sagen, wäre ich damals als junger Heizungsbauer im Jahr 1978 nicht der Idee des energieeffizienten Bauens ausgesetzt gewesen, hätte sich in meinem Leben sicher vieles anders entwickelt. Was ich damit sagen will ist, wie wichtig Ausbildung und der Einfluss gesamtheitlicher Denkweise ist.

SonnenKlee: Was möchtest du unseren Leserinnen sonst noch mitgeben?

Andreas Holler: Wir leben wohl heute in einer sehr dynamischen, schnellen Welt. Der Informationsfluss war nie so groß wie heute. Wir sollten jetzt aber versuchen bei dieser Flut von Daten das essenziell Wichtigste nicht zu vergessen.

Nie aufgeben und alle Planungs- und Aktionsschritte eben offen und transparent diskutieren.

Ich möchte aber hier die Frage in den Raum stellen: Was machen wir Menschen, wenn wir unsere Gesundheit und Umwelt/Lebensraum nicht mehr haben?

Der allgemeine Glaube darf nicht mehr ein Wirtschaftswachstum unter allen Umständen sein.

Ein gesamtheitliches Denken mit dem vollen Verständnis für „jede Aktion mit seinen Wirkungen und Folgen zu betrachten“ muss wieder in das Zentrum unseres menschlichen Bewusstseins rücken.

Lieber Andreas, vielen Dank für das sehr interessante Interview!

Profi Strohbautag bei SonnenKlee

Profi Strohbautag bei SonnenKlee

Sie sind ein Profi im Baubereich – Architekt, Zimmerer, Baumeister oder beschäftigen sich gewerblich mit Dämmung? Dann laden wir Sie gemeinsam mit unseren Partnern Isocell, Gräfix und One straw revolution zu einem informativen Tag über die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von zertifiziertem Baustroh als Dämm- bzw. Baustoff.

Wann? Am Freitag, 21.02.2020, 09:00 – 17:00 Uhr

Wo? Bei SonnenKlee in Abetzdorf 2, A-3331 Kematen/Ybbs

Programm:

  • 9:00 Uhr: Begrüßung und Vorstellung SonnenKlee, Martin Matzenberger, Geschäftsführer SonnenKlee GmbH
  • 9:30 Uhr: Vorstellung Plantacell Stroh-Einblasdämmung, Günter Kuttner, Beratung und Anwendungstechnik, Isocell GmbH
  • 10:00 Uhr: Praktische Einblasvorführung mit Plantacell Einblasstroh, Rupert Frauenschuh, Anwendungstechnik Einblasdämmstoffe, Isocell GmbH
  • 11:15 Uhr: Direktverputz von Stroh im Außenbereich mit Pajalith Kalkputz, Martin Kuhnhäuser, Anwendungstechnik, Gräfix – Wolfgang Endress GmbH & Co KG
  • 12:00 Uhr: Mittagessen
  • 13:30 Uhr: Bauen und dämmen mit zertifizierten Baustrohballen – – Theorie und Praxis, Virko Kade, one straw revolution
  • 16:30 Uhr: Besichtigungsmöglichkeit, Musterwände, Infotische, Netzwerken

Information und Anmeldung: bis spätestens 07.02.2020 unter office@sonnenklee.at oder +43 664 2665901

Die Anmeldung kann auch mit dem Formular weiter unten auf dieser Seite vorgenommen werden.

Begrenzte Teilnehmerzahl!

Kosten: € 25,- je Teilnehmer, inklusive Mittagessen im Bachlerhof und Pausengetränke, Bitte bis 07.02.2020 überweisen an IBAN: AT06 3290 6000 0080 9178

Unser Profi Strohbautag auf Facebook.

Unsere Partner:


Anmeldung zum Profi Strohbautag

    Die Bio-Baustroh Ernte 2019

    Die Bio-Baustroh Ernte 2019

    Die Einbringung der Bio-Strohernte ist derzeit voll im Gange und wir sind unterwegs auf Feldern in Niederösterreich und im Burgenland um die notwendigen Kontrollen für die Baustroh-Zertifizierung durchzuführen. Die Bedingungen sind heuer sehr gut und wir erwarten ausreichende Mengen von Bio-Baustroh mit bester Qualität.

    Wir pressen das Stroh größtenteils in Form von großen Quaderballen, um möglichst schlagkräftig ernten und platzsparend einlagern zu können. Aus diesem riesigen Pool an zertifiziertem Baustroh erzeugen wir dann ganzjährig und nach Kundenwunsch unsere Baustrohballen Premium oder verarbeiten es weiter zu Einblasdämmung.

     

    Bericht von unserer Strohhaus-Exkursion in Oberösterreich

    Bericht von unserer Strohhaus-Exkursion in Oberösterreich

    Am 15.3.2019, fand unsere Strohhausbesichtigung im Raum Oberösterreich statt. Es war eine großartige Veranstaltung und wir möchten uns nochmals im Namen von Herbert Gruber und dem SonnenKlee-Team bei allen HausbesitzerInnen und den zahlreichen TeilnehmerInnen herzlich bedanken.
    Unsere erste Station war ein Strohhaus in Summerau. Neben den verwendeten ökologischen Materialien zieht einem das Projekt vor allem durch seine besondere Architektur in seinen Bann. Die Wünsche nach optimalem solaren Eintrag, natürlicher Beschattung, freier Aussicht und gleichzeitiger, blickgeschützter Privatsphäre konnte trotz bestehender Nachbargebäude in einzigartiger Weise von den Architekten Angelo Ferrara & Viviana Schimmenti umgesetzt werden. Weitere Bilder auf der Webseite von StrohNatur.

    Beim zweiten Strohballenhaus unserer Exkursionsrunde wurden wir mit dem Duft von frischem Lehmputz (und Kuchen…) empfangen. Besonders ökologisch fanden wir die strohgedämmte Bodenplatte auf Streifenfundament als intelligente Alternative zu einer sonst üblichen Lösung aus  Stahlbeton mit Perimeterdämmung. Aufgefallen ist uns auch die Wandheizung im Lehmputz, kombiniert mit Solaranlage, großem Pufferspeicher und Küchenzusatzherd.

    Ein Vollwärmeschutz mit Strohballen für ein bereits bestehendes Gebäude? Genau das wurde beim dritten Exkursionsziel bereits 2016 umgesetzt. Beim „WRAPPING“ werden Strohballen zwischen einem schlanken Holzskelett fixiert und mit diffusionsoffenem Sumpfkalkputz bekleidet. Dass die oberste Geschoßdecke ebenfalls mit Strohballen gedämmt wurde und nun der Heizbedarf um die Hälfte reduziert werden konnte spricht für sich. Dank der gastfreundlichen Eigentümerfamilie durften wir uns nach der Besichtigung auch noch vom behaglichen Raumklima bei einer Tasse Tee überzeugen.

    Das Einfamilienhaus aus den 70er Jahren wurde 2016 mit einer rein ökologischen Fassadendämmung versehen. Mit der „WRAPPING-Technik“ wurden 37cm starke Strohballen zwischen einem schlanken Holzskelett an der Fassade befestigt und durch einen diffusionsoffenen Sumpfkalk-Verputz witterungsgeschützt und brandbeständig abgeschlossen. Jeder einzelne Ballen wird dabei auch noch horizontal durch eine Holzleiste fixiert und an die Fassade gepresst. Diese Art der der Strohballenverarbeitung wird auch „CUT“-Technik (Cells under tension) genannt. Die Holzleisten werden in den Strohballen eingelassen, womit dann oberflächlich eine durchgängige, direkt verputzbare Strohoberfläche entsteht und Kältebrücken vermieden werden. Mit einer Heckenschere wird anschließend die Oberfläche „geschoren“ und es kann der Verputz in zwei Lagen aufgebracht werden. Meist wird der Sumpfkalkputz auch direkt auf der Baustelle aus gelöschtem Brandkalk und passenden Putzsanden gemischt. Natürlich wird auch ein Armierungsgewebe eingearbeitet, um Rissbildungen zu vermeiden. Die Eigentümerfamilie hatte bereits vor dem Fassadenprojekt die oberste Geschoßdecke in Eigenleistung auch mit Strohballen gedämmt. Insgesamt wirkt sich die thermische Sanierung mit einer Heizkosteneinsparung von gut 50% aus.

    Herbert Gruber – austrian strawbale network

    Herbert Gruber – austrian strawbale network

    Herbert Grubers Mission ist Bauen mit Stroh und er ist in Österreich sowie auch international an zahlreichen Projekten beteiligt. Ob STEP, ein Lehrgang für Strohballenbau, Vivihouse, das erste offen lizenzierte Modulbausystem für mehrgeschossigen Strohballenbau, oder seine Virtuelle Baustelle in Ravelsbach, Herbert ist ständig am Netzwerken und er treibt seit gut zwanzig Jahren den Strohbau nicht nur in Österreich voran. Sein umfassendes Wissen über den Strohbau aus seiner langjährigen Praxis, teilt er heuer auch auf dem in England stattfindenden ESBG 2019 (European Staw Bale Gathering). Wir freuen uns sehr, dass er uns heute ein Interview gibt.

    SonnenKlee: Herbert, wie bist du eigentlich zum Strohbau gekommen?

    Herbert Gruber: Das war einer der glücklichen Zufälle in meinem Leben. Ich war zu der Zeit – 1998 – Herausgeber eines Öko- und Baubiologie-Magazins und zu einem Event eingeladen, das Günther Höchtl am Wachtberg in NÖ veranstaltete. Strohballen, die zu einer temporären Bleibe in Dieter Grafs Kunst in der Landschaft-Areal aufgeschichtet wurden, bildeten den Rahmen für das Fest. Die Idee war, zu zeigen, mit wie wenig (Ressourcen, Material, Technik, Budget) ein gemütliches, wohngesundes Dach über dem Kopf errichtet werden kann. Ein paar Rundholzstämme, eine Glasplatte als schräger Wintergarten, Lehmputz und eine Dämmung aus Strohballen, die hier als Wandbausteine wie Ziegel Wände und Dach ausfachten. Und eine Folie fürs Dach. Architektonisch wunderbar simpel, aber gerade deshalb überzeugend. Dass wir das als erstes Strohballenhaus Österreichs bezeichnet haben, war natürlich vermessen. Kein Fundament, keine Haustechnik, nicht einmal eine Haustüre. Es war bewusst so konzipiert, dass es keine bleibenden Eingriffe in die Natur hinterlässt und begann eigentlich schon vom ersten Tag an, sich gemäß dem Cradle-to-Cradle-Prinzip (Kreislaufgedanken) wieder zu Natur zurück zu wandeln.

    SonnenKlee: Was fasziniert dich so an dem Baumaterial Stroh?

    Dieses kleine „Landschafts-Kunstwerk“ war der Anlass darüber nachzudenken, ob manfrau mit den Strohballen nicht mehr machen könnte. Und ob niemand anderer bisher auf die ziemlich einleuchtende Idee kam, Strohballen als gut isolierende Wandbausteine zu verwenden. Günstig, lokal verfügbar, leicht zu verputzen, stabil genug, um ein Haus zu tragen, natürlich aus nachwachsenden Rohstoffen und gesund und CO2-einsparend. Das Haus vom Acker also, wie wir damals zu sagen pflegten. Und was das Beste war: die Technik schien so einfach wie mit Lego zu spielen. Diese ganze Diskussion um smarte, passive, technikverliebte Häuser, die uns sogar das Denken abnehmen, und die damals bereits voll in Gang war, wurde im Strohballenbau auf eine Einfachheit reduziert, die alle plötzlich wieder verstanden, die alle lernen konnten, die Inklusion und Partizipation im Baugeschehen versprach. Und Empowerment – schlecht übersetzt also Selbstermächtigung. Das, was uns durch Technik, Normen, Lobbys, echte und falsche Sicherheiten, aber vor allem durch die Baustoffindustrie, die natürlich auf Patente setzen muss, um Geschäfte zu machen, zu liberalisieren. Wieder in die Hände der Baufamilien, Planer und Handwerker zu legen. Open Source eben – übrigens bis heute ein ziemlich eiserner Grundsatz der Strohballenbaubewegung. Ausprobieren, teilen, kommentieren, verbessern, teilen, kommentieren, verbessern. Das ist die Triebfeder des Strohballenbaus. Wer immer eine gute Idee hat, teilt sie und erhält wertvolles Feedback. So hat die Monopolisierung und Aneignung durch einzelne da kaum eine Chance. Zugleich ist das der immens starke Innovationsmotor dieser Bauweise. Patente behindern ja üblicherweise Innovationen.

    SonnenKlee: Und es kam niemand vorher auf diese Idee?

    Herbert Gruber: Nicht in Österreich, soviel ich weiß. Aber natürlich war die Idee so alt wie die Strohballenpressen, die um 1870 erfunden wurden. Nur sie verbreitete sich damals eigentlich nur im englischsprachigen Raum und in der Permakulturbewegung. In der Bücherei fand ich das amerikanische Buch „The Straw Bale House“, die damalige Bibel des Strohballenbaus (Steen/Steen/Bainbridge). Als ich das las, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Wir hatten 7 Jahre über Baubiologie geschrieben und von einer der einfachsten und nachhaltigsten Art, Häuser zu bauen, nie vorher gehört. Für alle Jüngeren möchte ich erinnern, dass damals „googlen“ nicht möglich war, das durchsuchbare Internet war gerade im Entstehen. Also ab nach Dänemark, wo das zweite ESBG (Europäisches Strohballen Treffen) stattfand, mit gerade mal 20 Teilnehmerinnen, aber unterstützt von zwei amerikanischen Veteranen des Strohballenbaus: Matts Myhrman und David Eisenberg. Das war dann auch die Geburtsstunde des ASBN, des Österreichischen Netzwerks für Strohballenbau.

    SonnenKlee: In den letzten Jahren gibt es immer mehr Menschen die beim großen Spiel „höher, schneller, weiter“ nicht mehr mitmachen wollen und nach Alternativen suchen. Ist Bauen mit Stroh ein möglicher Weg für ein besseres Leben?

    Herbert Gruber: Ich denke ja. In Zeiten des Klimawandels suchen doch alle nach Alternativen, nach Wegen aus unserem selbst verursachten Dilemma. Einer dieser Wege ist der Strohballenbau. Ein anderer ist Inklusion, Mitbestimmung. Erst wenn ich etwas verstehe, kann ich auch dafür sein. Ich kann selbst etwas dazu beitragen, diese Welt wieder ein Stück durchschaubarer, natürlicher, ressourcenschonender und energiesparender zu machen. Das ist jetzt natürlich sehr einfach gedacht. Die verdichtete Bauweise, die urbanen Ballungszentren, die Mehrfamilienhäuser sparen ja enorme Mengen an Energie und Ressourcen, vor allem durch Synergien. Aber bei all diesen Effizienzbestrebungen ist uns einiges essenziell Menschliches abhandengekommen: die Mitbestimmung, die Durchschaubarkeit, das Mittun. Wir werden bei diesem bigger-better-faster Getue geistig enteignet. Wir berauben uns der Schwarm-Intelligenz. Wir haben die wichtigsten Entscheidungen im Leben, wie wir klima- und menschengerecht Wohnen und möglichst friedlich miteinander leben können, an Firmen und Vorstandschefs abgegeben, die eigentlich ein anderes Interesse verfolgen: ihr eigenes Geschäft. Dabei haben wir Heimat verloren, das fällt uns jetzt auf den Kopf. Heimat ist ja nicht bloß das Geburtsland, es ist eigentlich das, dem wir uns verbunden fühlen. Diese Verbindung will der Strohballenbau wieder herstellen. Der Strohballenbau ist also durchaus populistisch (lacht).

    SonnenKlee: Du machst ja sehr viele Seminare und Workshops zum Thema Bauen mit Stroh. Was sind die wichtigsten Gründe, warum Menschen in die Seminare kommen und wovon profitieren sie schlussendlich am meisten?

    Herbert Gruber: Hier geht es in erster Linie um das Verstehen von Zusammenhängen. Wie hängt gutes, solides Bauen für Generationen mit Bauphysik, mit guter Architektur zusammen. Es geht um Sicherheit, um Argumente. Jede Baufirma erzählt uns, wie gut ihr eigenes Produkt ist und was für einen Schwachsinn die anderen machen. Die Bauphysik ist ja kein Mysterium. Ein paar handfeste Fakten und ich gehe denen nicht mehr auf den Leim. Und natürlich geht es in einer Welt, in dem immer mehr Menschen täglich ihre Arbeit vor dem Computerbildschirm verbringen, um das Tun. Mal Anpacken, mal mit Lehm herumpantschen. Mal was Bauen. Da werden durchaus Kindheitserinnerungen wach. Aber das Arbeiten mit den eigenen Händen ist einfach so befriedigend. Die Zeit vergeht viel langsamer, zugleich geht oft viel mehr weiter. Da entsteht etwas – gemeinsam. Wir leben zwar immer mehr als Single, aber eigentlich mehr aus Angst. Das entspricht uns als Mensch eigentlich gar nicht. Wir vereinsamen. Der Strohballenbau ist bei uns immer auch eine Community-Sache. Wir bringen Menschen nicht nur Techniken und Tricks bei, machen sie sicherer in ihren künftigen Entscheidungen, helfen ihnen, Fehler zu vermeiden, wir bringen sie auch zusammen. Sie tauschen sich untereinander aus, helfen einander. Dieses Miteinander hält oft sehr lange nach den Workshops an. Sie lernen Gleichgesinnte kennen. Freunde. Wir könnten eigentlich eine Partnervermittlung aufmachen (lacht wieder).

    SonnenKlee: Kannst du uns kurz erklären was eine Strohbau Fachkraft ist und wie viele ausgebildete es in Europa und in Österreich bereits gibt. Wo kann ich sie finden, wenn ich ein Stroh-Projekt plane?

    Herbert Gruber: Während es bei unseren Schnupperworkshops ums Mitmachen und um die Grundregeln des Bauens und der Bauphysik geht, geht es im 8-monatigen STEP-Kurs (Strohbau-Training für Europäische Professionisten) ans Eingemachte. Menschen, die den Strohballenbau und was alles dazu gehört, ein natürliches, nachhaltiges, energiesparendes Haus zu bauen, als Beruf ausüben wollen, brauchen natürlich viel mehr Informationen. Sie müssen vor allem auch alle möglichen Fehlerquellen kennen und vermeiden können. Sie sollten dann ja selbst entscheiden können, was falsch und was richtig ist. Sie tragen Verantwortung nicht nur für sich selbst, auch für andere und deren Ersparnisse. Moralisch wie legistisch. Baue ich selbst mit, kann ich immer eine Fachfrau oder einen Fachmann fragen. Baue ich selbst, sollte ich das selbst wissen. Oder zumindest sollte ich wissen, wo ich nachschauen kann. Diese Möglichkeit der fundierten Ausbildung bieten wir seit 2017 an. In Deutschland wird die Fachkraft Strohballenbau schon länger angeboten. Allerdings ist das ein etwas kürzerer, nicht so intensiver Kurs. Und bei uns gibt es Trainingsbaustellen. Unsere Trainees lernen also auch auf echten Baustellen ein Haus mit Strohballen, Hanf und Flachs zu dämmen, luft- und winddicht auszuführen, zu verputzen und Fehler zu vermeiden. Wir bilden also „zertifizierte Strohballenbauer“ aus, basierend auf dem Europäischen ECVET-System in Level 3 (mitverantwortlich) und Level 4 (eigenverantwortlich). Daneben bilden wir auch europaweit Trainer von Strohballen-Organisationen aus, die das STEP-Training in ihren eigenen Ländern anbieten wollen. Obwohl es dafür zahlreiche Fördermöglichkeiten wie Bildungskarenz, Umschulungsförderungen durch das AMS oder Europäische Programme wie Mobilities und Internships usw. gibt, ist die Teilnahme am STEP-Kurs schon auch eine Art Lebens- und Jobentscheidung für die eigene Zukunft. Derzeit gibt es 13 bereits zertifizierte, wovon die meisten mit uns in der Genossenschaft StrohNatur zusammen arbeiten und etwa 26 Teilnehmer*innen in Ausbildung. Demgegenüber haben bei unseren 3-Tages-Schnupper-Workshops mit je einem Tag Strohballen- und Lehmputz-Praxis an die 900 Teilnehmer*innen teilgenommen. Aber diese Kurse bieten wir auch schon seit 2008 an.

    SonnenKlee: Open Source Konzepte setzen sich zunehmend auch im Baubereich durch, wie man zum Beispiel am Erdwärme & Ringgrabenkollektor sehen kann. Kannst du uns kurz das Open Source Vivihouse-Konzept beschreiben und welche Vorteile es für die/den Baufrau/-herren bietet?

    Herbert Gruber: Mit diesem Projekt der TU Wien, gefördert vom FFG und klima+energie-fonds, bei dem wir als Partner für den Strohballenbau und das Training der Student*innen verantwortlich sind schließt sich der Kreis zum verdichteten, mehrgeschossigen, urbanen Wohnungsbau. Wir haben in diesem Projekt überlegt, welche Möglichkeiten der Partizipation es im urbanen Raum geben kann, welche Bauweisen sich eignen, um den doch erhöhten Brandschutz- und Schallschutzbestimmungen im Wohnungsbau zu entsprechen. Das Resultat waren 3 Generalentwürfe und Produktionsweisen, die Nikolas, Paul und Mikka vom ICP mit Unterstützung der Partner konzipiert und in einem Toolkit zusammengefasst haben. Neben dem Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen wie Stroh und Holz und damit klimagerechtem, CO2-sparenden Bauen geht es hier um Partizipation und die damit verbundenen Einsparungen. Und natürlich um logistische Abläufe bei der Vorfertigung der Module. Denn mit vivihouse setzen wir – anders als im Einfamilienhausbau – auf Vorfertigung in der Halle. Ziel ist es, im Herbst 2019 ein mehrstöckiges Gebäude in Wien komplett mit Strohballendämmung zu errichten, dessen Module ziemlich komplett von Studenten gefertigt wurden. Die Tragkonstruktion, ein Holzskellettbau mit Stahlknoten wird von einer Zimmerei errichtet, die Haustechnik von einer Haustechnikfirma, also durchaus in Kooperation mit Baufirmen und Handwerkern.

    SonnenKlee: Ist es vorstellbar, dass Stroh als Baumaterial vielleicht einmal zum Mainstream wird?

    Herbert Gruber: Das kommt darauf an, wie man Mainstream definiert. Als etwas, worauf sich die meisten Menschen einigen können, dann haben wir den Mainstream eigentlich schon erreicht. Es gibt das Gerücht, dass in einigen Regionen in Frankreich überlegt wird, jeden Neubau eines Einfamilienhauses zwingend aus Stroh zu bauen. Das würde natürlich Sinn machen als Antwort auf die Klimaerwärmung. Dort gibt es aber auch bereits 7stöckige Strohballenhäuser, Schulen und Kindergärten in Strohbautechnik. Die politische Unterstützung ist dort auch viel größer, es gibt weniger Normen, die den Strohballenbau nach wie vor im größeren Maßstab behindern. Bei uns schreibt die Bauordnung (OIB-RL 2.1) vor: Bei Betriebsbauten … können auch Baustoffe aus Holz und Holzwerkstoffen der Klasse D verwendet werden, wobei gegebenenfalls verwendete Dämmstoffe der Klasse A2 entsprechen müssen. Was auf Deutsch heißt: Holzständerbauten, die in diese Klasse fallen, müssen mit mineralischen Dämmstoffen gedämmt werden, keine Chance für nachwachsende Rohstoffe. Es gilt also durchaus noch einige Hürden zu überwinden, bevor wir in diesem Sinne im Mainstream angekommen sind. Aber das kommt. So sicher wie der Klimawandel. Die Anfragen nach dieser nachhaltigen Bauweise steigen jedenfalls auch bei uns exponentiell. Will sagen: es wollen wesentlich mehr Menschen ein Strohballenhaus bauen, als wir Strohballenbauer überhaupt derzeit bauen können. Ich würde also sagen: das ist ein ziemlich zukunftssicherer Job. Und nach jedem Medienbericht über Strohballenhäuser, nach jedem Film, jeder Innovation in diesem Bereich, wächst und wächst die Zahl derer, die sich ein Strohballenhaus nicht nur vorstellen können sondern solch ein natürliches Haus auch bauen würden.

    SonnenKlee: Kannst du uns schon ein paar Details von dem erzählen was die BesucherInnen am ESBG 2019 erwarten wird?

    Herbert Gruber: Wie alle zwei Jahre – 4 Tage Vorträge und Präsentationen, Hands-on-Workshops, Innovationen, Ideen, Austausch und eine wunderbare Gegend. Todmorden klingt ja irgendwie furchteinflößend, liegt aber äußerst idyllisch in der englischen Grafschaft West-Yorkshire. Alle, die sich in Europa mit dem Strohballenbau beschäftigen, werden dort sein. Ich natürlich auch mit 2 Vorträgen. Das ESBG findet übrigens von 15.-18. August statt.

    SonnenKlee: Was möchtest du unseren Strohbau-interessierten Leserinnen sonst noch mitgeben?

    Herbert Gruber: Habt Mut, Euer eigenes Leben wieder in Eure eigene Hand zu nehmen. Der Strohballenbau ist dabei eine von vielen Möglichkeiten. Protestieren ist super, aber Tun ist noch besser.

    Lieber Herbert, vielen Dank für das sehr interessante Gespräch!

    Links:

     

    Bericht von der Strohhaus-Tour im Raum Wien

    Bericht von der Strohhaus-Tour im Raum Wien

    Am Freitag, den 21.09.2018 waren wir wieder auf einer Strohhaus-Tour unterwegs. Diesmal starteten wir südlich von Wien und zwar mit dem Firmengebäude der Baumeister Höller GmbH, einem Passivhaus das in lasttragender Strohbauweise errichtet wurde.

    Das zweigeschoßige Gebäude wurde mit Kalk direkt auf Stroh verputzt und an dem Objekt wurden zahlreiche Detaillösungen neu entwickelt. Geschäftsführer und Baumeister DI Robert Kraus und der Planungsexperte Erich Wallner standen uns für zahlreiche Fragen zur Verfügung.
    Und für alle die bei unserer Tour nicht dabei waren, gibt’s schon bald (5.10.-7.10.2018) die Möglichkeit das Strohhaus im Rahmen der Veranstaltung „Kunst und Kultur im Strohhaus“ zu besuchen. Details gibt’s hier zu lesen.

    Das zweite Objekt war ein Einfamilienhaus in Massivbauweise bei dem die oberste Geschoßdecke mit Stroh gedämmt wurde. Dieses Projekt wurde von der Baumeister Höller GmbH realisiert. Oberste Geschoßdecken und Dachdämmungen werden schon seit einiger Zeit standardmäßig mit zertifiziertem Baustroh angeboten und von vielen Kunden auch sehr gerne angenommen.
    Oberste Geschoßdecke Strohdämmung

    Zuletzt durften wir das Firmengebäude der Lopas GmbH besichtigen. Das Objekt besteht aus vorgefertigten, mit Strohhäckseldämmung befüllten Elementen und ist innen und außen mit Lehm verputzt. Die Lehm-Vlies-Technik als Windbremsebene mit rein natürlichen Materialien wurde speziell entwickelt. Das Gebäude ist mit der teilweise vorgehängten Lärchenholzfassade auch ein optischer Hingucker. Es ist seit 14 Jahren in Betrieb und der minimale Heizbedarf sorgt für niedrigste Betriebskosten. Das größte Einsparungspotential an Primärenergie konnte aber bereits beim Bau, durch die nahezu ausschließliche Verwendung von ökologischen Baustoffen generiert werden. Roland Meingast führte uns durch das Gebäude und konnte mit seiner langjährigen Erfahrung im Bereich Stroh und Lehm alle begeistern.

    Prächtiges Herbstwetter hat uns die Tour sehr angenehm gemacht und wir freuen uns natürlich schon auf die Nächste. Bei Interesse bitte einfach eine Nachricht an uns schicken!

    Interview mit Wouter Klijn – Strohbau-Verband Niederlande

    Interview mit Wouter Klijn – Strohbau-Verband Niederlande

    Auch in den Niederlanden findet Bauen mit Stroh immer mehr Anhänger. Einer der treibenden Kräfte im Niederländischen Strohbau ist Wouter Klijn. Er engagiert sich beim Niederländischen Strohbau-Verband (Strobouw Nederland) und ist auch beratend für verschiedene Projekte tätig. Strobouw Nederland ist Projektpartner des derzeit laufenden, EU-geförderten Interreg-Projektes UP STRAW, in das Wouter ebenfalls involviert ist. Im Mai war Wouter im Zuge eines Österreichbesuchs auch bei uns in Abetzdorf, um unsere SonnenKlee Baustroh-Produktion zu besichtigen. Wir freuen uns, dass er heute unserer Einladung zu einem Interview nachgekommen ist und uns mit aktuellen Informationen aus den Niederlanden versorgt.

    SonnenKlee: Hallo Wouter, bitte stell dich unseren Lesern kurz vor und sag uns auch wie du zum Thema Bauen mit Stroh gekommen bist?

    Wouter Klijn: Seit der Gründung im Jahr 2010 bin ich Mitglied im Strohbau-Verband Niederlande und in dem Verein konzentriere ich mich hauptsächlich auf die technische Seite des Bauens mit Stroh, auf die internationale Zusammenarbeit und auf den Austausch von Wissen und Unterricht im Strohbau.

    Vor mehr als 20 Jahren, bekam ich von meiner Mutter einen Strohlehm-Kurs. Es war ein Tag Theorie in Utrecht und eine Wochenendhilfe für ein Strohlehm-Projekt in Belgien. Es war ein sehr schönes Geschenk und die Materialen haben mich beeindruckt, aber ich musste auch feststellen, dass dies nicht wirklich meine Art zu bauen war.

    Etwa 10 Jahre später war ich an einem Verein beteiligt, der gemeinsam eine nachhaltige Nachbarschaft aufbauen wollte und dabei war Bauen mit Stroh wieder ein Thema. Aber diesmal waren es Strohballen die zum Einsatz kommen sollten. Ich war dann 5 Tage auf dem “European Strawbale Gathering 2009” (ESBG) in Riemst/Belgien und das war der große Wendepunkt für mich. In den folgenden 9 Jahren kam immer mehr Stroh in mein Leben. Ich hatte immer weniger Zeit für meinen Chef zu arbeiten und vor drei Jahren habe ich dann aufgehört als Projektmanager im Industriebau und seitdem widme ich jetzt den Großteil meiner Zeit dem Verein und gelegentlich arbeite ich auch als beaufsichtigender Berater bei Strohbauprojekten für Architekt, Bauunternehmer oder andere Auftraggeber.

    SonnenKlee: Kannst du uns bitte kurz erklären was das Interreg-Projekt UP STRAW ist und wie es entstanden ist?

    Wouter Klijn: UP STRAW ist eine Partnerschaft mit 8 Partnern aus 5 Ländern (UK, BE, FR, DE, NL) und gemeinsam werden wir den professionellen / öffentlichen Strohbau einen Schritt weiterbringen. Wir wollen erreichen, dass Stroh zur Errichtung von Gebäuden mehr Anwendung findet und dafür möchten wir folgende Ziele erreichen: Wissen verbreiten, Fachleute ausbilden, den Markt simulieren und fünf Projekte umsetzen. Die fünf Beispielprojekte werden in Hastings-UK, Tilburg-NL, Namur-BE, Montargis-FR und Plankstetten-DE realisiert.

    Zur Entstehung des Projekts UP STRAW müssen wir 3 Jahre zurückgehen. Im Jahr 2015 wurde nach sechs Jahren erfolgreicher europäischer Zusammenarbeit die Ausbildung zur Strohbau-Fachkraft etabliert. Dabei hat sich gezeigt, dass die internationale Zusammenarbeit sehr wertvoll ist und dabei entstand der Plan, einen Europäischen Strohbauverband (ESBA – European Straw Building Association) zu gründen. Die noch bessere Zusammenarbeit innerhalb Europas erleichterte auch die Gründung internationaler Projekte und UP STRAW war eines der ersten europäischen Erfolge seit der Gründung von ESBA.

    UP STRAW ist eine Partnerschaft mit einer Interreg-Mitfinanzierung. Das Zusammenbringen einer relativ großen Anzahl an kleineren Organisationen für Interreg war kein leichter Weg aber nach Ups and Downs fing das Projekt schließlich doch an erfolgreich zu laufen.

    SonnenKlee: Der Niederländischen Strohbau-Verband (Strobouw Nederland) ist ja eine der Partnerorganisationen von UP STRAW. Was wurde im Rahmen der Partnerschaft schon alles realisiert und welche Pläne habt ihr noch bis zum Ende des Programms 2020?

    Wouter Klijn: Wie schon erwähnt werden die 8 Partner Beispielprojekte in 5 Ländern realisieren. In den Niederlanden ist es eine Investition der Stadt Tilburg in die Renovierung einer Sporthalle. Zu diesem Zweck wurde ein Entwurf erstellt, der Flächennutzungsplan wurde angepasst, der Genehmigungsausschuss hat zugestimmt und nun folgt noch die Ausschreibung. Neben den fünf Investitionsprojekten gibt es eine Reihe von Themen, an denen auch gemeinsam gearbeitet wird:

    – Ausbildung im Strohbau für Studenten und Profis,
    – Erstellung einer Datenbank mit den wichtigsten Studien im Bereich Bauen mit Stroh,
    – Entwicklung von CO2- und LCA-Berechnungsmethoden, um die Auswirkungen der Strohstruktur deutlich sichtbar / vergleichbar zu machen
    – BIM-Modelle für Strohbau,
    – Durchführung von Marktanalysen,
    – Arbeiten an der Zukunft von Stroh in Ballenform für Strohbau,
    – Projektkommunikation und Übertragung des UP STRAW Projektes an die European Strobouw Association (ESBA).
    Viele dieser Themen laufen bereits und manche sind noch in Vorbereitung. Näheres findet man auch im Internet unter folgendem Link.

    SonnenKlee: Gibt es sonst noch interessante Strohbau-Projekte in den Niederlanden, die du kennst oder in die du vielleicht auch involviert bist?

    Wouter Klijn: Das Beispielprojekt der Gemeinde Tilburg ist natürlich ein besonderes Projekt. Erstens, weil es sich um die Renovierung eines öffentlichen Gebäudes handelt. Zweitens, weil es ein großes Projekt mit mehr als 1.200 m² Stroh in der Fassade und im Dach ist. Und mit diesem Projekt versuchen wir auch den Schritt vom Fertigstroh zu Einblasstroh zu machen.

    Andere Projekte, die ich erwähnen möchte, wären folgende:

    Eine erdbebensichere Strohkonstruktion in den Niederlanden.
    PrefabStrobouw fertigt in den letzten Jahren auch vorgefertigte Stroh Paneele in den Niederlanden. Derzeit werden ihre Paneele ebenfalls getestet und als „Innovationsfassade“ im BINK (BuildinG Innovation NetworK) gezeigt. Dies ist Teil eines Konstruktionsinnovationszentrums. Das „Building Innovation Center North Netherlands“ beschäftigt sich mit immer wieder auftretenden Erdbeben, die im Norden der Niederlande aufgrund der jahrzehntelangen Gasproduktion entstanden.

    Die Firma StrawblocksSystems stellt Strohpaneele für den professionellen Bau her.
    Sie tun dies auch mit minimalem Einsatz von Holz und maximaler Strohoberfläche. Die Paneele sind an die Art der jeweiligen Verarbeitung angepasst (mit Polsterung oder Stuck). Ein schönes Beispiel ist ein Yoga-Zentrum in Sterksel.

    Das Projekt von OrioArchitecten ist bereits weit fortgeschritten mit den notwendigen Genehmigungen für ein selbsttragendes Projekt mit Earthship aus Holz und Stroh Bei dem interessanten Projekt soll auch eine RFS (Reciprocal Frame Structure) verwendet werden.

    Und ich selbst bin an der Konstruktion eines Bio-Architektur-Designs von Michael Rice beteiligt. Dieser Bau wird in der Nähe von Amsterdam realisiert. Es ist ein Design in einem Traum geschaffen. Mit den Stroharbeiten müssen wir schon im Frühjahr 2019 beginnen.

     

    SonnenKlee: Die Strohbau-Community lebt ja bekanntlich vom gegenseitigen Austausch, kannst du uns vielleicht ein paar interessante nationale oder auch internationale Events nennen, die in der nächsten Zeit stattfinden werden?

    Wouter Klijn: In den Niederlanden ist die wichtigste Messe die „De Bouwbeurs 2019“. Die Veranstaltung ist vom 4. bis 8. Februar 2019 in Utrecht. Die Messe findet jedes zweite Jahr statt und für die Niederlande ist sie die einzige große Messe in der Baubranche.
    Der Verein Strobouw Nederland wird auch hier anwesend sein. Es wird eine lange Straße mit verschiedenen Strohbautechniken / Produkten und einem Stand mit allen möglichen Strohbau verwandte Produkten geben: Ausbau, Installationen, etc.
    Und 2019 gibt es auch eine ESBG (European StrawBale Gathering). Diesmal findet diese zweijährliche Veranstaltung in Großbritannien statt. Der Ort ist noch nicht fix aber möglicherweise wird das Netzwerktreffen in der Nähe von Hastings stattfinden. Das ESBG ist ein mehrtägiges Treffen von vielen europäischen Fachleuten im Bereich von Bauen mit Stroh und den damit verbundenen Techniken.

    Im Jahr 2017 war die ESBG in Venedig und man kann hier darüber nachlesen.

    SonnenKlee: Wie viele Strohhäuser gibt es in den Niederlanden schon und wie denkst du wird sich der Strohbau in den nächsten Jahren entwickeln?

    Wouter Klijn: In den Niederlanden gibt es etwa 150 Strohprojekte.
    In den letzten Jahren haben wir gesehen, dass der Strohbau immer unabhängiger wird. In den ersten Jahren ging ein großer Teil der Entwicklung, oder die Information darüber, über unseren Strohbau-Verein. In letzter Zeit tauchen immer mehr unbekannte Projekte auf, bei denen kein Kontakt oder keine Informationen durch den Verein entstanden sind.
    Ich persönlich glaube, dass es derzeit wirklich eine Chance gibt, dass sich der Strohbau in die Breite entwickelt. Das erfordert einiges an Anstrengung, nicht nur bezüglich Regulierungen, die dem klimagerechten Bauen mehr Raum geben sollen, sondern es bedarf auch Unterstützung mit den richtigen Informationen für alle Beteiligten. Außerdem braucht es noch mehr inspirierende Beispiele und auch Organisationen, die es wagen mit Strohbau neue Wege zu gehen.

    SonnenKlee: Was wäre deiner Meinung nach wichtig, damit klimaschonendes Bauen und Dämmen mit Stroh öfter zur Anwendung kommt?

    Wouter Klijn: Zahlen Daten und Fakten sind nicht genug. Eine Tonne Stroh hält 1,5 Tonnen CO2 für mehr als die Lebensdauer eines Gebäudes aus der Atmosphäre. Besseres Bauen ist kaum möglich. Stroh als Baumaterial zu einer guten Alternative zu machen, erfordert viel mehr. Der Bau ist kein innovativer Sektor. Der Strohbau hat also großen Widerstand aufgrund von Informationsmangel und Vorurteilen.
    Bauen mit Stroh muss selbstverständlich werden. Dabei ist es wichtig, im Voraus mit klaren und leicht zugänglichen WIE- und WARUM-Informationen den Zugang zu erleichtern.
    Und dann komme ich noch zur richtigen Herangehensweise. In der amerikanischen Typologie der Strohbauweise stoße ich oft auf den Begriff „Schlamm und Stroh“. Dies scheint mir im professionellen Strohbau kein brauchbares Bild zu sein. Das ist nur in einer ganz speziellen enthusiastischen Welt gut.

    SonnenKlee: Ist die Zeit jetzt reif für einen nächsten großen Fortschritt im Strohbau?

    Wouter Klijn: Ich denke, die Chancen sind klar. Aber es ist kein Prozess, der selbstverständlich ist. Es braucht das richtige Management. Darüber hinaus denke ich, dass es auch eine große Herausforderung ist, zuerst die „richtige Richtung“ zu finden und sie dann effektiv anwenden zu können.
    Das geschieht nicht von heute auf morgen. Ein großer Schritt nach vorn erfordert die notwendige Synchronisierung von Angebot und Nachfrage in den Bereichen Ausbildung, Marketing, Versorgung, Regulierung usw.

    In diesem Zusammenhang sehe ich auch, dass es in vielen Projekten immer noch eine Herausforderung ist, den richtigen Strohballen zu finden. Wo kann man gutes Stroh kaufen? Welche Anforderungen muss es auf ein Minimum erfüllen? Welche Dimensionen sind verfügbar? Ist das Stroh ohne Pestizide? Kann es organisch sein? Was sind die Kosten?  Wie koordiniere ich Projekt und Lieferung?  Und was ist mit der Zertifizierung und wofür brauche ich sie?
    Landwirte und Akteure der Baubranche müssen sich finden und sich gegenseitig unterstützen. Das sehe ich auch als eine sehr wichtige Aufgabe für unseren Strohbauverein.

     

    SonnenKlee: Was möchtest du unseren Strohbau-Interessierten Leserinnen sonst noch mitgeben?

    Wouter Klijn: – Manchmal schaue ich gerne aus größerer Distanz auf den Verlauf des Geschehens: Jede Bautechnik kann auf verschiedene Arten angewendet werden. Wir sind alle frei, aber die Auswahl ist begrenzt. Ich sehe dann 3 Möglichkeiten:
    – Vergiss es und tu es nie wieder – mach es wie seit Jahren – tu auf eine neue Art und Weise.

    Mit Stroh bauen, anders als bisher, das ist die größte Herausforderung für mich. Und dabei geht es nicht nur ums „machen“, sondern ums „verstehen“.

    Etwas anders machen als bisher, das tun wir ständig, oft ohne es zu sehen und zu wissen.
    Erkennen und verstehen, dass wir etwas anderes machen, das erfordert im Bauwesen über die bekannten Rahmenbedingungen hinauszugehen und sich mit dem Material neu zu befassen. Es geht darum alte Methoden los zu lassen. Aber womit hast du noch etwas zu tun? Nichts. Das ist schwierig.

    Ich helfe mir dabei zum Beispiel, indem ich versuche in die Eigenschaften des Materials selbst hineinzusehen. Wie verhält sich Stroh tatsächlich?
    Was macht die Wärmeleitung manchmal unabhängig von der Dichte? Was passiert, wenn Kondensation in der Luft zwischen den Strohteilen und im Stroh selbst auftritt? Wie beginnt die Selbstentzündung in einer Strohmasse und unter welchen Bedingungen? Wie würde ich ein Problem lösen, wenn ich der Strohhalm wäre?

    Stroh ist ein schönes Material für mich. Im Laufe der Zeit war es immer ein nützliches Material für unsere sich ständig ändernden Umstände: Mangel an Holz, Geldmangel, Bedürfnis nach Natürlichkeit, Aufmerksamkeit für Gesundheit, Wunsch nach Komfort, Notwendigkeit, CO2 zu beseitigen, erschöpfende Rohstoffe und  und und … die Zukunft wird noch viel mehr dazu beitragen das Stroh als Baumaterial eingesetzt wird.

    Think like straw, don’t put it in your head!

    Lieber Wouter, vielen Dank für das sehr interessante Interviewgespräch.

     

     

     

    Pilotprojekt Stroh-Einblasdämmung in Tirol

    Pilotprojekt Stroh-Einblasdämmung in Tirol

    Unser neuestes Pilotprojekt bei dem wir SonnenKlee Stroh-Einblasdämmung zum Einsatz gebracht haben steht in den wunderschönen Tiroler Alpen. Die Verarbeitung durch unseren Einblas-Partner (Siegfried Walser/Isocell) verlief reibungslos und die Qualität unseres Bio-Produkts hat sich wieder einmal bewährt. Unsere 100% ökologische und wirklich nachhaltige Dämm-Alternative funktioniert sehr gut und wir arbeiten weiterhin an der Erlangung einer Europäisch technischen Zulassung für unser Produkt.

    Falls auch Sie ihr Projekt mit Stroh dämmen möchten, dann senden Sie uns eine Nachricht mit den Eckdaten. Wir prüfen ob und in welcher Form Stroh als Dämmstoff einsetzbar ist und machen Ihnen ein Angebot.

    Fotos Ruth Ostermann.