Wir haben die langjähriege Strohhaus-Bewohnerin Romana zum Thema bauen mit Stroh und leben im Strohhaus befragt.

Frage 1: Sie leben seit 10 Jahren in einem strohgedämmten Haus. Warum haben Sie sich damals für Stroh als Dämmmaterial entschieden?

Ja. Es kommt mir noch gar nicht so lange vor. (Lacht) Die Zeit vergeht so schnell. Ich kann mich noch genau erinnern als wir damals beschlossen haben ein Haus zu bauen. Die Entscheidung kam erst mit dem richtigen Grundstück auf dem wir unsere Vorstellungen auch wirklich umsetzen konnten. Wir hatten sehr viele Grundstücke angeschaut und alle hatten irgendwie einen Haken (Servitutsrechte, Grundstück mit bestehendem Fundament etc.) Als wir aber dann das passende Grundstück gefunden hatten, kam die Entscheidung dann sehr schnell. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine Idee davon WIE wir bauen wollten. Ein Freund von uns meinte dann eher scherzhaft, dass wir ja ein Strohhaus bauen könnten, was wir erstmals gleich verworfen haben.

Nach unserem Besuch in der Blauen Lagune, in der wir keine für uns passende Bauweise finden konnten, begannen wir dann aber doch zum Thema Dämmen mit Stroh im Internet zu recherchieren, und waren dann sehr schnell von dem nachwachsenden Rohstoff Stroh überzeugt, da uns Stroh in Kombination mit Holz im Vergleich zu den angebotenen Wandaufbauten der Fertigteilthersteller der Blauen Lagune sehr massiv erschien. Nichts desto trotz war es unserem Umfeld gegenüber nicht immer ganz einfach diese damals noch sehr „exotische Bauweise“ zu argumentieren. Sehr häufig waren wir mit den gängigen Vorurteilen (Mäuse, Ungeziefer, Feuchte) gegenüber Stroh als Dämmstoff konfrontiert. Die gutgemeinten Warnungen und Ratschläge aus unserem Umfeld, die uns vom Bauen mit Stroh eher abhalten wollten, waren dann manchmal auch ganz schön nervig. Abgehalten haben sie uns allerdings nicht.

Ein weiterer Grund war sicher auch, dass wir regionale, klein- und mittelständische Betriebe fördern wollten. Wir wollten nicht, dass unser Geld in industrielle Baukonzerne fließt. Unser Bauprojekt sollte dazu beitragen Wertschöpfung in der unmittelbaren Region zu erzeugen. Sowohl das Stroh als auch die Dienstleistung haben wir dann aus der unmittelbaren Region bezogen.

Natürlich haben uns auch die ökologischen Vorteile von Stroh angesprochen. Der Gedanke ein Haus zu bauen, dessen Bauschutt quasi kompostierbar ist, hat uns sehr gefallen. Schließlich haben uns die ausgezeichneten Wärmedämmeigenschaften überzeugt, die es spielend möglich machen ein Haus mit extrem niedrigen Erhaltungsenergieaufwand zu bauen. Und die Erfahrung von 10 Jahren zeigt, dass wir tatsächlich sehr wenig Energie brauchen und im Vergleich zu anderen kaum zur Klimaerwärmung beitragen. Das ist ein gutes Gefühl.

Frage 2: Es gibt ja unterschiedliche Strohbautechniken welche Variante haben Sie gewählt und warum?

Für uns kam damals eigentlich nur die Holzriegelbauweise mit gepressten Strohballen im Inneren in Frage. Die lasttragende Bauweise war uns damals zu abenteuerlich. Stroh war damals ja noch kein zertifizierter Baustoff. Aber in den letzten 10 Jahren hat sich viel getan. Und mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass auch die lasttragende Bauweise ausgezeichnet funktioniert, wenn die Ausführung professionell und präzise erfolgt.

Frage 3: Hatten Sie bisher einmal Probleme mit Ungeziefer oder Mäusen?

(Lacht) Diese Frage kann ich mit ganz ruhigem Gewissen mit einem klaren Nein beantworten. Einzig und allein unsere Katze bringt uns manchmal ein Geschenk und legt es vor die Tür. Wir hatten weder im Haus noch in der Wand Mäuse oder anderes Ungeziefer. Bekannte von uns, die ihr Holzriegelhaus mit Zellulose gedämmt haben, haben uns allerdings erzählt, dass irgendwelche Tierchen in ihrer Hauswand wohnen würden. Sie würde es in der Nacht immer kratzende Geräusche in der Wand hören. So etwas ist bei uns bis jetzt noch nicht vorgekommen, das ist auf die Pressung der Strohballen zurückzuführen, die keinen Raum für Kleintiere lassen und die zusätzliche hermetische Abschirmung durch Holzriegelkonstruktion und Lehmputz.

Frage 4: Immer wieder wird neben den ökologischen Vorteilen des Bauens mit Stroh auch das optimierte Raumklima eines Strohhauses hervorgehoben? Hat sich das ihrer Meinung nach bestätigt?

Unsere Strohwände sind innen mit Lehm verputzt und wir haben tatsächlich ein erstklassiges Raumklima. Es hört sich komisch an, aber es ist tatsächlich wahr, dass ich am Anfang als wir eingezogen sind, gar nicht mehr auf Urlaub fahren wollte, weil ich mich in unserem Haus so wohl gefühlt habe. Stroh in Verbindung mit Lehm liefert tatsächlich ein wohlig warmes, behagliches Wohngefühl. Vor allem im Winter ist es in herkömmlichen Häusern, obwohl ausreichend eingeheizt kalt, da die Wände irgendwie kalt abstrahlen. Wenn man zum Stroh noch Lehm einsetzt, ist das ganz anders, denn Lehm speichert die Wärme. Es gibt also keine unangenehme kalte Abstrahlung. Viele Leute fragen uns auch ob wir eine Fußbodenheizung haben, was wir regelmäßig verneinen.

Frage 5: Würden Sie rückblickend etwas anders machen?

Nein, eigentlich nicht. Bei unserem Bauprojekt hat im Großen und Ganzen alles sehr gut funktioniert, abgesehen von kleinen und leicht korrigierbaren Baupannen, die es auf jeder Baustelle geben kann. Wir würden auf jeden Fall wieder mit Stroh bauen. Könnten wir heute noch ein Haus bauen, dann wäre die lasttragende Bauweise für uns aber ebenfalls sehr reizvoll. Der Strohballenbau hat sich in den vergangenen 10 Jahren sehr stark weiterentwickelt und professionalisiert. Die Bauweise aus Stroh und Holz ist heute bereit standardisiert, in unserer Region relativ weit verbreitet und für den modernen Zimmerer keine große Herausforderung mehr.

Frage 6: Was würden Sie jemanden raten der gerne ein Strohhaus bauen möchte?

Was ich Leuten mitgeben möchte, die sich nicht ganz sicher sind mit dem Stroh: Laßt euch nicht verunsichern durch die möglicherweise auch gut gemeinten Ratschläge und Warnungen von Leuten aus eurem Umfeld. Wenn ihr Euch für ein Strohballenhaus entscheidet, dann ist das echt gut investiertes Geld in eine sehr, sehr hohe Lebensqualität, die ihr mit herkömmlichen Bauweisen nur schwer erreichen könnt. Zudem ist das Ganze noch ökologisch, nachhaltig und klimaneutral. Was will man mehr!

 

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