Bericht von der Strohhaus-Tour im Raum Wien

Bericht von der Strohhaus-Tour im Raum Wien

Am Freitag, den 21.09.2018 waren wir wieder auf einer Strohhaus-Tour unterwegs. Diesmal starteten wir südlich von Wien und zwar mit dem Firmengebäude der Baumeister Höller GmbH, einem Passivhaus das in lasttragender Strohbauweise errichtet wurde.

Das zweigeschoßige Gebäude wurde mit Kalk direkt auf Stroh verputzt und an dem Objekt wurden zahlreiche Detaillösungen neu entwickelt. Geschäftsführer und Baumeister DI Robert Kraus und der Planungsexperte Erich Wallner standen uns für zahlreiche Fragen zur Verfügung.
Und für alle die bei unserer Tour nicht dabei waren, gibt’s schon bald (5.10.-7.10.2018) die Möglichkeit das Strohhaus im Rahmen der Veranstaltung „Kunst und Kultur im Strohhaus“ zu besuchen. Details gibt’s hier zu lesen.

Das zweite Objekt war ein Einfamilienhaus in Massivbauweise bei dem die oberste Geschoßdecke mit Stroh gedämmt wurde. Dieses Projekt wurde von der Baumeister Höller GmbH realisiert. Oberste Geschoßdecken und Dachdämmungen werden schon seit einiger Zeit standardmäßig mit zertifiziertem Baustroh angeboten und von vielen Kunden auch sehr gerne angenommen.
Oberste Geschoßdecke Strohdämmung

Zuletzt durften wir das Firmengebäude der Lopas GmbH besichtigen. Das Objekt besteht aus vorgefertigten, mit Strohhäckseldämmung befüllten Elementen und ist innen und außen mit Lehm verputzt. Die Lehm-Vlies-Technik als Windbremsebene mit rein natürlichen Materialien wurde speziell entwickelt. Das Gebäude ist mit der teilweise vorgehängten Lärchenholzfassade auch ein optischer Hingucker. Es ist seit 14 Jahren in Betrieb und der minimale Heizbedarf sorgt für niedrigste Betriebskosten. Das größte Einsparungspotential an Primärenergie konnte aber bereits beim Bau, durch die nahezu ausschließliche Verwendung von ökologischen Baustoffen generiert werden. Roland Meingast führte uns durch das Gebäude und konnte mit seiner langjährigen Erfahrung im Bereich Stroh und Lehm alle begeistern.

Prächtiges Herbstwetter hat uns die Tour sehr angenehm gemacht und wir freuen uns natürlich schon auf die Nächste. Bei Interesse bitte einfach eine Nachricht an uns schicken!

Interview mit Wouter Klijn – Strohbau-Verband Niederlande

Interview mit Wouter Klijn – Strohbau-Verband Niederlande

Auch in den Niederlanden findet Bauen mit Stroh immer mehr Anhänger. Einer der treibenden Kräfte im Niederländischen Strohbau ist Wouter Klijn. Er engagiert sich beim Niederländischen Strohbau-Verband (Strobouw Nederland) und ist auch beratend für verschiedene Projekte tätig. Strobouw Nederland ist Projektpartner des derzeit laufenden, EU-geförderten Interreg-Projektes UP STRAW, in das Wouter ebenfalls involviert ist. Im Mai war Wouter im Zuge eines Österreichbesuchs auch bei uns in Abetzdorf, um unsere SonnenKlee Baustroh-Produktion zu besichtigen. Wir freuen uns, dass er heute unserer Einladung zu einem Interview nachgekommen ist und uns mit aktuellen Informationen aus den Niederlanden versorgt.

SonnenKlee: Hallo Wouter, bitte stell dich unseren Lesern kurz vor und sag uns auch wie du zum Thema Bauen mit Stroh gekommen bist?

Wouter Klijn: Seit der Gründung im Jahr 2010 bin ich Mitglied im Strohbau-Verband Niederlande und in dem Verein konzentriere ich mich hauptsächlich auf die technische Seite des Bauens mit Stroh, auf die internationale Zusammenarbeit und auf den Austausch von Wissen und Unterricht im Strohbau.

Vor mehr als 20 Jahren, bekam ich von meiner Mutter einen Strohlehm-Kurs. Es war ein Tag Theorie in Utrecht und eine Wochenendhilfe für ein Strohlehm-Projekt in Belgien. Es war ein sehr schönes Geschenk und die Materialen haben mich beeindruckt, aber ich musste auch feststellen, dass dies nicht wirklich meine Art zu bauen war.

Etwa 10 Jahre später war ich an einem Verein beteiligt, der gemeinsam eine nachhaltige Nachbarschaft aufbauen wollte und dabei war Bauen mit Stroh wieder ein Thema. Aber diesmal waren es Strohballen die zum Einsatz kommen sollten. Ich war dann 5 Tage auf dem “European Strawbale Gathering 2009” (ESBG) in Riemst/Belgien und das war der große Wendepunkt für mich. In den folgenden 9 Jahren kam immer mehr Stroh in mein Leben. Ich hatte immer weniger Zeit für meinen Chef zu arbeiten und vor drei Jahren habe ich dann aufgehört als Projektmanager im Industriebau und seitdem widme ich jetzt den Großteil meiner Zeit dem Verein und gelegentlich arbeite ich auch als beaufsichtigender Berater bei Strohbauprojekten für Architekt, Bauunternehmer oder andere Auftraggeber.

SonnenKlee: Kannst du uns bitte kurz erklären was das Interreg-Projekt UP STRAW ist und wie es entstanden ist?

Wouter Klijn: UP STRAW ist eine Partnerschaft mit 8 Partnern aus 5 Ländern (UK, BE, FR, DE, NL) und gemeinsam werden wir den professionellen / öffentlichen Strohbau einen Schritt weiterbringen. Wir wollen erreichen, dass Stroh zur Errichtung von Gebäuden mehr Anwendung findet und dafür möchten wir folgende Ziele erreichen: Wissen verbreiten, Fachleute ausbilden, den Markt simulieren und fünf Projekte umsetzen. Die fünf Beispielprojekte werden in Hastings-UK, Tilburg-NL, Namur-BE, Montargis-FR und Plankstetten-DE realisiert.

Zur Entstehung des Projekts UP STRAW müssen wir 3 Jahre zurückgehen. Im Jahr 2015 wurde nach sechs Jahren erfolgreicher europäischer Zusammenarbeit die Ausbildung zur Strohbau-Fachkraft etabliert. Dabei hat sich gezeigt, dass die internationale Zusammenarbeit sehr wertvoll ist und dabei entstand der Plan, einen Europäischen Strohbauverband (ESBA – European Straw Building Association) zu gründen. Die noch bessere Zusammenarbeit innerhalb Europas erleichterte auch die Gründung internationaler Projekte und UP STRAW war eines der ersten europäischen Erfolge seit der Gründung von ESBA.

UP STRAW ist eine Partnerschaft mit einer Interreg-Mitfinanzierung. Das Zusammenbringen einer relativ großen Anzahl an kleineren Organisationen für Interreg war kein leichter Weg aber nach Ups and Downs fing das Projekt schließlich doch an erfolgreich zu laufen.

SonnenKlee: Der Niederländischen Strohbau-Verband (Strobouw Nederland) ist ja eine der Partnerorganisationen von UP STRAW. Was wurde im Rahmen der Partnerschaft schon alles realisiert und welche Pläne habt ihr noch bis zum Ende des Programms 2020?

Wouter Klijn: Wie schon erwähnt werden die 8 Partner Beispielprojekte in 5 Ländern realisieren. In den Niederlanden ist es eine Investition der Stadt Tilburg in die Renovierung einer Sporthalle. Zu diesem Zweck wurde ein Entwurf erstellt, der Flächennutzungsplan wurde angepasst, der Genehmigungsausschuss hat zugestimmt und nun folgt noch die Ausschreibung. Neben den fünf Investitionsprojekten gibt es eine Reihe von Themen, an denen auch gemeinsam gearbeitet wird:

– Ausbildung im Strohbau für Studenten und Profis,
– Erstellung einer Datenbank mit den wichtigsten Studien im Bereich Bauen mit Stroh,
– Entwicklung von CO2- und LCA-Berechnungsmethoden, um die Auswirkungen der Strohstruktur deutlich sichtbar / vergleichbar zu machen
– BIM-Modelle für Strohbau,
– Durchführung von Marktanalysen,
– Arbeiten an der Zukunft von Stroh in Ballenform für Strohbau,
– Projektkommunikation und Übertragung des UP STRAW Projektes an die European Strobouw Association (ESBA).
Viele dieser Themen laufen bereits und manche sind noch in Vorbereitung. Näheres findet man auch im Internet unter folgendem Link.

SonnenKlee: Gibt es sonst noch interessante Strohbau-Projekte in den Niederlanden, die du kennst oder in die du vielleicht auch involviert bist?

Wouter Klijn: Das Beispielprojekt der Gemeinde Tilburg ist natürlich ein besonderes Projekt. Erstens, weil es sich um die Renovierung eines öffentlichen Gebäudes handelt. Zweitens, weil es ein großes Projekt mit mehr als 1.200 m² Stroh in der Fassade und im Dach ist. Und mit diesem Projekt versuchen wir auch den Schritt vom Fertigstroh zu Einblasstroh zu machen.

Andere Projekte, die ich erwähnen möchte, wären folgende:

Eine erdbebensichere Strohkonstruktion in den Niederlanden.
PrefabStrobouw fertigt in den letzten Jahren auch vorgefertigte Stroh Paneele in den Niederlanden. Derzeit werden ihre Paneele ebenfalls getestet und als „Innovationsfassade“ im BINK (BuildinG Innovation NetworK) gezeigt. Dies ist Teil eines Konstruktionsinnovationszentrums. Das „Building Innovation Center North Netherlands“ beschäftigt sich mit immer wieder auftretenden Erdbeben, die im Norden der Niederlande aufgrund der jahrzehntelangen Gasproduktion entstanden.

Die Firma StrawblocksSystems stellt Strohpaneele für den professionellen Bau her.
Sie tun dies auch mit minimalem Einsatz von Holz und maximaler Strohoberfläche. Die Paneele sind an die Art der jeweiligen Verarbeitung angepasst (mit Polsterung oder Stuck). Ein schönes Beispiel ist ein Yoga-Zentrum in Sterksel.

Das Projekt von OrioArchitecten ist bereits weit fortgeschritten mit den notwendigen Genehmigungen für ein selbsttragendes Projekt mit Earthship aus Holz und Stroh Bei dem interessanten Projekt soll auch eine RFS (Reciprocal Frame Structure) verwendet werden.

Und ich selbst bin an der Konstruktion eines Bio-Architektur-Designs von Michael Rice beteiligt. Dieser Bau wird in der Nähe von Amsterdam realisiert. Es ist ein Design in einem Traum geschaffen. Mit den Stroharbeiten müssen wir schon im Frühjahr 2019 beginnen.

 

SonnenKlee: Die Strohbau-Community lebt ja bekanntlich vom gegenseitigen Austausch, kannst du uns vielleicht ein paar interessante nationale oder auch internationale Events nennen, die in der nächsten Zeit stattfinden werden?

Wouter Klijn: In den Niederlanden ist die wichtigste Messe die „De Bouwbeurs 2019“. Die Veranstaltung ist vom 4. bis 8. Februar 2019 in Utrecht. Die Messe findet jedes zweite Jahr statt und für die Niederlande ist sie die einzige große Messe in der Baubranche.
Der Verein Strobouw Nederland wird auch hier anwesend sein. Es wird eine lange Straße mit verschiedenen Strohbautechniken / Produkten und einem Stand mit allen möglichen Strohbau verwandte Produkten geben: Ausbau, Installationen, etc.
Und 2019 gibt es auch eine ESBG (European StrawBale Gathering). Diesmal findet diese zweijährliche Veranstaltung in Großbritannien statt. Der Ort ist noch nicht fix aber möglicherweise wird das Netzwerktreffen in der Nähe von Hastings stattfinden. Das ESBG ist ein mehrtägiges Treffen von vielen europäischen Fachleuten im Bereich von Bauen mit Stroh und den damit verbundenen Techniken.

Im Jahr 2017 war die ESBG in Venedig und man kann hier darüber nachlesen.

SonnenKlee: Wie viele Strohhäuser gibt es in den Niederlanden schon und wie denkst du wird sich der Strohbau in den nächsten Jahren entwickeln?

Wouter Klijn: In den Niederlanden gibt es etwa 150 Strohprojekte.
In den letzten Jahren haben wir gesehen, dass der Strohbau immer unabhängiger wird. In den ersten Jahren ging ein großer Teil der Entwicklung, oder die Information darüber, über unseren Strohbau-Verein. In letzter Zeit tauchen immer mehr unbekannte Projekte auf, bei denen kein Kontakt oder keine Informationen durch den Verein entstanden sind.
Ich persönlich glaube, dass es derzeit wirklich eine Chance gibt, dass sich der Strohbau in die Breite entwickelt. Das erfordert einiges an Anstrengung, nicht nur bezüglich Regulierungen, die dem klimagerechten Bauen mehr Raum geben sollen, sondern es bedarf auch Unterstützung mit den richtigen Informationen für alle Beteiligten. Außerdem braucht es noch mehr inspirierende Beispiele und auch Organisationen, die es wagen mit Strohbau neue Wege zu gehen.

SonnenKlee: Was wäre deiner Meinung nach wichtig, damit klimaschonendes Bauen und Dämmen mit Stroh öfter zur Anwendung kommt?

Wouter Klijn: Zahlen Daten und Fakten sind nicht genug. Eine Tonne Stroh hält 1,5 Tonnen CO2 für mehr als die Lebensdauer eines Gebäudes aus der Atmosphäre. Besseres Bauen ist kaum möglich. Stroh als Baumaterial zu einer guten Alternative zu machen, erfordert viel mehr. Der Bau ist kein innovativer Sektor. Der Strohbau hat also großen Widerstand aufgrund von Informationsmangel und Vorurteilen.
Bauen mit Stroh muss selbstverständlich werden. Dabei ist es wichtig, im Voraus mit klaren und leicht zugänglichen WIE- und WARUM-Informationen den Zugang zu erleichtern.
Und dann komme ich noch zur richtigen Herangehensweise. In der amerikanischen Typologie der Strohbauweise stoße ich oft auf den Begriff „Schlamm und Stroh“. Dies scheint mir im professionellen Strohbau kein brauchbares Bild zu sein. Das ist nur in einer ganz speziellen enthusiastischen Welt gut.

SonnenKlee: Ist die Zeit jetzt reif für einen nächsten großen Fortschritt im Strohbau?

Wouter Klijn: Ich denke, die Chancen sind klar. Aber es ist kein Prozess, der selbstverständlich ist. Es braucht das richtige Management. Darüber hinaus denke ich, dass es auch eine große Herausforderung ist, zuerst die „richtige Richtung“ zu finden und sie dann effektiv anwenden zu können.
Das geschieht nicht von heute auf morgen. Ein großer Schritt nach vorn erfordert die notwendige Synchronisierung von Angebot und Nachfrage in den Bereichen Ausbildung, Marketing, Versorgung, Regulierung usw.

In diesem Zusammenhang sehe ich auch, dass es in vielen Projekten immer noch eine Herausforderung ist, den richtigen Strohballen zu finden. Wo kann man gutes Stroh kaufen? Welche Anforderungen muss es auf ein Minimum erfüllen? Welche Dimensionen sind verfügbar? Ist das Stroh ohne Pestizide? Kann es organisch sein? Was sind die Kosten?  Wie koordiniere ich Projekt und Lieferung?  Und was ist mit der Zertifizierung und wofür brauche ich sie?
Landwirte und Akteure der Baubranche müssen sich finden und sich gegenseitig unterstützen. Das sehe ich auch als eine sehr wichtige Aufgabe für unseren Strohbauverein.

 

SonnenKlee: Was möchtest du unseren Strohbau-Interessierten Leserinnen sonst noch mitgeben?

Wouter Klijn: – Manchmal schaue ich gerne aus größerer Distanz auf den Verlauf des Geschehens: Jede Bautechnik kann auf verschiedene Arten angewendet werden. Wir sind alle frei, aber die Auswahl ist begrenzt. Ich sehe dann 3 Möglichkeiten:
– Vergiss es und tu es nie wieder – mach es wie seit Jahren – tu auf eine neue Art und Weise.

Mit Stroh bauen, anders als bisher, das ist die größte Herausforderung für mich. Und dabei geht es nicht nur ums „machen“, sondern ums „verstehen“.

Etwas anders machen als bisher, das tun wir ständig, oft ohne es zu sehen und zu wissen.
Erkennen und verstehen, dass wir etwas anderes machen, das erfordert im Bauwesen über die bekannten Rahmenbedingungen hinauszugehen und sich mit dem Material neu zu befassen. Es geht darum alte Methoden los zu lassen. Aber womit hast du noch etwas zu tun? Nichts. Das ist schwierig.

Ich helfe mir dabei zum Beispiel, indem ich versuche in die Eigenschaften des Materials selbst hineinzusehen. Wie verhält sich Stroh tatsächlich?
Was macht die Wärmeleitung manchmal unabhängig von der Dichte? Was passiert, wenn Kondensation in der Luft zwischen den Strohteilen und im Stroh selbst auftritt? Wie beginnt die Selbstentzündung in einer Strohmasse und unter welchen Bedingungen? Wie würde ich ein Problem lösen, wenn ich der Strohhalm wäre?

Stroh ist ein schönes Material für mich. Im Laufe der Zeit war es immer ein nützliches Material für unsere sich ständig ändernden Umstände: Mangel an Holz, Geldmangel, Bedürfnis nach Natürlichkeit, Aufmerksamkeit für Gesundheit, Wunsch nach Komfort, Notwendigkeit, CO2 zu beseitigen, erschöpfende Rohstoffe und  und und … die Zukunft wird noch viel mehr dazu beitragen das Stroh als Baumaterial eingesetzt wird.

Think like straw, don’t put it in your head!

Lieber Wouter, vielen Dank für das sehr interessante Interviewgespräch.

 

 

 

Pilotprojekt Stroh-Einblasdämmung in Tirol

Pilotprojekt Stroh-Einblasdämmung in Tirol

Unser neuestes Pilotprojekt bei dem wir SonnenKlee Stroh-Einblasdämmung zum Einsatz gebracht haben steht in den wunderschönen Tiroler Alpen. Die Verarbeitung durch unseren Einblas-Partner (Siegfried Walser/Isocell) verlief reibungslos und die Qualität unseres Bio-Produkts hat sich wieder einmal bewährt. Unsere 100% ökologische und wirklich nachhaltige Dämm-Alternative funktioniert sehr gut und wir arbeiten weiterhin an der Erlangung einer Europäisch technischen Zulassung für unser Produkt.

Falls auch Sie ihr Projekt mit Stroh dämmen möchten, dann senden Sie uns eine Nachricht mit den Eckdaten. Wir prüfen ob und in welcher Form Stroh als Dämmstoff einsetzbar ist und machen Ihnen ein Angebot.

Fotos Ruth Ostermann.

Jürgen Herler (Biologe) im Interview

Jürgen Herler (Biologe) im Interview

Einer der Gründe warum hierzulande noch nicht mehr Häuser mit Stroh gebaut werden, ist ein großes Informationsdefizit. Um mehr Menschen das Thema nahe zu bringen, sind Referenzprojekte notwendig, die zeigen, dass bauen mit Stroh funktioniert. Jürgen Herler ist einer der schon sehr früh die Vorteile von Stroh als Baumaterial erkannt hat und er hat sein eigenes Haus in dieser vorbildlich nachhaltigen Weise errichtet. Als Ökologe weiß er genau warum es Sinn macht mit Stroh zu bauen und als Bewohner beweist er täglich, dass das Konzept Strohhaus in der Praxis taugt. Wir haben ihn heute zum Interview eingeladen.

Strohballenhaus Herler im Wienerwald

SonnenKlee: Hallo Jürgen, bitte erzähle uns kurz, wer du bist und was du machst.

Jürgen Herler: Hallo. Ich bin von meiner Ausbildung her Biologe und habe 15 Jahren in der Meeresforschung gearbeitet. Vor 3 Jahren habe ich ein Unternehmen für vertikale, essbare Begrünungen gegründet. Vor 4 Jahren haben wir ein strohgedämmtes Holzständerhaus im Wienerwald gebaut, in dem es sich hervorragend lebt.

 

SonnenKlee: Warum hast du dein Haus mit Stroh gebaut?

Jürgen Herler: Weil ich als Biologe immer den

ökologischen Stoffen und biologischen Kreisläufen den Vorzug gebe, da sie keine negativen Umweltfolgen nach sich ziehen. Stroh hat einen kurzen turn-over, muss nicht eigens angebaut werden und hat auch noch hervorragende Dämmeigenschaften. Ein wunderbarer Dämmstoff.

SonnenKlee: Kannst du uns als Biologe/Ökologe vielleicht sagen warum es Sinn macht Häuser mit Stroh zu bauen?

Lehmputz in natur gehalten

 

Jürgen Herler: Es ist biogen, entsteht als Nebenprodukt in der Landwirtschaft, ist lokal verfügbar und hat beste Dämmeigenschaften. Somit gibt es keinen Baustoff mit vergleichbarer Ökobilanz und regionaler Wertschöpfung. Stroh als Dämmstoff löst daher viele Probleme simultan.

SonnenKlee: Bitte nenne uns noch ein paar Fakten aus dem echten Leben in einem mit Stroh gedämmten Haus?

Jürgen Herler: Tatsächlich funktioniert das Haus am besten im Winter, aber da Stroh auch eine sehr gute Wärmespeicherfähigkeit hat, bleibt es auch im Hochsommer recht kühl im Haus. Die Kombination mit Holz, Lehm und Flächenheizungen (Solar-, Holzofenkombination) ergibt eine einzigartige Lebensqualität. Das bestätigen uns auch laufende unsere Besucher, zu denen Bauherren, ArchitektInnen, Vereine und Umweltorganisationen gehören.

 

 

SonnenKlee: Worauf kommt es bei einem wirklich zukunftsträchtigen, verantwortungsbewussten und nachhaltigen Lebenskonzept an?

Jürgen Herler: Auf echte ökologische Konzepte. Lösungen, die möglichst wenige oder gar keine Folgeprobleme mit sich

Jürgen Herlers HERBIOS Vertikalgärten

bringen. Das Schlagwort heißt „nature-based solutions“. Dazu zähle ich im Baubereich vor allem biogene Baustoffe. Stroh kann hier eine große Rolle spielen. Neben dem Wohnbedürfnis ist aber vor allem auch unsere Ernährung wichtig. Diesem Thema gehe ich nun mit meinem Unternehmen Herbios nach, in dem ich Gebäude auch mittels Vertikalgärten „essbar“ machen möchte. Auch unser Strohhaus erhält derzeit eine biologische, essbare Hülle.

SonnenKlee: Was müsste deiner Meinung nach passieren, damit ein Umdenken in der Gesellschaft Platz greift und noch viel mehr Menschen sich für ein nachhaltiges Lebensmodell entscheiden?

Jürgen Herler: Echte Aufklärung zum Thema Ökologie von Baustoffen und mehr Mut für flexibles und reversibles Bauen mit biogenen Baustoffen. Wir bauen für Jahrhunderte, aber schon nach 30 oder 40 Jahren will keiner mehr die „alten“ Häuser. Daher müssen wir uns auch mehr über die Entsorgung unserer Gebäude Gedanken machen. Ökobilanzen sollten ernster genommen werden. In Zeiten des Klimawandels und Artensterbens braucht es einen massiven Strukturwandel in unseren Grundbedürfnissen Wohnen und Ernährung.

SonnenKlee: Würdest du die Bauweise mit Stroh anderen Menschen weiterempfehlen und wenn ja, warum?

Strohaus der Familie Herler

Jürgen Herler: Natürlich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Klimawerte und Ökobilanz von Stroh sind großartig. Vor allem in Kombination mit Holz und Lehm. Ich möchte die Frage daher umdrehen: warum baut man eigentlich mit anderen Materialien, wenn es auch mit Stroh und Holz geht?

SonnenKlee: Was möchtest du unseren Lesern und Leserinnen sonst noch gerne mitgeben?

Jürgen Herler: Mehr Mut bei der Entscheidung zum Bauen mit biogenen Baustoffen und mehr Vertrauen in die Natur. Die Lösungen sind viel einfacher, als es uns eine technisch hochentwickelte Gesellschaft und Wirtschaft suggeriert. Wichtig ist die Information durch fachlich kompetente Bauberater. Diese werden glücklicherweise laufend mehr. Und bestehende Häuser besuchen. Auch unser Haus steht Besuchern offen, die sich durch unser glückliches Leben in einem Strohhaus stimulieren lassen möchten, ebenfalls ein biologisches Haus für sich oder andere zu bauen.

SonnenKlee: Lieber Jürgen, wir danken dir für das interessante Interviewgespräch!

Jürgen Herler: Sehr gerne! Viel Spaß und Erfolg beim weiteren Umsetzen ökologisch nachhaltiger Bauwerke.

 

Links:

Fotos: Jürgen Herler

Bericht von der Strohhaus Besichtigungstour in Oberösterreich

Bericht von der Strohhaus Besichtigungstour in Oberösterreich

 

Am Freitag dem 23.03.2018 starteten wir unsere zweite Strohhaus-Besichtigungstour. Diesmal waren wir in der Umgebung Linz unterwegs und wir durften drei Strohballenhäuser besichtigen. Das erste Haus war noch im Bau und obwohl es eisige Temperaturen hatte und auf der Baustelle noch nicht geheizt wurde, war es drinnen schon angenehm warm und die Teilnehmer unserer Tour konnten sich von der Dämmleistung des Baumaterials Stroh „vor Ort und live“ ein Bild machen. Die weiteren zwei Strohhäuser waren schon bewohnt und wir konnten sehen wie gut Häuser mit Strohdämmung funktionieren. Trotz der etwas weitern Fahrstrecke zwischen zwei Objekten herrschte gute Laune in der Gruppe und die Baufrauen und -herren gaben uns ausgezeichnete Einblicke in ihre Stroh-Projekte.

Die besichtigten Projekte wurden alle von der Firma Schachner Holzbau errichtet und der Projektverantwortliche Franz Reichinger stand uns ebenfalls Rede und Antwort.

Wir möchten uns im Namen von SonnenKlee und Holzbau Schachner nochmals herzlichst bei den Baufamilien für die Möglichkeit zur Besichtigung ihrer großartigen Strohbauprojekte bedanken!

Nachdem unser Event wieder sehr gut besucht war, planen wir in den nächsten Monaten eine neuerliche Strohballenhaus Besichtigungstour.

   

Bei Interesse schicken Sie uns bitte ein kurzes E-Mail oder geben Sie uns Ihre Kontaktdaten weiter unten bekannt.

Informationen anfordern:

Schicken Sie uns Ihre Kontaktdaten und wir informieren Sie sobald der nächste Termin feststeht.

 

Benedikt Kaesberg von BauStroh im Interview

Benedikt Kaesberg von BauStroh im Interview

Der Strohbau hat im letzten Jahr einiges an Schwung bekommen, und Benedikt Kaesberg hat vieles zur „Massentauglichkeit“ von Stroh als Baustoff beigetragen. Als Strohbau-Zimmerer, Gesellschafter der BauStroh GmbH und aktives Mitglied im Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. (FASBA) ist er ein Wissensträger im Strohballenbau. Wir haben ihn zum Interview eingeladen.

SonnenKlee: Hallo Benedikt, bitte stell dich kurz vor und erzähl uns bitte was du alles machst.

Benedikt Kaesberg: Ich bin sowohl Akademiker als auch Handwerker und beides integriert sich im Strohbau. Ich arbeite auf Baustellen, habe die bautechnische Anerkennung des Strohballenbaus in Deutschland mitentwickelt, bin Hersteller von Strohballen als Bauprodukt, auch als Autor tätig sowie im Strohbau inzwischen auch europäisch vernetzt.

SonnenKlee: Wie bist du zum Strohbau gekommen, und was fasziniert dich so daran?

Benedikt Kaesberg: 2004 hatte ich das Glück, als Zimmerer erstmals bei einem Strohbauprojekt mitbauen zu können. Das dreigeschossige Gebäude „Strohpolis“ war damals das größte Strohbau-Projekt in Deutschland. Mich fasziniert die Lebendigkeit, die ich im Bauen mit Stroh immer wieder erlebe. Da sind die überzeugten Bauherren und ­-damen, wie dort am Standort Siebenlinden, die quasi auf der grünen Wiese ein ökologisches Modelldorf aufbauen wollten und das auch tun. Da sind die Baustoffe Holz, Stroh, Lehm, die maximal nah an der Natur geblieben sind. Und da sind die Räume, die so entstehen und in denen es vielen Menschen wohl ergeht. Ich selbst lebe (bislang) nicht in einem Strohballenhaus, aber bei all meinen Gelegenheiten dort zu übernachten, habe ich mich morgens jedes Mal sehr gut ausgeschlafen gefühlt.

SonnenKlee: Was braucht es deiner Meinung nach, um Stroh vom Promilleanteil, den es derzeit am Markt für Baustoffe hat, in den Prozentbereich zu bringen?

Benedikt Kaesberg: Zunächst gilt es, folgendes zu denken: Bauten wie das S-House, der „5-Geschosser“ in Verden, das Ökodorf Siebenlinden, zahlreiche öffentliche Bauprojekte in Frankreich usw. zeigen, was Stroh am Bau kann und dass viel mehr Strohbau möglich ist. Und dann gilt es, das auch wollen.

Wer klein ist, tut gut daran, sich zusammen zu tun. 2017 wurde das von der EU gefördertes Projekt UP STRAW gestartet und es hat das erklärte Ziel, Bauen mit Stroh in den beteiligten Ländern (F, B, NL, UK, D) in eine neue Größenordnung zu führen. Das ist wirklich sehr spannend!

Wenn all diejenigen, die sich derzeit den Strohbau auf die Fahne schreiben, volle Auftragsbücher mit strohgedämmten Gebäuden hätten, wäre das großartig. Und auch dann wäre ein Anteil von auch nur einem Prozent am Bauvolumen insgesamt wohl noch nicht erreicht. Es braucht noch viel mehr professionelle Akteure.

Der Vergleich eines Hauses aus konventionellen energieintensiv hergestellten Baustoffen mit einem strohgedämmten Gebäude zeigt u. a., dass der Unterschied im Treibhauspotential einer zwanzigfachen Erdumrundung in einem Mittelklassewagen entspricht![1] Das ist bekannt. Es braucht Klimapolitik auch für den Bausektor. Die Energiewende ist in Deutschland inzwischen ein bekannter Begriff; nötig ist daneben auch eine Bauwende!

SonnenKlee: Die „lasttragende Bauweise“ könnte zu einer noch größeren Reduktion des Einsatzes der knappen Ressource Holz beitragen. Wo liegen da die Hürden und warum wird in Deutschland kaum „lasttragend“ gebaut?

Benedikt Kaesberg: Grundsätzlich gibt es in Deutschland keine anerkannten Berechnungsverfahren für die Belastbarkeit von Strohballen, so dass hier nur eine Genehmigung im Einzelfall möglich ist. Dabei muss ein Statiker die zuständige Baubehörde überzeugen, dass und wie Strohballen belastbar sind.

Es gab ein Forschungsprojekt und eine Doktorarbeit, wo auch das Potenzial des lasttragenden Bauens mit Stroh untersucht wurde. Dabei kam heraus, dass eine bauaufsichtliche Anerkennung hier langwierig und wohl auch nur eingeschränkt möglich wäre (z. B. auf kleinere eingeschossige Bauten).

SonnenKlee: Wie schätzt du die Lage des Strohbaus in Europa ein? Wo läuft es besonders gut und warum?

Benedikt Kaesberg: Frankreich ist in der Verbreitung des Strohballenbaus europaweit führend. Das französische Strohbaunetzwerk hat flächendeckend aktive Mitglieder, und es hat auch erfolgreich Lobbyarbeit gemacht, so dass Strohbau in der Politik bekannt ist und unterstützt wird. Beides ist vorbildlich und die Frucht langjähriger Arbeit.

Deutschland ist bekannt für seine erfolgreiche Grundlagenarbeit.

Aus Österreich kenne ich einige markante Bauprojekte. Außerdem gibt es hier einige Holzbaubetriebe, die Stroh als Baustoff verwenden, jedenfalls mehr als in Deutschland.

Insgesamt ist die Vernetzung der Strohbauaktiven in Europa erstaunlich weit entwickelt, so dass es nun auch Möglichkeiten zur gemeinsamen Entwicklung von Standards gibt.

SonnenKlee: Welche drei Strohbauprojekte sind für dich persönlich die beeindruckendsten und richtungsweisendsten?

Benedikt Kaesberg: Wenn man den Begriff Projekt etwas weiter fasst würde ich sagen:

Erstens, die erfolgreiche Grundlagenarbeit des FASBA (Fachverband Strohballenbau Deutschland) hat zu einer umfassenden Anerkennung des Bauens mit Stroh geführt. Ein Markt dafür ist nun möglich. Das ist beachtlich und zukunftsweisend!

Die erfolgreiche Lobbyarbeit und Mitgliederwerbung und –aktivierung des frz. Strohbaunetzwerks. Dort gibt es eine landesweit anerkannte und flächendeckende Ausbildung und damit wurden bislang schon 7000 strohgedämmte Gebäude errichtet, darunter befinden sich auch zahlreiche Großprojekte. Und es geht noch weiter! Es gibt dort inzwischen örtlich so etwas wie amtliche Bebauungsempfehlungen für Strohbau.

Mir scheint, dass gerade sehr viele Strohbauaktive aus ihren „Löchern“ herauskommen und auch über den nationalen Tellerrand hinausschauen. Vor einem Jahr wäre z. B. so ein Interview wie dieses noch nicht entstanden. Ich bin sehr gespannt, was daraus noch alles wird.

SonnenKlee: Kannst du uns die wichtigsten Gründe nennen, warum heute jemand sein Projekt mit Stroh umsetzen sollte?

Benedikt Kaesberg: Der wichtigste Grund scheint mir zunächst der Nutzen: Wenn jemand ein gesundes Eigenheim oder auch ein Mietobjekt mit hohem Qualitätsstandard haben möchte, ist er mit Stroh gut bedient.

Dann überzeugen die baulichen Qualitäten wie ein sehr angenehmes Raumklima durch Lehmverputzung und dem Einsatz von natürlichen Materialien sowie bestem Wärmeschutz im Winter und Hitzeschutz im Sommer.

Auch die Nachhaltigkeit strohgedämmter Gebäude ist hervorragend. Deutschland wird seine Klimaschutzziele 2020 aller Voraussicht nach deutlich verfehlen. Wenn das Bauen mit Stroh zum Standard würde, wäre das eine Trendwende, denn Bauen mit Stroh ist klimarelevant!

SonnenKlee: Was möchtest du unseren Lesern und Leserinnen sonst noch gerne mitgeben?

Benedikt Kaesberg: Macht es!

Lieber Benedikt, wir danken dir für das interessante Gespräch!

Links:

Quellenverweis:

[1] FNR (Hrsg.): Strohgedämmte Gebäude (2017), S. 22.

Besichtigungstour Strohballenhäuser im Raum Oberösterreich

Besichtigungstour Strohballenhäuser im Raum Oberösterreich

Am 23. März 2018 ab 13:00h  veranstalten wir gemeinsam mit Holzbau Schachner, im Raum Oberösterreich eine Besichtigungstour von Strohballenhäusern.

Wer selber überlegt ein Strohhaus zu bauen oder plant eine Renovierung mit Strohdämmung zu machen, ist hier richtig. Zukünftige Baufrauen und -herren haben dabei die Gelegenheit, bereits bewohnte oder in Bau befindliche Objekte zu besichtigen und mit den BewohnerInnen über deren Erfahrungen zu sprechen.

Detail Infos:
Wir starten am 23.3.2018 um 13:00h in 4204 Reichenau (Mitfahrgelegenheit ab Bhf. St. Pölten, Start 10:45 und bei Bedarf können wir auch gerne eine Mitfahrgelegenheit von Wien-Hütteldorf organisieren).

Wir starten mit dem ersten Strohballenhaus, das sich noch im Bau befindet. Danach fahren wir zu einem weiteren, das bereits seit einem Jahr bewohnt ist. Mit dem dritten Haus, dass schon mehrere Jahre bewohnt ist, beenden wir die Tour ca. um 18:00h.

Zur Anmeldung bitte folgendes Formular abschicken oder einfach ein E-Mail an kontakt@sonnenklee.at senden.

Wenn Sie Fragen haben, senden Sie uns einfach ein E-Mail.

Anmeldung zur Besichtigungstour Strohballenhäuser im Raum Oberösterreich am 23.3.2018 ab 13:00h.

Abt Petrus vom Stift Seitenstetten im Interview

Abt Petrus vom Stift Seitenstetten im Interview

Vor rund zweieinhalb Jahren hat der damals noch frisch im Amt befindliche Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika zur ökologischen Umkehr aufgerufen. In seiner Stellungnahme ruft der Papst zur Umkehr auf, um die Umweltzerstörung und den Klimawandel, verursacht durch grenzenlosen Konsum und rücksichtsloses Verhalten zu stoppen. Die Kirche greift damit ein für uns absolut überlebenswichtiges Zukunftsthema auf. Wir haben Abt Petrus vom Stift Seitenstetten über das Leben und Wirtschaften im Stift befragt.

SonnenKlee: Können Sie uns erzählen wie ein typischer Tagesablauf als Abt des Benediktiner Stifts Seitenstetten aussieht und was die wichtigsten Aufgaben dieser Funktion sind?

Abt Petrus:  Der typische Arbeitstag ist gegliedert durch das Chorgebet: Wir beten um 6.00 Uhr früh, mittags und abends. Dazwischen gibt´s Arbeit und jede Menge Termine wahrzunehmen. Das geht vom Unterricht in der Schule über Gespräche mit Mitbrüdern, Mitarbeitern und Gästen zu Sitzungen und Vorbereiten von Predigten sowie Vorträgen. Gemeinsam essen wir zu Mittag und am Abend. Am Abend gibt es immer wieder mal auch Veranstaltungen zu besuchen. In der Regel endet der Tag um ca. 22.30 Uhr.

Die wichtigste Aufgabe als Abt ist es, das Kloster als einen geistlichen Ort zu prägen. Das Stift ist ja primär kein Wirtschaftsbetrieb, sondern ein geistliches Haus. Daher ist die erste Aufgabe, der Klostergemeinschaft ein guter Abt sein, die Gemeinschaft zusammenzuhalten, der Eigenart vieler dienen und letztlich vorbildhaft als Mönch zu leben! Das Schwierigste ist Vorbild sein.

SonnenKlee: Würden Sie uns kurz beschreiben was das Stift Seitenstetten alles zu bieten hat?

Abt Petrus:   Wir verstehen uns primär als geistliches Haus. Wir betreiben gemeinsam mit der Diözese ein Bildungshaus. In unserem Gästetrakt können bis zu 30 Personen übernachten. Wir sind auch ein Wirtschaftsbetrieb mit rd. 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir haben 14 Pfarreien zu betreuen, führen ein Stiftsgymnasium mit ca. 430 Schülerinnen und Schülern und im Schacherhof begleitet ein Mitbruder die kirchliche Jugendarbeit im Mostviertel.

SonnenKlee: Wie lässt sich das geistliche Amt des Abtes mit all der Verantwortung für die verschiedenen wirtschaftlichen Unternehmungen des Stifts Seitenstetten vereinbaren?

Abt Petrus: Das erlebe ich als eine sehr schwere Herausforderung. Ich hatte bis zu meinem Amtsantritt als Abt mit Wirtschaft praktisch nichts zu tun. Als Stiftung haben wir Grund und Boden von unseren Gründern erhalten, damit wir diese für Bildung und Seelsorge einsetzen. Es gilt damit so zu wirtschaften, dass wir vom Ertrag und nicht von der Substanz dieser Stiftung gut arbeiten können!

SonnenKlee: Wie werden im Stift Seitenstetten wichtige Entscheidungen getroffen?

Abt Petrus: Die Regel des Hl. Benedikt und die Konstitutionen der Österreichischen Benediktinerkongregation sehen vor, dass in wichtigen Fragen der Rat bzw. die Zustimmung des Seniorenrates einzuholen ist. Bei wichtigen Personalfragen und gravierenden wirtschaftlichen Entscheidungen muss in der Gemeinschaft abgestimmt werden.

SonnenKlee: Im Sommer 2015 hat Papst Franziskus in der Umweltenzyklika zum Energie- und Wassersparen und auch zum Bäume pflanzen aufgerufen. Konnten Sie diesbezüglich innerhalb ihres Wirkungsbereichs bereits Verhaltensänderungen beobachten?

Abt Petrus: Was Bäume pflanzen betrifft weiß ich, dass wir in unserem Forst jährlich sehr viele Bäume pflanzen. Vor allem gibt es in unserem Waldgebiet einige „Forschungsflächen“ wo auch Versuchspflanzungen gemacht werden. Im Stift wird zum Teil nur Nutzwasser für die Toiletten verwendet. Wir haben eine neue, energiesparende Steuerung in unserer Heizanlage eingebaut und den Dachboden im Westtrakt des Meierhofes gedämmt.

SonnenKlee: Die Kirche ist ja auch ein erfolgreiches wirtschaftliches Unternehmen mit sehr langem Bestand. Was könnten heutige Unternehmen über nachhaltiges und generationenübergreifendes Wirtschaften von der Kirche lernen?

Abt Petrus: Am Wichtigsten ist, dass sich die Menschen in einem Betrieb wohl fühlen und sich damit gut identifizieren können. Man arbeitet und wirtschaftet ja nicht für sich selbst, sondern weil wir eine Sendung, einen Auftrag haben. Letztlich haben alle, vom Abt bis zum jüngsten Mitarbeiter, teil an dieser Sendung. Von manchen Mitarbeitern arbeiten schon mehrere Generationen in unserem Haus.

SonnenKlee: Viele Menschen sagen, sie könnten es sich heutzutage nicht mehr leisten auf zukünftige Generationen Rücksicht zu nehmen. Sie würden sonst in dem heute vorherrschenden, so schnellen System  untergehen. Was können Sie dem entgegnen?

Abt Petrus: Das hängt davon ab, was man erreichen möchte, hohen Lebensstandard oder hohe Lebensqualität. Hohen Lebensstandard halten oder gar noch steigern, kann verdammt anstrengend sein. Da kommt man leicht unter die Räder. Die Konkurrenz im Kampf um Wachstumsraten kann erbarmungslos sein. Steigerung der Lebensqualität kann man dagegen auf sehr vielfältige Wege erreichen. Familie, Kinder, Glaube, Freunde, Musik, Kunst, Kultur, Engagement in Gesellschaft, Vereinen und Kirche, und vieles andere mehr kann hohes Lebensglück und Lebensqualität bedeuten. Leben ist nicht mehr haben, sondern mehr sein und da sein für andere.

SonnenKlee: Was würden Sie unseren Lesern sonst noch gerne mit auf den Weg geben?

Abt Petrus: Willst du wahres und unvergängliches Leben finden – dann vertiefe es und reize es nicht aus.

Lieber Abt Petrus, wir danken für das interessante Gespräch!

Das Netzwerk für Innovationen gegen den Klimawandel

Das Netzwerk für Innovationen gegen den Klimawandel
Mit SonnenKlee sind wir Teil von Climate-KIC, Europas größtem öffentlich-privaten Netzwerk zur Förderung von Innovationen gegen den Klimawandel. Das Programm ermöglicht es uns, unsere nachhaltigen Baustroh-Produktionssysteme weiter zu verbessern und mit Hilfe von Expertenunterstützung unsere Informationskampagne zum Thema Baustroh optimal zu gestalten. Einen Überblick über die weiteren Teilnehmer des Programms finden Sie hier.

 

Heimo Modre – Geschäftsführer Solare Energien im Interview

Heimo Modre – Geschäftsführer Solare Energien im Interview

Unsere Gebäude werden immer effizienter und die noch notwendige Energie für den laufenden Betrieb wird immer öfters direkt vor Ort selber produziert. Der Trend geht eindeutig in Richtung Effizienzsteigerung und Eigenversorgung jedes Gebäudes durch das eigene Kraftwerk. Photovoltaik spielt dabei eine Schlüsselrolle und weil man die in den Sonnenstunden produzierte Energie, auch danach nutzen möchte, steigt der Bedarf an effizienten Energiespeichern. Heimo Modre ist Geschäftsführer von Solare Energie GmbH und hat bereits viele Photovoltaikprojekte umgesetzt. Seine Erfahrung die er in den letzten drei Jahrzehnten mit PV-Inselanlagen für Schutzhütten in alpinen Regionen gewonnen hat, kann er heute auch für Projekte mit neu entwickelten Energiespeicheranlagen nutzen.

SonnenKlee: Können Sie uns erzählen was Sie mit Ihrer Firma Solare Energie GmbH alles leisten?

Heimo Modre: Die Solare Energie GmbH ist ein hochspezialisiertes Unternehmen, welches sich seit fast 30 Jahren mit Photovoltaik und Batterie Speicher auseinandersetzt. Wir beschäftigen uns fast ausschließlich mit autarken Energiesystemen im alpinen Bereich. Dabei handelt es sich um Schutzhütten und andere Objekte welche über keinen direkten Netzanschluss verfügen. Die Anforderungen bei einer sogenannten „Inselanlage“ sind sehr hochgesteckt, denn es müssen die Solargeneratoren und Batterie-Speicher optimal auf die Verbraucher und die zu versorgenden Lasten abgestimmt werden. Hinzu kommen die alpinen Anforderungen, wie Wind, Schnee und tiefe Temperaturen, welche dem verwendeten Material enorme Belastungen abverlangen.

SonnenKlee: Sie sind bereits seit über 25 Jahren im PV-Geschäft, was waren Ihrer Meinung nach die größten Veränderungen in dieser Zeit?

Heimo Modre: Die wohl größte Veränderung in dieser Branche bedeutet der Preisverfall, der im Jahr 2009 begann und bis ca. Ende 2012 anhielt. In diesem Zeitraum sanken die Preise für PV Module um ca. 70%. Das hatte einerseits mit dem Zusammenbruch des spanischen Photovoltaikmarktes zu tun, und andererseits war auch die von China gestartete Produktion im großen Stil ein wesentlicher Grund dafür. Leider verschwanden dadurch auch sehr viele europäische, im speziellen deutsche, hochqualitative Hersteller vom Markt. Interessant ist auch die Entwicklung im Haushaltsbereich, denn hier steigt der Wunsch nach Unabhängigkeit von den großen Netzbetreiber zunehmend!

SonnenKlee: Was war in Ihrer Laufbahn das für Sie interessanteste Solarprojekt?

Heimo Modre: Da gab es schon mehrere Projekte die erwähnenswert waren. Hier fällt mir allerdings im speziellen die Hesshütte im Gesäuse ein. Hier schafften wir es durch eine große Photovoltaikanlage und einen 144 kWh Batterie-Speicher, den Bedarf an fossilen Brennstoffen um mehr als 70 % zu reduzieren. Weil sich die Anlage mitten im National Park Gesäuse befindet und der für den Generator benötigte Diesel-Treibstoff mit dem Hubschrauber hinaufgeflogen wurde, kann man hier durchaus von einem enormen ökologischen Nutzen sprechen. Erwähnenswert finde ich auch die beiden Photovoltaik Anlagen mit Batterie Speicher welche wir für das Außenministerium auf der Österreichischen Botschaft in Islamabad / Pakistan errichten durften. Fünf Wochen Montagezeit mit Temperaturen jenseits der 40 Grad Grenze waren schon ein interessante Herausforderung.

 

SonnenKlee: Viele Leute sagen heute immer noch, sie warten mit der Anschaffung einer PV-Anlage so lange, bis die Modul- und Speicherpreise weiter gefallen sind. Warum macht es Sinn gerade jetzt eine PV-Anlage mit oder auch ohne Speicher zu installieren?

Heimo Modre: Über eine Anschaffung einer Photovoltaikanlage kann man jederzeit nachdenken, die Technologie an sich ist ausgereift und die Module am Dach, sofern sie von einem namhaften Hersteller sind, halten schon 35 oder 40 Jahre durch. Ich gebe folgendes zu bedenken: Preise für Photovoltaik Module werden kaum mehr fallen, denn hier ist der Talboden längst erreicht. Leider gibt es mittlerweile auch sehr viele Billighersteller und hier ist eine Unterscheidung selbst für Fachleute schwierig.

Anders ist das bei den Batterie-Speichern: Hier wird ständig geforscht und entwickelt. Neue Technologien dängen laufend auf den Markt und kurzfristig setzt sich jetzt aktuell der Lithium Ionen Speicher durch. Wohin die Reise in Detail führt, ist aber noch nicht abzusehen. Hier noch ein wenig zuzuwarten kann nicht schaden. Es wird für 2018 auch eine Speicherförderung für Li-Ionen Speicher geben, in welcher Höhe die sein wird, ist noch nicht ganz heraussen. Aber die Pioniere können ja schon mal loslegen, denn diese Menschen braucht es speziell in dieser Branche immer (lacht).

SonnenKlee: Worauf sollte man bei der Anschaffung einer PV-Anlage besonders achten?

Heimo Modre: Setzen Sie hier auf einen namhaften Modulhersteller, der schon mindestens 20 oder 30 Jahre am Markt ist. Japanische Hersteller sind sehr gut, haben ausgezeichnete Garantiebedingungen und verfügen über jahrzehntelange Erfahrung. Setzen Sie auf einen Namen eines großen Herstellers und nicht auf sogenannte „No-Name“ Produkte.

SonnenKlee: Wie denken Sie, wird die Energieversorgung eines typischen Einfamilienhauses in 10 Jahren aussehen?

Heimo Modre: Ich glaube das ist nicht einfach zu beantworten. Es wird auch eine Frage der Investitionen beim Bau eines solchen Objektes sein. Eine eindeutige Tendenz ist aber jetzt schon erkennbar: Viele Menschen die auch ein ökologisches Bewusstsein haben, denken ernsthaft darüber nach auf einen Netzanschluss zu verzichten, ihr Eigenheim autark zu betreiben und sich so in gewisser Weise eine neue Unabhängigkeit zu schaffen. Ich denke das der Zeitraum mit zehn Jahren ein wenig kurz gegriffen ist, aber in 30-50 Jahren haben wir hier absolut brauchbare und erschwingliche Alternativen am Markt verfügbar. Durch die Produktion von Batteriespeichern im großen Stil werden hier genauso wie bei Photovoltaik Modulen die Preise zunehmend fallen.

SonnenKlee: Was möchten Sie unseren Lesern sonst noch mitgeben?

Heimo Modre: Man kann niemand zu einem ökologischen Bewusstsein erziehen oder zwingen, ich bin aber der Meinung das für ökologisch interessierte Mitbewohner auf diesem Planeten mittlerweile genug Alternativen zur Verfügung stehen. Und noch etwas: Es ist egal ob das Erdöl noch 30, 50 oder 200 Jahre reichen wird, das solare Zeitalter steht sowieso bevor!

Lieber Herr Modre, wir danken für das spannende Gespräch!