Pilotprojekt Stroh-Einblasdämmung in Tirol

Pilotprojekt Stroh-Einblasdämmung in Tirol

Unser neuestes Pilotprojekt bei dem wir SonnenKlee Stroh-Einblasdämmung zum Einsatz gebracht haben steht in den wunderschönen Tiroler Alpen. Die Verarbeitung durch unseren Einblas-Partner (Siegfried Walser/Isocell) verlief reibungslos und die Qualität unseres Bio-Produkts hat sich wieder einmal bewährt. Unsere 100% ökologische und wirklich nachhaltige Dämm-Alternative funktioniert sehr gut und wir arbeiten weiterhin an der Erlangung einer Europäisch technischen Zulassung für unser Produkt.

Falls auch Sie ihr Projekt mit Stroh dämmen möchten, dann senden Sie uns eine Nachricht mit den Eckdaten. Wir prüfen ob und in welcher Form Stroh als Dämmstoff einsetzbar ist und machen Ihnen ein Angebot.

Fotos Ruth Ostermann.

Jürgen Herler (Biologe) im Interview

Jürgen Herler (Biologe) im Interview

Einer der Gründe warum hierzulande noch nicht mehr Häuser mit Stroh gebaut werden, ist ein großes Informationsdefizit. Um mehr Menschen das Thema nahe zu bringen, sind Referenzprojekte notwendig, die zeigen, dass bauen mit Stroh funktioniert. Jürgen Herler ist einer der schon sehr früh die Vorteile von Stroh als Baumaterial erkannt hat und er hat sein eigenes Haus in dieser vorbildlich nachhaltigen Weise errichtet. Als Ökologe weiß er genau warum es Sinn macht mit Stroh zu bauen und als Bewohner beweist er täglich, dass das Konzept Strohhaus in der Praxis taugt. Wir haben ihn heute zum Interview eingeladen.

Strohballenhaus Herler im Wienerwald

SonnenKlee: Hallo Jürgen, bitte erzähle uns kurz, wer du bist und was du machst.

Jürgen Herler: Hallo. Ich bin von meiner Ausbildung her Biologe und habe 15 Jahren in der Meeresforschung gearbeitet. Vor 3 Jahren habe ich ein Unternehmen für vertikale, essbare Begrünungen gegründet. Vor 4 Jahren haben wir ein strohgedämmtes Holzständerhaus im Wienerwald gebaut, in dem es sich hervorragend lebt.

 

SonnenKlee: Warum hast du dein Haus mit Stroh gebaut?

Jürgen Herler: Weil ich als Biologe immer den

ökologischen Stoffen und biologischen Kreisläufen den Vorzug gebe, da sie keine negativen Umweltfolgen nach sich ziehen. Stroh hat einen kurzen turn-over, muss nicht eigens angebaut werden und hat auch noch hervorragende Dämmeigenschaften. Ein wunderbarer Dämmstoff.

SonnenKlee: Kannst du uns als Biologe/Ökologe vielleicht sagen warum es Sinn macht Häuser mit Stroh zu bauen?

Lehmputz in natur gehalten

 

Jürgen Herler: Es ist biogen, entsteht als Nebenprodukt in der Landwirtschaft, ist lokal verfügbar und hat beste Dämmeigenschaften. Somit gibt es keinen Baustoff mit vergleichbarer Ökobilanz und regionaler Wertschöpfung. Stroh als Dämmstoff löst daher viele Probleme simultan.

SonnenKlee: Bitte nenne uns noch ein paar Fakten aus dem echten Leben in einem mit Stroh gedämmten Haus?

Jürgen Herler: Tatsächlich funktioniert das Haus am besten im Winter, aber da Stroh auch eine sehr gute Wärmespeicherfähigkeit hat, bleibt es auch im Hochsommer recht kühl im Haus. Die Kombination mit Holz, Lehm und Flächenheizungen (Solar-, Holzofenkombination) ergibt eine einzigartige Lebensqualität. Das bestätigen uns auch laufende unsere Besucher, zu denen Bauherren, ArchitektInnen, Vereine und Umweltorganisationen gehören.

 

 

SonnenKlee: Worauf kommt es bei einem wirklich zukunftsträchtigen, verantwortungsbewussten und nachhaltigen Lebenskonzept an?

Jürgen Herler: Auf echte ökologische Konzepte. Lösungen, die möglichst wenige oder gar keine Folgeprobleme mit sich

Jürgen Herlers HERBIOS Vertikalgärten

bringen. Das Schlagwort heißt „nature-based solutions“. Dazu zähle ich im Baubereich vor allem biogene Baustoffe. Stroh kann hier eine große Rolle spielen. Neben dem Wohnbedürfnis ist aber vor allem auch unsere Ernährung wichtig. Diesem Thema gehe ich nun mit meinem Unternehmen Herbios nach, in dem ich Gebäude auch mittels Vertikalgärten „essbar“ machen möchte. Auch unser Strohhaus erhält derzeit eine biologische, essbare Hülle.

SonnenKlee: Was müsste deiner Meinung nach passieren, damit ein Umdenken in der Gesellschaft Platz greift und noch viel mehr Menschen sich für ein nachhaltiges Lebensmodell entscheiden?

Jürgen Herler: Echte Aufklärung zum Thema Ökologie von Baustoffen und mehr Mut für flexibles und reversibles Bauen mit biogenen Baustoffen. Wir bauen für Jahrhunderte, aber schon nach 30 oder 40 Jahren will keiner mehr die „alten“ Häuser. Daher müssen wir uns auch mehr über die Entsorgung unserer Gebäude Gedanken machen. Ökobilanzen sollten ernster genommen werden. In Zeiten des Klimawandels und Artensterbens braucht es einen massiven Strukturwandel in unseren Grundbedürfnissen Wohnen und Ernährung.

SonnenKlee: Würdest du die Bauweise mit Stroh anderen Menschen weiterempfehlen und wenn ja, warum?

Strohaus der Familie Herler

Jürgen Herler: Natürlich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Klimawerte und Ökobilanz von Stroh sind großartig. Vor allem in Kombination mit Holz und Lehm. Ich möchte die Frage daher umdrehen: warum baut man eigentlich mit anderen Materialien, wenn es auch mit Stroh und Holz geht?

SonnenKlee: Was möchtest du unseren Lesern und Leserinnen sonst noch gerne mitgeben?

Jürgen Herler: Mehr Mut bei der Entscheidung zum Bauen mit biogenen Baustoffen und mehr Vertrauen in die Natur. Die Lösungen sind viel einfacher, als es uns eine technisch hochentwickelte Gesellschaft und Wirtschaft suggeriert. Wichtig ist die Information durch fachlich kompetente Bauberater. Diese werden glücklicherweise laufend mehr. Und bestehende Häuser besuchen. Auch unser Haus steht Besuchern offen, die sich durch unser glückliches Leben in einem Strohhaus stimulieren lassen möchten, ebenfalls ein biologisches Haus für sich oder andere zu bauen.

SonnenKlee: Lieber Jürgen, wir danken dir für das interessante Interviewgespräch!

Jürgen Herler: Sehr gerne! Viel Spaß und Erfolg beim weiteren Umsetzen ökologisch nachhaltiger Bauwerke.

 

Links:

Fotos: Jürgen Herler

Bericht von der Strohhaus Besichtigungstour in Oberösterreich

Bericht von der Strohhaus Besichtigungstour in Oberösterreich

 

Am Freitag dem 23.03.2018 starteten wir unsere zweite Strohhaus-Besichtigungstour. Diesmal waren wir in der Umgebung Linz unterwegs und wir durften drei Strohballenhäuser besichtigen. Das erste Haus war noch im Bau und obwohl es eisige Temperaturen hatte und auf der Baustelle noch nicht geheizt wurde, war es drinnen schon angenehm warm und die Teilnehmer unserer Tour konnten sich von der Dämmleistung des Baumaterials Stroh „vor Ort und live“ ein Bild machen. Die weiteren zwei Strohhäuser waren schon bewohnt und wir konnten sehen wie gut Häuser mit Strohdämmung funktionieren. Trotz der etwas weitern Fahrstrecke zwischen zwei Objekten herrschte gute Laune in der Gruppe und die Baufrauen und -herren gaben uns ausgezeichnete Einblicke in ihre Stroh-Projekte.

Die besichtigten Projekte wurden alle von der Firma Schachner Holzbau errichtet und der Projektverantwortliche Franz Reichinger stand uns ebenfalls Rede und Antwort.

Wir möchten uns im Namen von SonnenKlee und Holzbau Schachner nochmals herzlichst bei den Baufamilien für die Möglichkeit zur Besichtigung ihrer großartigen Strohbauprojekte bedanken!

Nachdem unser Event wieder sehr gut besucht war, planen wir in den nächsten Monaten eine neuerliche Strohballenhaus Besichtigungstour.

   

Bei Interesse schicken Sie uns bitte ein kurzes E-Mail oder geben Sie uns Ihre Kontaktdaten weiter unten bekannt.

Informationen anfordern:

Schicken Sie uns Ihre Kontaktdaten und wir informieren Sie sobald der nächste Termin feststeht.

 

Benedikt Kaesberg von BauStroh im Interview

Benedikt Kaesberg von BauStroh im Interview

Der Strohbau hat im letzten Jahr einiges an Schwung bekommen, und Benedikt Kaesberg hat vieles zur „Massentauglichkeit“ von Stroh als Baustoff beigetragen. Als Strohbau-Zimmerer, Gesellschafter der BauStroh GmbH und aktives Mitglied im Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. (FASBA) ist er ein Wissensträger im Strohballenbau. Wir haben ihn zum Interview eingeladen.

SonnenKlee: Hallo Benedikt, bitte stell dich kurz vor und erzähl uns bitte was du alles machst.

Benedikt Kaesberg: Ich bin sowohl Akademiker als auch Handwerker und beides integriert sich im Strohbau. Ich arbeite auf Baustellen, habe die bautechnische Anerkennung des Strohballenbaus in Deutschland mitentwickelt, bin Hersteller von Strohballen als Bauprodukt, auch als Autor tätig sowie im Strohbau inzwischen auch europäisch vernetzt.

SonnenKlee: Wie bist du zum Strohbau gekommen, und was fasziniert dich so daran?

Benedikt Kaesberg: 2004 hatte ich das Glück, als Zimmerer erstmals bei einem Strohbauprojekt mitbauen zu können. Das dreigeschossige Gebäude „Strohpolis“ war damals das größte Strohbau-Projekt in Deutschland. Mich fasziniert die Lebendigkeit, die ich im Bauen mit Stroh immer wieder erlebe. Da sind die überzeugten Bauherren und ­-damen, wie dort am Standort Siebenlinden, die quasi auf der grünen Wiese ein ökologisches Modelldorf aufbauen wollten und das auch tun. Da sind die Baustoffe Holz, Stroh, Lehm, die maximal nah an der Natur geblieben sind. Und da sind die Räume, die so entstehen und in denen es vielen Menschen wohl ergeht. Ich selbst lebe (bislang) nicht in einem Strohballenhaus, aber bei all meinen Gelegenheiten dort zu übernachten, habe ich mich morgens jedes Mal sehr gut ausgeschlafen gefühlt.

SonnenKlee: Was braucht es deiner Meinung nach, um Stroh vom Promilleanteil, den es derzeit am Markt für Baustoffe hat, in den Prozentbereich zu bringen?

Benedikt Kaesberg: Zunächst gilt es, folgendes zu denken: Bauten wie das S-House, der „5-Geschosser“ in Verden, das Ökodorf Siebenlinden, zahlreiche öffentliche Bauprojekte in Frankreich usw. zeigen, was Stroh am Bau kann und dass viel mehr Strohbau möglich ist. Und dann gilt es, das auch wollen.

Wer klein ist, tut gut daran, sich zusammen zu tun. 2017 wurde das von der EU gefördertes Projekt UP STRAW gestartet und es hat das erklärte Ziel, Bauen mit Stroh in den beteiligten Ländern (F, B, NL, UK, D) in eine neue Größenordnung zu führen. Das ist wirklich sehr spannend!

Wenn all diejenigen, die sich derzeit den Strohbau auf die Fahne schreiben, volle Auftragsbücher mit strohgedämmten Gebäuden hätten, wäre das großartig. Und auch dann wäre ein Anteil von auch nur einem Prozent am Bauvolumen insgesamt wohl noch nicht erreicht. Es braucht noch viel mehr professionelle Akteure.

Der Vergleich eines Hauses aus konventionellen energieintensiv hergestellten Baustoffen mit einem strohgedämmten Gebäude zeigt u. a., dass der Unterschied im Treibhauspotential einer zwanzigfachen Erdumrundung in einem Mittelklassewagen entspricht![1] Das ist bekannt. Es braucht Klimapolitik auch für den Bausektor. Die Energiewende ist in Deutschland inzwischen ein bekannter Begriff; nötig ist daneben auch eine Bauwende!

SonnenKlee: Die „lasttragende Bauweise“ könnte zu einer noch größeren Reduktion des Einsatzes der knappen Ressource Holz beitragen. Wo liegen da die Hürden und warum wird in Deutschland kaum „lasttragend“ gebaut?

Benedikt Kaesberg: Grundsätzlich gibt es in Deutschland keine anerkannten Berechnungsverfahren für die Belastbarkeit von Strohballen, so dass hier nur eine Genehmigung im Einzelfall möglich ist. Dabei muss ein Statiker die zuständige Baubehörde überzeugen, dass und wie Strohballen belastbar sind.

Es gab ein Forschungsprojekt und eine Doktorarbeit, wo auch das Potenzial des lasttragenden Bauens mit Stroh untersucht wurde. Dabei kam heraus, dass eine bauaufsichtliche Anerkennung hier langwierig und wohl auch nur eingeschränkt möglich wäre (z. B. auf kleinere eingeschossige Bauten).

SonnenKlee: Wie schätzt du die Lage des Strohbaus in Europa ein? Wo läuft es besonders gut und warum?

Benedikt Kaesberg: Frankreich ist in der Verbreitung des Strohballenbaus europaweit führend. Das französische Strohbaunetzwerk hat flächendeckend aktive Mitglieder, und es hat auch erfolgreich Lobbyarbeit gemacht, so dass Strohbau in der Politik bekannt ist und unterstützt wird. Beides ist vorbildlich und die Frucht langjähriger Arbeit.

Deutschland ist bekannt für seine erfolgreiche Grundlagenarbeit.

Aus Österreich kenne ich einige markante Bauprojekte. Außerdem gibt es hier einige Holzbaubetriebe, die Stroh als Baustoff verwenden, jedenfalls mehr als in Deutschland.

Insgesamt ist die Vernetzung der Strohbauaktiven in Europa erstaunlich weit entwickelt, so dass es nun auch Möglichkeiten zur gemeinsamen Entwicklung von Standards gibt.

SonnenKlee: Welche drei Strohbauprojekte sind für dich persönlich die beeindruckendsten und richtungsweisendsten?

Benedikt Kaesberg: Wenn man den Begriff Projekt etwas weiter fasst würde ich sagen:

Erstens, die erfolgreiche Grundlagenarbeit des FASBA (Fachverband Strohballenbau Deutschland) hat zu einer umfassenden Anerkennung des Bauens mit Stroh geführt. Ein Markt dafür ist nun möglich. Das ist beachtlich und zukunftsweisend!

Die erfolgreiche Lobbyarbeit und Mitgliederwerbung und –aktivierung des frz. Strohbaunetzwerks. Dort gibt es eine landesweit anerkannte und flächendeckende Ausbildung und damit wurden bislang schon 7000 strohgedämmte Gebäude errichtet, darunter befinden sich auch zahlreiche Großprojekte. Und es geht noch weiter! Es gibt dort inzwischen örtlich so etwas wie amtliche Bebauungsempfehlungen für Strohbau.

Mir scheint, dass gerade sehr viele Strohbauaktive aus ihren „Löchern“ herauskommen und auch über den nationalen Tellerrand hinausschauen. Vor einem Jahr wäre z. B. so ein Interview wie dieses noch nicht entstanden. Ich bin sehr gespannt, was daraus noch alles wird.

SonnenKlee: Kannst du uns die wichtigsten Gründe nennen, warum heute jemand sein Projekt mit Stroh umsetzen sollte?

Benedikt Kaesberg: Der wichtigste Grund scheint mir zunächst der Nutzen: Wenn jemand ein gesundes Eigenheim oder auch ein Mietobjekt mit hohem Qualitätsstandard haben möchte, ist er mit Stroh gut bedient.

Dann überzeugen die baulichen Qualitäten wie ein sehr angenehmes Raumklima durch Lehmverputzung und dem Einsatz von natürlichen Materialien sowie bestem Wärmeschutz im Winter und Hitzeschutz im Sommer.

Auch die Nachhaltigkeit strohgedämmter Gebäude ist hervorragend. Deutschland wird seine Klimaschutzziele 2020 aller Voraussicht nach deutlich verfehlen. Wenn das Bauen mit Stroh zum Standard würde, wäre das eine Trendwende, denn Bauen mit Stroh ist klimarelevant!

SonnenKlee: Was möchtest du unseren Lesern und Leserinnen sonst noch gerne mitgeben?

Benedikt Kaesberg: Macht es!

Lieber Benedikt, wir danken dir für das interessante Gespräch!

Links:

Quellenverweis:

[1] FNR (Hrsg.): Strohgedämmte Gebäude (2017), S. 22.

Besichtigungstour Strohballenhäuser im Raum Oberösterreich

Besichtigungstour Strohballenhäuser im Raum Oberösterreich

Am 23. März 2018 ab 13:00h  veranstalten wir gemeinsam mit Holzbau Schachner, im Raum Oberösterreich eine Besichtigungstour von Strohballenhäusern.

Wer selber überlegt ein Strohhaus zu bauen oder plant eine Renovierung mit Strohdämmung zu machen, ist hier richtig. Zukünftige Baufrauen und -herren haben dabei die Gelegenheit, bereits bewohnte oder in Bau befindliche Objekte zu besichtigen und mit den BewohnerInnen über deren Erfahrungen zu sprechen.

Detail Infos:
Wir starten am 23.3.2018 um 13:00h in 4204 Reichenau (Mitfahrgelegenheit ab Bhf. St. Pölten, Start 10:45 und bei Bedarf können wir auch gerne eine Mitfahrgelegenheit von Wien-Hütteldorf organisieren).

Wir starten mit dem ersten Strohballenhaus, das sich noch im Bau befindet. Danach fahren wir zu einem weiteren, das bereits seit einem Jahr bewohnt ist. Mit dem dritten Haus, dass schon mehrere Jahre bewohnt ist, beenden wir die Tour ca. um 18:00h.

Zur Anmeldung bitte folgendes Formular abschicken oder einfach ein E-Mail an kontakt@sonnenklee.at senden.

Wenn Sie Fragen haben, senden Sie uns einfach ein E-Mail.

Anmeldung zur Besichtigungstour Strohballenhäuser im Raum Oberösterreich am 23.3.2018 ab 13:00h.

Abt Petrus vom Stift Seitenstetten im Interview

Abt Petrus vom Stift Seitenstetten im Interview

Vor rund zweieinhalb Jahren hat der damals noch frisch im Amt befindliche Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika zur ökologischen Umkehr aufgerufen. In seiner Stellungnahme ruft der Papst zur Umkehr auf, um die Umweltzerstörung und den Klimawandel, verursacht durch grenzenlosen Konsum und rücksichtsloses Verhalten zu stoppen. Die Kirche greift damit ein für uns absolut überlebenswichtiges Zukunftsthema auf. Wir haben Abt Petrus vom Stift Seitenstetten über das Leben und Wirtschaften im Stift befragt.

SonnenKlee: Können Sie uns erzählen wie ein typischer Tagesablauf als Abt des Benediktiner Stifts Seitenstetten aussieht und was die wichtigsten Aufgaben dieser Funktion sind?

Abt Petrus:  Der typische Arbeitstag ist gegliedert durch das Chorgebet: Wir beten um 6.00 Uhr früh, mittags und abends. Dazwischen gibt´s Arbeit und jede Menge Termine wahrzunehmen. Das geht vom Unterricht in der Schule über Gespräche mit Mitbrüdern, Mitarbeitern und Gästen zu Sitzungen und Vorbereiten von Predigten sowie Vorträgen. Gemeinsam essen wir zu Mittag und am Abend. Am Abend gibt es immer wieder mal auch Veranstaltungen zu besuchen. In der Regel endet der Tag um ca. 22.30 Uhr.

Die wichtigste Aufgabe als Abt ist es, das Kloster als einen geistlichen Ort zu prägen. Das Stift ist ja primär kein Wirtschaftsbetrieb, sondern ein geistliches Haus. Daher ist die erste Aufgabe, der Klostergemeinschaft ein guter Abt sein, die Gemeinschaft zusammenzuhalten, der Eigenart vieler dienen und letztlich vorbildhaft als Mönch zu leben! Das Schwierigste ist Vorbild sein.

SonnenKlee: Würden Sie uns kurz beschreiben was das Stift Seitenstetten alles zu bieten hat?

Abt Petrus:   Wir verstehen uns primär als geistliches Haus. Wir betreiben gemeinsam mit der Diözese ein Bildungshaus. In unserem Gästetrakt können bis zu 30 Personen übernachten. Wir sind auch ein Wirtschaftsbetrieb mit rd. 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir haben 14 Pfarreien zu betreuen, führen ein Stiftsgymnasium mit ca. 430 Schülerinnen und Schülern und im Schacherhof begleitet ein Mitbruder die kirchliche Jugendarbeit im Mostviertel.

SonnenKlee: Wie lässt sich das geistliche Amt des Abtes mit all der Verantwortung für die verschiedenen wirtschaftlichen Unternehmungen des Stifts Seitenstetten vereinbaren?

Abt Petrus: Das erlebe ich als eine sehr schwere Herausforderung. Ich hatte bis zu meinem Amtsantritt als Abt mit Wirtschaft praktisch nichts zu tun. Als Stiftung haben wir Grund und Boden von unseren Gründern erhalten, damit wir diese für Bildung und Seelsorge einsetzen. Es gilt damit so zu wirtschaften, dass wir vom Ertrag und nicht von der Substanz dieser Stiftung gut arbeiten können!

SonnenKlee: Wie werden im Stift Seitenstetten wichtige Entscheidungen getroffen?

Abt Petrus: Die Regel des Hl. Benedikt und die Konstitutionen der Österreichischen Benediktinerkongregation sehen vor, dass in wichtigen Fragen der Rat bzw. die Zustimmung des Seniorenrates einzuholen ist. Bei wichtigen Personalfragen und gravierenden wirtschaftlichen Entscheidungen muss in der Gemeinschaft abgestimmt werden.

SonnenKlee: Im Sommer 2015 hat Papst Franziskus in der Umweltenzyklika zum Energie- und Wassersparen und auch zum Bäume pflanzen aufgerufen. Konnten Sie diesbezüglich innerhalb ihres Wirkungsbereichs bereits Verhaltensänderungen beobachten?

Abt Petrus: Was Bäume pflanzen betrifft weiß ich, dass wir in unserem Forst jährlich sehr viele Bäume pflanzen. Vor allem gibt es in unserem Waldgebiet einige „Forschungsflächen“ wo auch Versuchspflanzungen gemacht werden. Im Stift wird zum Teil nur Nutzwasser für die Toiletten verwendet. Wir haben eine neue, energiesparende Steuerung in unserer Heizanlage eingebaut und den Dachboden im Westtrakt des Meierhofes gedämmt.

SonnenKlee: Die Kirche ist ja auch ein erfolgreiches wirtschaftliches Unternehmen mit sehr langem Bestand. Was könnten heutige Unternehmen über nachhaltiges und generationenübergreifendes Wirtschaften von der Kirche lernen?

Abt Petrus: Am Wichtigsten ist, dass sich die Menschen in einem Betrieb wohl fühlen und sich damit gut identifizieren können. Man arbeitet und wirtschaftet ja nicht für sich selbst, sondern weil wir eine Sendung, einen Auftrag haben. Letztlich haben alle, vom Abt bis zum jüngsten Mitarbeiter, teil an dieser Sendung. Von manchen Mitarbeitern arbeiten schon mehrere Generationen in unserem Haus.

SonnenKlee: Viele Menschen sagen, sie könnten es sich heutzutage nicht mehr leisten auf zukünftige Generationen Rücksicht zu nehmen. Sie würden sonst in dem heute vorherrschenden, so schnellen System  untergehen. Was können Sie dem entgegnen?

Abt Petrus: Das hängt davon ab, was man erreichen möchte, hohen Lebensstandard oder hohe Lebensqualität. Hohen Lebensstandard halten oder gar noch steigern, kann verdammt anstrengend sein. Da kommt man leicht unter die Räder. Die Konkurrenz im Kampf um Wachstumsraten kann erbarmungslos sein. Steigerung der Lebensqualität kann man dagegen auf sehr vielfältige Wege erreichen. Familie, Kinder, Glaube, Freunde, Musik, Kunst, Kultur, Engagement in Gesellschaft, Vereinen und Kirche, und vieles andere mehr kann hohes Lebensglück und Lebensqualität bedeuten. Leben ist nicht mehr haben, sondern mehr sein und da sein für andere.

SonnenKlee: Was würden Sie unseren Lesern sonst noch gerne mit auf den Weg geben?

Abt Petrus: Willst du wahres und unvergängliches Leben finden – dann vertiefe es und reize es nicht aus.

Lieber Abt Petrus, wir danken für das interessante Gespräch!

Das Netzwerk für Innovationen gegen den Klimawandel

Das Netzwerk für Innovationen gegen den Klimawandel
Mit SonnenKlee sind wir Teil von Climate-KIC, Europas größtem öffentlich-privaten Netzwerk zur Förderung von Innovationen gegen den Klimawandel. Das Programm ermöglicht es uns, unsere nachhaltigen Baustroh-Produktionssysteme weiter zu verbessern und mit Hilfe von Expertenunterstützung unsere Informationskampagne zum Thema Baustroh optimal zu gestalten. Einen Überblick über die weiteren Teilnehmer des Programms finden Sie hier.

 

Heimo Modre – Geschäftsführer Solare Energien im Interview

Heimo Modre – Geschäftsführer Solare Energien im Interview

Unsere Gebäude werden immer effizienter und die noch notwendige Energie für den laufenden Betrieb wird immer öfters direkt vor Ort selber produziert. Der Trend geht eindeutig in Richtung Effizienzsteigerung und Eigenversorgung jedes Gebäudes durch das eigene Kraftwerk. Photovoltaik spielt dabei eine Schlüsselrolle und weil man die in den Sonnenstunden produzierte Energie, auch danach nutzen möchte, steigt der Bedarf an effizienten Energiespeichern. Heimo Modre ist Geschäftsführer von Solare Energie GmbH und hat bereits viele Photovoltaikprojekte umgesetzt. Seine Erfahrung die er in den letzten drei Jahrzehnten mit PV-Inselanlagen für Schutzhütten in alpinen Regionen gewonnen hat, kann er heute auch für Projekte mit neu entwickelten Energiespeicheranlagen nutzen.

SonnenKlee: Können Sie uns erzählen was Sie mit Ihrer Firma Solare Energie GmbH alles leisten?

Heimo Modre: Die Solare Energie GmbH ist ein hochspezialisiertes Unternehmen, welches sich seit fast 30 Jahren mit Photovoltaik und Batterie Speicher auseinandersetzt. Wir beschäftigen uns fast ausschließlich mit autarken Energiesystemen im alpinen Bereich. Dabei handelt es sich um Schutzhütten und andere Objekte welche über keinen direkten Netzanschluss verfügen. Die Anforderungen bei einer sogenannten „Inselanlage“ sind sehr hochgesteckt, denn es müssen die Solargeneratoren und Batterie-Speicher optimal auf die Verbraucher und die zu versorgenden Lasten abgestimmt werden. Hinzu kommen die alpinen Anforderungen, wie Wind, Schnee und tiefe Temperaturen, welche dem verwendeten Material enorme Belastungen abverlangen.

SonnenKlee: Sie sind bereits seit über 25 Jahren im PV-Geschäft, was waren Ihrer Meinung nach die größten Veränderungen in dieser Zeit?

Heimo Modre: Die wohl größte Veränderung in dieser Branche bedeutet der Preisverfall, der im Jahr 2009 begann und bis ca. Ende 2012 anhielt. In diesem Zeitraum sanken die Preise für PV Module um ca. 70%. Das hatte einerseits mit dem Zusammenbruch des spanischen Photovoltaikmarktes zu tun, und andererseits war auch die von China gestartete Produktion im großen Stil ein wesentlicher Grund dafür. Leider verschwanden dadurch auch sehr viele europäische, im speziellen deutsche, hochqualitative Hersteller vom Markt. Interessant ist auch die Entwicklung im Haushaltsbereich, denn hier steigt der Wunsch nach Unabhängigkeit von den großen Netzbetreiber zunehmend!

SonnenKlee: Was war in Ihrer Laufbahn das für Sie interessanteste Solarprojekt?

Heimo Modre: Da gab es schon mehrere Projekte die erwähnenswert waren. Hier fällt mir allerdings im speziellen die Hesshütte im Gesäuse ein. Hier schafften wir es durch eine große Photovoltaikanlage und einen 144 kWh Batterie-Speicher, den Bedarf an fossilen Brennstoffen um mehr als 70 % zu reduzieren. Weil sich die Anlage mitten im National Park Gesäuse befindet und der für den Generator benötigte Diesel-Treibstoff mit dem Hubschrauber hinaufgeflogen wurde, kann man hier durchaus von einem enormen ökologischen Nutzen sprechen. Erwähnenswert finde ich auch die beiden Photovoltaik Anlagen mit Batterie Speicher welche wir für das Außenministerium auf der Österreichischen Botschaft in Islamabad / Pakistan errichten durften. Fünf Wochen Montagezeit mit Temperaturen jenseits der 40 Grad Grenze waren schon ein interessante Herausforderung.

 

SonnenKlee: Viele Leute sagen heute immer noch, sie warten mit der Anschaffung einer PV-Anlage so lange, bis die Modul- und Speicherpreise weiter gefallen sind. Warum macht es Sinn gerade jetzt eine PV-Anlage mit oder auch ohne Speicher zu installieren?

Heimo Modre: Über eine Anschaffung einer Photovoltaikanlage kann man jederzeit nachdenken, die Technologie an sich ist ausgereift und die Module am Dach, sofern sie von einem namhaften Hersteller sind, halten schon 35 oder 40 Jahre durch. Ich gebe folgendes zu bedenken: Preise für Photovoltaik Module werden kaum mehr fallen, denn hier ist der Talboden längst erreicht. Leider gibt es mittlerweile auch sehr viele Billighersteller und hier ist eine Unterscheidung selbst für Fachleute schwierig.

Anders ist das bei den Batterie-Speichern: Hier wird ständig geforscht und entwickelt. Neue Technologien dängen laufend auf den Markt und kurzfristig setzt sich jetzt aktuell der Lithium Ionen Speicher durch. Wohin die Reise in Detail führt, ist aber noch nicht abzusehen. Hier noch ein wenig zuzuwarten kann nicht schaden. Es wird für 2018 auch eine Speicherförderung für Li-Ionen Speicher geben, in welcher Höhe die sein wird, ist noch nicht ganz heraussen. Aber die Pioniere können ja schon mal loslegen, denn diese Menschen braucht es speziell in dieser Branche immer (lacht).

SonnenKlee: Worauf sollte man bei der Anschaffung einer PV-Anlage besonders achten?

Heimo Modre: Setzen Sie hier auf einen namhaften Modulhersteller, der schon mindestens 20 oder 30 Jahre am Markt ist. Japanische Hersteller sind sehr gut, haben ausgezeichnete Garantiebedingungen und verfügen über jahrzehntelange Erfahrung. Setzen Sie auf einen Namen eines großen Herstellers und nicht auf sogenannte „No-Name“ Produkte.

SonnenKlee: Wie denken Sie, wird die Energieversorgung eines typischen Einfamilienhauses in 10 Jahren aussehen?

Heimo Modre: Ich glaube das ist nicht einfach zu beantworten. Es wird auch eine Frage der Investitionen beim Bau eines solchen Objektes sein. Eine eindeutige Tendenz ist aber jetzt schon erkennbar: Viele Menschen die auch ein ökologisches Bewusstsein haben, denken ernsthaft darüber nach auf einen Netzanschluss zu verzichten, ihr Eigenheim autark zu betreiben und sich so in gewisser Weise eine neue Unabhängigkeit zu schaffen. Ich denke das der Zeitraum mit zehn Jahren ein wenig kurz gegriffen ist, aber in 30-50 Jahren haben wir hier absolut brauchbare und erschwingliche Alternativen am Markt verfügbar. Durch die Produktion von Batteriespeichern im großen Stil werden hier genauso wie bei Photovoltaik Modulen die Preise zunehmend fallen.

SonnenKlee: Was möchten Sie unseren Lesern sonst noch mitgeben?

Heimo Modre: Man kann niemand zu einem ökologischen Bewusstsein erziehen oder zwingen, ich bin aber der Meinung das für ökologisch interessierte Mitbewohner auf diesem Planeten mittlerweile genug Alternativen zur Verfügung stehen. Und noch etwas: Es ist egal ob das Erdöl noch 30, 50 oder 200 Jahre reichen wird, das solare Zeitalter steht sowieso bevor!

Lieber Herr Modre, wir danken für das spannende Gespräch!

Bericht von unserer Strohballenhaus Besichtigungstour

Bericht von unserer Strohballenhaus Besichtigungstour

Am Freitag dem 24.11.2017 fand unsere Besichtigungstour von Strohballenhäusern statt. Als eine stattliche Gruppe von 12 Personen waren wir im Raum St. Pölten und Umgebung unterwegs und durften drei Strohhäuser besichtigen. Die Stimmung bei den Teilnehmern war ausgezeichnet und es gab eine Menge Fragen an die Baufrauen und Herren.

Die besichtigten Projekte wurden vom Bauatelier Schmelz Salomon geplant und die Palette war breit gefächert. Das erste Projekt ist bereits seit 10 Jahren bewohnt und es wurde in Modulbauweise hergestellt. Ein weiteres ist erst seit einigen Monaten fertig und Familie Lechner erzeugt darin auch ihre Naturkosmetik Produkte (www.duftbox.at). Das dritte war noch im Bau und wird mit viel Eigenleistung der Baufamilie errichtet.

Wir möchten uns im Namen von SonnenKlee und Bauatelier Schmelz nochmals herzlichst bei den Baufamilien für die Möglichkeit zur Besichtigung ihrer Herzensprojekte bedanken!

 

        

Wir haben einige Anfragen für eine neuerliche Besichtigungstour und planen deshalb in den nächsten Monaten eine weitere Aktion.

Bei Interesse schicken Sie uns bitte ein kurzes E-Mail, oder geben Sie uns Ihre Kontaktdaten weiter unten bekannt.

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Günter Lang – Leiter von Passivhaus Austria im Interview

Günter Lang – Leiter von Passivhaus Austria im Interview

Um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen, bedarf es einer Vielzahl von Maßnahmen und Anstrengungen. Vor allem die Effizienzsteigerung im Gebäudebereich ist eines der ganz großen Probleme die es zu lösen gilt. Einer der Kämpfer an vorderster Front für energiesparende Gebäude ist Ing. Günter Lang vom Experten-Netzwerk Passivhaus Austria. Wir haben ihn zur Geschichte des Passivhauses und über sein persönliches Wirken befragt.

 

Kannst du uns kurz erzählen, wann und wie du zum Thema Passivhaus gekommen bist und warum das Konzept für dich persönlich so faszinierend ist?

Ich hab mich seit 1985 intensiv mit Energie sparen beschäftigt und war dann 1997 bei der Tagung “Energieeffizientes Bauen” am Bodensee. Es gab damals auch eine Exkursion zu den ersten drei Passivhäusern in Österreich. Damals wurde für mich klar, wenn ich einmal bauen werde, dann nur in diesem Standard. Das Konzept war so einfach, klar, logisch und nachvollziehbar – für mich fühlte es sich an, als wäre ich neu geboren. Ein Jahr später, 1998 war es dann schon so weit, und wir haben mit der Planung unseres eigenen Hauses begonnen. Gemeinsam mit Architekt Hermann Kaufmann wurde es geplant und wir bauten das erste zertifizierte Passivhaus in Österreich. Ich hab auch von Planungsbeginn an folgendes festgelegt: Ich möchte das bestmögliche Haus bauen, aber zu denselben Kosten wie für den damaligen Mindeststandard notwendig gewesen wäre. Wir haben uns dann ein Jahr Planungszeit genommen, um jedes Detail zu optimieren. Der Clou beim Passivhaus ist, wenn man sich auf die Gebäudehülle konzentriert und wirklich das Bestmögliche macht (nicht kleckern sondern klotzen), senkt man damit den Energieverbrauch schon einmal drastisch.  Dann kann man auf der anderen Seite die Haustechnik wirklich auf ein Mindestmaß reduzieren und damit wieder massiv Kosten einsparen. In unserem Haus brauchen wir auch nur ein halbes Prozent der Nutzfläche für Haustechnik. Das Passivhaus ist ja in Wirklichkeit kein High-Tech Gebäude sondern es funktioniert auch in Low-Tech-Bauweise. Genau das hat mich persönlich von Anfang an angesprochen, weil ich ja nicht so der Technikfreak bin.

Ich hab dann auch mein Haus zum Beruf gemacht, weil erst mit dem Neubau und den gewonnenen Erfahrungen hatte ich letztendlich auch den Mut mich selbstständig zu machen. Gleich nach dem Schritt in die Selbstständigkeit haben wir dann die IG Passivhaus Oberösterreich aus der Taufe gehoben und anschließend die IG Passivhaus Österreich aufgebaut. Erst 2013 habe ich gemeinsam mit Wolfgang Feist und dem Passivhaus Institut das nun sehr erfolgreiche Netzwerk „Passivhaus Austria“ gegründet.

Du lebst ja selber in einem Passivhaus, was sind deiner Erfahrung nach die größten Benefits dieses Standards?

Zu Beginn des Baus stand für mich fast ausschließlich der Umweltschutz und die damit verbundene Energieeinsparung im Vordergrund. Im Rückblick auf die letzten 19 Jahre ist es allerdings Komfort, Komfort und nochmals Komfort. Energiesparen, geringe Betriebskosten und Umweltschutz sind für mich zum angenehmen Nebeneffekt geworden.

Was den Komfort betrifft, habe ich eine kleine Anekdote: Als unsere kleine Nichte, damals erst 4 Jahre alt, bei uns zu Besuch war, ist sie auf dem Fußboden (ohne Unterkellerung) gesessen, mit dem Rücken an einer Glasscheibe gelehnt und so hat sie seelenruhig eine halbe Stunde mit dem Gameboy gespielt. Draußen hatte es jedoch minus 18 Grad und sie hat es nichts davon gemerkt. Das zeigt auch einen großen Vorteil des Passivhauses: Man kann wirklich ganzjährig die gesamte Wohnfläche nutzen, auch wenn sie neben der Außenwand oder gar neben einem Fenster ist. Das ist bei einem konventionellen Gebäude, aufgrund der kälteren Außenflächen, nicht möglich.

Das Passivhaus gibt es nun schon seit gut 20 Jahren, was sind die größten Erfolge die es zu verzeichnen hat?

Das Passivhaus gibt es sogar schon 26 Jahre, damals in Darmstadt-Kranichstein von Dr. Wolfgang Feist entwickelt. Und vor über 40 Jahren wurde bereits in Kanada ein Gebäude in ähnlichem Standard gebaut. Es hat zwar keine so ausgeklügelte Lüftungstechnik wie wir sie heute nutzen, trotzdem ist es bis heute immer noch in Betrieb. Beide Pionierobjekte weisen bis zum heutigen Tag unverändert niedrigste Energieverbräuche wie auch Wartungskosten auf.

Heute ist der Passivhaus-Standard weltweit anerkannt und Österreich hat dabei eine führende Rolle, nicht zuletzt weil wir in Österreich die höchste Pro-Kopf-Dichte an Passivhäusern haben. Wir exportieren auch weltweit unser Passivhaus-Know-how sowie entsprechende Produkte und Dienstleistungen.

Als einen großen Erfolg sehe ich, dass wir nicht mehr nur auf dem Einfamilienhaus-Sektor beschränkt sind, sondern mittlerweile in viel größerem Umfang im großvolumigen Segment sehr erfolgreich sind. Das weltweit erste Hochhaus in Passivhaus-Standard, sowie ein Gefängnis, ein Obdachlosenheim und viele andere Beispiele zeugen davon.

Ein enormer Fortschritt ist, dass das Passivhaus leistbarer geworden ist. Die Kosten, die anfangs höher gelegen sind, sind heute mit dem konventionellen Bau ident.

Das sind schon einige Erfolge, die wir zu verzeichnen haben. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass der Passivhaus-Standard längst genereller Mindeststandard sein müsste. Einzelne Kommunen machen dies auch schon vor. Die Stadt Brüssel hat das Passivhaus zum Beispiel seit 1.1.2015 schon als Mindeststandard für Neubauten in der Bauordnung. Auch für Sanierungen gilt der Passivhaus-Standard + 20%. Wie man dort sehen konnte, ist der Bau ist nicht wie befürchtet zum Stillstand gekommen, sondern es hat sich sogar als großer Vorteil für Errichter und Nutzer herausgestellt. Auch Dublin und Luxemburg setzen den Passivhaus-Standard schon um. Sogar Moldawien, eines der ärmsten Länder in Europa, bekommt ab 1.1.2022 das Passivhaus als Mindeststandard in die Bauordnung.

In Österreich haben wir in vielen Bereichen eine Gegenentwicklung. Bei den letzten Novellierungen der Wohnbauförderung wurde der Mindeststandard in einigen Bundesländern nicht angehoben sondern an niedrigere Vorgaben der Bauordnung angeglichen und das alles nur wegen der Angst, es könnte zu wenig gefördert gebaut werden.

Trotzdem gibt es gute Beispiele in Österreich, wie z.B. die Neue Heimat Tirol, die seit 2009 schon 4.000 Wohneinheiten im Passivhaus-Standard errichtet hat. Auch die Innsbrucker Immobilien Gesellschaft, die OeAD-Wohnraumverwaltung, die MPREIS Supermärkte, die Explorer Hotelgruppe und die Morscher, Bau- & Projektmanagement haben sich alle dem Passivhaus-Standard verschrieben. So werden z.B. in Tirol schon 85 Prozent aller geförderten sozialen Wohnbauten in Passivhaus-Standard errichtet – und dies freiwillig!

Kannst du uns vielleicht kurz erklären, was der Nearly Zero Energy Building Standard ist und ob er etwas mit dem Passivhaus-Standard zu tun hat?

Die EU-Gebäude-Richtlinie hat 2010 das „Nearly Zero Energy Building“ beschlossen. Ab 2019 müssen alle öffentlichen und ab 2021 auch alle anderen Gebäude in ganz Europa danach errichtet werden. Die Krux an der Sache ist, dass jeder EU Staat selber definieren darf, was unter dem Begriff „Nearly Zero Energy Building“ zu verstehen ist. Im Deutschen lautet die sehr schlechte Übersetzung zum Beispiel Niedrigstenergiehaus. In Österreich ist die Definition überhaupt eine echte Lüge geworden: Das „Nearly Zero Energy Building“ wird hierzulande den 2,5-fachen Energieverbrauch eines Passivhauses haben dürfen. Damit fallen wir gemäß Analyse der EU-Kommission in Europa als ehemals führendes Land an vorletzte Stelle, knapp vor Rumänien, zurück. Gerade in der heutigen Zeit, wo wieder sehr viel mehr neu gebaut wird (rd. 60t Wohneinheiten pro Jahr), führt das dazu, dass der Energieverbrauch und die Emissionen wieder steigen.

Wir gehen hier in Österreich genau die entgegengesetzte Richtung zum Pariser Klimaschutzabkommen. Jenes anteilige CO2 Budget, welches uns zur Verfügung steht, um das 2 Grad Ziel zu erreichen, werden wir in Österreich in den nächsten 18 Jahre aufbrauchen, machen wir so weiter wie bisher. Wenn wir das viel sinnvollere Ziel von 1,5 Grad hernehmen und so weiter tun wie bisher, dann haben wir das CO2-Budget sogar in weniger als 5 Jahren aufgebraucht.

Das heißt, die kommende Regierung und sämtliche politische Entscheidungsträger sind zumindest moralisch dafür verantwortlich, wenn die nächsten Generationen oder eigentlich auch schon wir, vom Klima an die Wand gestellt werden. Wir machen uns schuldig, weil wir seit 1992 eigentlich wissen, was zu tun ist.

Du bist ja Leiter des Experten-Netzwerks „Passivhaus Austria“. Was habt ihr in nächster Zeit alles vor und wo werden eure Schwerpunkte liegen?

Das Netzwerk Passivhaus Austria ist das jüngste in der Szene, wir haben erst 4 Jahre hinter uns und sind in dieser Zeit stark gewachsen. Das Netzwerk umfasst mittlerweile 175 Unternehmen mit 26.000 innovativen Arbeitsplätzen und wir möchten möglichst bald die 200er Marke knacken. Ein breit aufgestelltes Netzwerk ist wichtig, um die Politik herauszufordern. Unser klares Ziel ist es, den Passivhaus-Standard zum Mindeststandard zu machen.

Der erste Schritt für ein energieeffizientes Gebäude ist immer richtig zu rechnen. Das ist eigentlich die einfachste Maßnahme und trotzdem wird sie am Seltensten gemacht. Vor allem deswegen, weil der Energieausweis vorgeschrieben ist, dessen Berechnungsmethode aber bei effizienten Häusern sehr ungenau wird. Wir wollen auch aufzeigen, dass ein Passivhaus unabhängig von der Bauweise möglich ist, egal ob in Massivbauweise oder Holzbauweise, mit klassischen Baustoffen genauso wie mit ressourcenschonenden nachwachsenden Baustoffen. Und es freut mich ganz besonders, dass wir jetzt auch Sonnenklee mit an Bord im Netzwerk Passivhaus Austria haben, denn die Strohdämmung ist ein hervorragendes Produkt und passt sehr gut in das Gesamtportfolio des Passivhauses hinein.

Der Anteil am weltweiten Energieverbrauch für Herstellung und Transport von Baustoffen liegt bei etwa 45 %. Wäre es nicht sinnvoll den Passivhaus-Standard in Richtung Herstellungsenergie von Gebäuden zu erweitern, oder gibt es diesbezüglich ohnehin schon Überlegungen?

Eigentlich nicht, weil das Thema so umfassend ist, das immer die Gefahr besteht, dass man sich verzettelt, wenn man versucht zu viel unterzubringen. Der Fokus des Passivhauses ist es die energetische Betrachtung des Betriebs vorzunehmen und da zu optimieren. Hier wollen wir möglichst breitenwirksam sein und dies auch mit allen Bauweisen ermöglichen.

Das Passivhaus steht allerdings nicht im Widerspruch zu den vielen anderen wichtigen Nachhaltigkeitsthemen. Das neueste PHPP-Berechnungstool hat zum Beispiel auch schon eine Erweiterung, die sich „Passivhaus District“ nennt. Damit kann man ganze Siedlungsgebiete inklusive der kompletten Energieinfrastruktur berechnen. Mobilität gehört genauso dazu wie Baumaterialien, graue Energie, und vieles mehr.

In unserer Passivhaus Datenbank haben wir österreichweit schon 927 Objekte dokumentiert, und von denen haben mehr als der Hälfte den Nachhaltigkeitsgedanken über den energetischen Zielen stehen. Diese Objekte wurden mit nachhaltigen Materialien errichtet und auch beim Betrieb hat man sich bei fast allen Objekten auf erneuerbare Energie fokussiert.

Dies macht sehr deutlich, dass den Bauherren von Passivhäusern überproportional zum Baustandard die umfassende Umsetzung der Nachhaltigkeitskriterien ein großes Anliegen ist.

Auch unsere neue Berechnungsmethode von Primärenergie bezieht sich schon auf das Szenario, dass Gebäude zu 100% mit erneuerbarer Energie versorgt werden.

Um nochmals auf die Frage bezüglich der grauen Energie zurückzukommen: Ich hab damals bei meinem eigenen Gebäude auch schon die Graue Energie berechnet, sogar zweimal, einmal nach der SIA und einmal nach der IBO Methode. Darüber hinaus habe ich sogar die chemischen Treibhausgase in die Bilanzierung mit reingenommen, was sonst praktisch fast nie gemacht wird. Das hat auch sehr interessante Ergebnisse gebracht: Bei der Grauen Energie war dabei meine Erkenntnis, dass alleine die Fundamentplatte genau so viel nicht erneuerbare Primärenergie benötigte, als das gesamte restliche Gebäude und das obwohl ich 53 cm Dämmung habe. Natürlich gibt es zwischen den einzelnen Baumaterialien Unterschiede, die durch aus vakant sind. Wir dürfen dabei aber nicht die Gesamtbetrachtung aus dem Auge verlieren. Beton und die Massivbaustoffe haben mit Abstand den größten Anteil an grauer Energie, darüber wird oft gar nicht gesprochen. Die „Nicht-Dämmer-Fraktion“ fokussiert sich dann oft nur auf die Dämmstoffe und argumentiert damit gegen eine ausreichende Dämmung. Deswegen bin ich bei dem Thema immer vorsichtig und versuche es mit Augenmaß zu betreiben. Wiewohl sehe ich mit der Strohdämmung enorme Potentiale und eine große Chance wirklich nachhaltig zu bauen. Als sehr positives Beispiel könnten wir die Slowakei hernehmen. Dort wurden von den mittlerweile über 100 Passivhäusern, schon 80% mit Strohdämmung gebaut.

Das Passivhaus bietet ja nicht nur der Schutz gegen Kälte, sondern auch gegen sommerliche Überhitzung. Was kannst du uns dazu mitgeben?

Ja der Schutz gegen Hitze ist ein sehr wichtiges Thema und dazu fallen mir gleich zwei Beispiele ein: Malta und Griechenland. Als ich dort jeweils bei den ersten Passivhaustagungen war, habe ich mich vorher schlau gemacht. Ich war dann schockiert, dass sie eine höhere CO2 Belastung durchs Heizen haben als wir in Österreich. Wie kann das sein? Weil die Winter dort viel milder sind gibt es dort ja praktisch keine Heizung und in den paar Monaten wird dann die Klimaanlage im Winter einfach als elektrische Heizung verwendet. Auf Malta zum Beispiel, wird das einzige Kraftwerk mit Schweröl betrieben und damit sind die CO2 Emissionen sehr hoch. In Griechenland ist es ähnlich, da hat man mit Beginn der Krise angefangen mit Holz zu heizen, anstelle es als Baustoff zu verwenden. Bei geringem Waldanteil und nicht nachhaltiger Forstwirtschaft führt das schnell zu Verknappung der Ressourcen. Mit nachwachsenden Rohstoffen muss man sorgsam umgehen und es ist natürlich weit nachhaltiger, damit effiziente Passivhäuser zu bauen, die noch dazu sehr gut vor Hitze schützen, als sie thermisch zu verwerten.

Wo siehst du das Passivhaus in 10 Jahren?

Auf jeden Fall als weltweiten Mindeststandard in der Bauordnung und alle werden sich wundern, warum dies so lange gedauert hat. In Wirklichkeit ist das kein unrealistisches Ziel. Wenn wir global die Klima Herausforderungen betrachten, ist es nicht 5 vor 12 sondern es ist bereits 12! Wir reden schon alle nur mehr von Anpassung an den Klimawandel, das heißt wir haben schon kapiert, dass der Klimawandel voll im Gang ist, setzen aber immer noch nicht die notwendigen Maßnahmen um ihn einzubremsen.

Im Gebäudesektor, der für 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist, können wir viel zur Eindämmung beitragen. Mit dem Passivhaus-Standard und noch mehr in Kombination mit nachhaltigen Materialien.

Weil wir durch den Passivhaus-Standard die Betriebsenergie stark senken, wird dann prozentual gesehen, die Graue Energie umso mehr. Deswegen ist es wichtig, auch darauf ein entsprechendes Augenmerk zu legen. Aber wie gesagt, die großen Brocken liegen in Beton und in den massiven Bauweise. Aber natürlich trägt jede einzelne Komponente bei und Stroh kann da durchaus noch eine erhebliche Reduktion erwirken.

Was möchtest du unseren Lesern sonst noch mitgeben?

Wir müssen einfach bei jedem Neubau und bei jeder Sanierung ab sofort den Energieverbrauch auf ein Mindestmaß reduzieren, um überhaupt irgendeine Chance zu haben bis 2050 CO2-neutral zu sein. Denn jedes Gebäude das heute neu gebaut oder saniert wird, bleibt bis ca. 2060 auf diesem Stand. Daher müssen wir es jetzt schon richtig machen.

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Bildnachweis: LANG consulting Gmbh