Lehrgang Strohballenbau in Abetzdorf

Lehrgang Strohballenbau in Abetzdorf

Wir freuen uns sehr, dass One Straw Revolution mit Virko Kade den Lehrgang Strohballenbau am SonnenKlee-Standort in Abetzdorf veranstaltet.

In zwei dreitägigen Blöcken werden theoretische Grundlagen des Strohbaus vermittelt um anschließend im praktischen Teil, gemeinsam ein lasttragendes Gebäude (30-40m²) errichten zu können.

Details und Informationen zur Anmeldung unter folgendem Link.

Baurettungsgasse auf der Bauen & Energie Messe Wien

Baurettungsgasse auf der Bauen & Energie Messe Wien

Vom 14. bis 17. Februar 2019 sind wir wieder auf der Bauen & Energie Messe in Wien. Sie finden uns in der Baurettungsgasse  in der Halle A auf Stand A0236. Die Baurettungsgasse wurde wieder vom Experten-Netzwerk Innovative Gebäude organisiert und wir freuen uns über Ihren Besuch und auf zahlreiche Gespräche zum Thema ökologisches Bauen. Mit unseren gesunden und ressourcenschonenden Produkten Bio-Baustroh und Hanfdämmung.

Hier noch der Link zur Baurettungsgasse.

Vielleicht möchten Sie den Messebesuch ja auch noch mit dem vorgelagerten Wiener Kongress für zukunftsfähiges Bauen verbinden. Link zum Bauz!

Wir sehen uns am Nachhaltigkeits-Symposium von greenskills

Wir sehen uns am Nachhaltigkeits-Symposium von greenskills

Am 8. Dezember findet im Wiener Markhof das greenskills Nachhaltigkeits-Symposium statt.

Prof. Helga Kromp-Kolb wird mit einem Impulsvortrag zum Thema Nachhaltigkeit und Klimawandel viel Stoff zum Diskutieren liefern. Akteure aus der Praxis werden über Alternativen berichten und zukunftsfähige Lösungsansätze präsentieren. Es gibt Informationen aus erster Hand zu Projekten wie vivi-haus, Essbare Seestadt, Haus des Lernens, GÜNSTATTGRAU und noch vielen weiteren.
Auch wir von SonnenKlee sind vor Ort und dürfen über das Bauen mit Stroh als funktionierende Alternative aus unserem Alltag erzählen.

Hier geht’s zum Programm und zur Anmeldung.
Das Event gibt’s natürlich auch auf Facebook.

6 Strohhäuser an den Tagen des Passivhauses 2018 geöffnet!

6 Strohhäuser an den Tagen des Passivhauses 2018 geöffnet!

Ein Passivhaus gedämmt mit Stroh ist die perfekte Kombination für behagliches und energiesparendes Wohnen!
An den Tagen des Passivhauses von Freitag, 9. bis Sonntag, 11. November 2018 stehen in Österreich heuer 132 Objekte offen für einen Besuch und davon sind 6 Objekte mit Stroh gedämmt. Welche das sind haben wir hier zusammengestellt:

  • Ein lasttragendes Strohballenhaus in Passivhausbauweise das der Firma Jürgen Höller GmbH das als Büro dient: Link zum Objekt.
  • Das Bürogebäude vom Biohofs Achleitner in Eferding das zum Großteil mit Stroh gedämmt wurde: Link zum Objekt.
  • Der Biofrischmakt + Biokulinarium vom Biohofs Achleitner in Eferding der ebenfalls mit Stroh gebaut wurde: Link zum Objekt.
  • Ein Niedrigenergiehaus mit Passivhaus-Komponenten und mit Strohdämmung in Ruprechtshofen das als Einfamilienhaus genutzt wird: Link zum Objekt.
  • Das Haus des Lernens in St. Pölten wurde mit Stroh gedämmt und wird von der Firma GESA als Büro und Ausbildungsstätte genutzt: Link zum Objekt.
  • Ein Einfamilienhaus in Reisenberg dessen oberste Geschoßdecke mit Stroh gedämmt wurde: Link zum Objekt.

Im Haus des Lernens in St. Pölten finden Vorträge und Führungen statt und der mit Stroh gedämmte  Biohof Achleitner in Eferding lädt zu einer Genussreise mit Verkostung und einer Fair Trade Modenschau ein.

Näheres zu den Veranstaltungen finden Sie hier.

Bericht von der Strohhaus-Tour im Raum Wien

Bericht von der Strohhaus-Tour im Raum Wien

Am Freitag, den 21.09.2018 waren wir wieder auf einer Strohhaus-Tour unterwegs. Diesmal starteten wir südlich von Wien und zwar mit dem Firmengebäude der Baumeister Höller GmbH, einem Passivhaus das in lasttragender Strohbauweise errichtet wurde.

Das zweigeschoßige Gebäude wurde mit Kalk direkt auf Stroh verputzt und an dem Objekt wurden zahlreiche Detaillösungen neu entwickelt. Geschäftsführer und Baumeister DI Robert Kraus und der Planungsexperte Erich Wallner standen uns für zahlreiche Fragen zur Verfügung.
Und für alle die bei unserer Tour nicht dabei waren, gibt’s schon bald (5.10.-7.10.2018) die Möglichkeit das Strohhaus im Rahmen der Veranstaltung „Kunst und Kultur im Strohhaus“ zu besuchen. Details gibt’s hier zu lesen.

Das zweite Objekt war ein Einfamilienhaus in Massivbauweise bei dem die oberste Geschoßdecke mit Stroh gedämmt wurde. Dieses Projekt wurde von der Baumeister Höller GmbH realisiert. Oberste Geschoßdecken und Dachdämmungen werden schon seit einiger Zeit standardmäßig mit zertifiziertem Baustroh angeboten und von vielen Kunden auch sehr gerne angenommen.
Oberste Geschoßdecke Strohdämmung

Zuletzt durften wir das Firmengebäude der Lopas GmbH besichtigen. Das Objekt besteht aus vorgefertigten, mit Strohhäckseldämmung befüllten Elementen und ist innen und außen mit Lehm verputzt. Die Lehm-Vlies-Technik als Windbremsebene mit rein natürlichen Materialien wurde speziell entwickelt. Das Gebäude ist mit der teilweise vorgehängten Lärchenholzfassade auch ein optischer Hingucker. Es ist seit 14 Jahren in Betrieb und der minimale Heizbedarf sorgt für niedrigste Betriebskosten. Das größte Einsparungspotential an Primärenergie konnte aber bereits beim Bau, durch die nahezu ausschließliche Verwendung von ökologischen Baustoffen generiert werden. Roland Meingast führte uns durch das Gebäude und konnte mit seiner langjährigen Erfahrung im Bereich Stroh und Lehm alle begeistern.

Prächtiges Herbstwetter hat uns die Tour sehr angenehm gemacht und wir freuen uns natürlich schon auf die Nächste. Bei Interesse bitte einfach eine Nachricht an uns schicken!

Interview mit Wouter Klijn – Strohbau-Verband Niederlande

Interview mit Wouter Klijn – Strohbau-Verband Niederlande

Auch in den Niederlanden findet Bauen mit Stroh immer mehr Anhänger. Einer der treibenden Kräfte im Niederländischen Strohbau ist Wouter Klijn. Er engagiert sich beim Niederländischen Strohbau-Verband (Strobouw Nederland) und ist auch beratend für verschiedene Projekte tätig. Strobouw Nederland ist Projektpartner des derzeit laufenden, EU-geförderten Interreg-Projektes UP STRAW, in das Wouter ebenfalls involviert ist. Im Mai war Wouter im Zuge eines Österreichbesuchs auch bei uns in Abetzdorf, um unsere SonnenKlee Baustroh-Produktion zu besichtigen. Wir freuen uns, dass er heute unserer Einladung zu einem Interview nachgekommen ist und uns mit aktuellen Informationen aus den Niederlanden versorgt.

SonnenKlee: Hallo Wouter, bitte stell dich unseren Lesern kurz vor und sag uns auch wie du zum Thema Bauen mit Stroh gekommen bist?

Wouter Klijn: Seit der Gründung im Jahr 2010 bin ich Mitglied im Strohbau-Verband Niederlande und in dem Verein konzentriere ich mich hauptsächlich auf die technische Seite des Bauens mit Stroh, auf die internationale Zusammenarbeit und auf den Austausch von Wissen und Unterricht im Strohbau.

Vor mehr als 20 Jahren, bekam ich von meiner Mutter einen Strohlehm-Kurs. Es war ein Tag Theorie in Utrecht und eine Wochenendhilfe für ein Strohlehm-Projekt in Belgien. Es war ein sehr schönes Geschenk und die Materialen haben mich beeindruckt, aber ich musste auch feststellen, dass dies nicht wirklich meine Art zu bauen war.

Etwa 10 Jahre später war ich an einem Verein beteiligt, der gemeinsam eine nachhaltige Nachbarschaft aufbauen wollte und dabei war Bauen mit Stroh wieder ein Thema. Aber diesmal waren es Strohballen die zum Einsatz kommen sollten. Ich war dann 5 Tage auf dem “European Strawbale Gathering 2009” (ESBG) in Riemst/Belgien und das war der große Wendepunkt für mich. In den folgenden 9 Jahren kam immer mehr Stroh in mein Leben. Ich hatte immer weniger Zeit für meinen Chef zu arbeiten und vor drei Jahren habe ich dann aufgehört als Projektmanager im Industriebau und seitdem widme ich jetzt den Großteil meiner Zeit dem Verein und gelegentlich arbeite ich auch als beaufsichtigender Berater bei Strohbauprojekten für Architekt, Bauunternehmer oder andere Auftraggeber.

SonnenKlee: Kannst du uns bitte kurz erklären was das Interreg-Projekt UP STRAW ist und wie es entstanden ist?

Wouter Klijn: UP STRAW ist eine Partnerschaft mit 8 Partnern aus 5 Ländern (UK, BE, FR, DE, NL) und gemeinsam werden wir den professionellen / öffentlichen Strohbau einen Schritt weiterbringen. Wir wollen erreichen, dass Stroh zur Errichtung von Gebäuden mehr Anwendung findet und dafür möchten wir folgende Ziele erreichen: Wissen verbreiten, Fachleute ausbilden, den Markt simulieren und fünf Projekte umsetzen. Die fünf Beispielprojekte werden in Hastings-UK, Tilburg-NL, Namur-BE, Montargis-FR und Plankstetten-DE realisiert.

Zur Entstehung des Projekts UP STRAW müssen wir 3 Jahre zurückgehen. Im Jahr 2015 wurde nach sechs Jahren erfolgreicher europäischer Zusammenarbeit die Ausbildung zur Strohbau-Fachkraft etabliert. Dabei hat sich gezeigt, dass die internationale Zusammenarbeit sehr wertvoll ist und dabei entstand der Plan, einen Europäischen Strohbauverband (ESBA – European Straw Building Association) zu gründen. Die noch bessere Zusammenarbeit innerhalb Europas erleichterte auch die Gründung internationaler Projekte und UP STRAW war eines der ersten europäischen Erfolge seit der Gründung von ESBA.

UP STRAW ist eine Partnerschaft mit einer Interreg-Mitfinanzierung. Das Zusammenbringen einer relativ großen Anzahl an kleineren Organisationen für Interreg war kein leichter Weg aber nach Ups and Downs fing das Projekt schließlich doch an erfolgreich zu laufen.

SonnenKlee: Der Niederländischen Strohbau-Verband (Strobouw Nederland) ist ja eine der Partnerorganisationen von UP STRAW. Was wurde im Rahmen der Partnerschaft schon alles realisiert und welche Pläne habt ihr noch bis zum Ende des Programms 2020?

Wouter Klijn: Wie schon erwähnt werden die 8 Partner Beispielprojekte in 5 Ländern realisieren. In den Niederlanden ist es eine Investition der Stadt Tilburg in die Renovierung einer Sporthalle. Zu diesem Zweck wurde ein Entwurf erstellt, der Flächennutzungsplan wurde angepasst, der Genehmigungsausschuss hat zugestimmt und nun folgt noch die Ausschreibung. Neben den fünf Investitionsprojekten gibt es eine Reihe von Themen, an denen auch gemeinsam gearbeitet wird:

– Ausbildung im Strohbau für Studenten und Profis,
– Erstellung einer Datenbank mit den wichtigsten Studien im Bereich Bauen mit Stroh,
– Entwicklung von CO2- und LCA-Berechnungsmethoden, um die Auswirkungen der Strohstruktur deutlich sichtbar / vergleichbar zu machen
– BIM-Modelle für Strohbau,
– Durchführung von Marktanalysen,
– Arbeiten an der Zukunft von Stroh in Ballenform für Strohbau,
– Projektkommunikation und Übertragung des UP STRAW Projektes an die European Strobouw Association (ESBA).
Viele dieser Themen laufen bereits und manche sind noch in Vorbereitung. Näheres findet man auch im Internet unter folgendem Link.

SonnenKlee: Gibt es sonst noch interessante Strohbau-Projekte in den Niederlanden, die du kennst oder in die du vielleicht auch involviert bist?

Wouter Klijn: Das Beispielprojekt der Gemeinde Tilburg ist natürlich ein besonderes Projekt. Erstens, weil es sich um die Renovierung eines öffentlichen Gebäudes handelt. Zweitens, weil es ein großes Projekt mit mehr als 1.200 m² Stroh in der Fassade und im Dach ist. Und mit diesem Projekt versuchen wir auch den Schritt vom Fertigstroh zu Einblasstroh zu machen.

Andere Projekte, die ich erwähnen möchte, wären folgende:

Eine erdbebensichere Strohkonstruktion in den Niederlanden.
PrefabStrobouw fertigt in den letzten Jahren auch vorgefertigte Stroh Paneele in den Niederlanden. Derzeit werden ihre Paneele ebenfalls getestet und als „Innovationsfassade“ im BINK (BuildinG Innovation NetworK) gezeigt. Dies ist Teil eines Konstruktionsinnovationszentrums. Das „Building Innovation Center North Netherlands“ beschäftigt sich mit immer wieder auftretenden Erdbeben, die im Norden der Niederlande aufgrund der jahrzehntelangen Gasproduktion entstanden.

Die Firma StrawblocksSystems stellt Strohpaneele für den professionellen Bau her.
Sie tun dies auch mit minimalem Einsatz von Holz und maximaler Strohoberfläche. Die Paneele sind an die Art der jeweiligen Verarbeitung angepasst (mit Polsterung oder Stuck). Ein schönes Beispiel ist ein Yoga-Zentrum in Sterksel.

Das Projekt von OrioArchitecten ist bereits weit fortgeschritten mit den notwendigen Genehmigungen für ein selbsttragendes Projekt mit Earthship aus Holz und Stroh Bei dem interessanten Projekt soll auch eine RFS (Reciprocal Frame Structure) verwendet werden.

Und ich selbst bin an der Konstruktion eines Bio-Architektur-Designs von Michael Rice beteiligt. Dieser Bau wird in der Nähe von Amsterdam realisiert. Es ist ein Design in einem Traum geschaffen. Mit den Stroharbeiten müssen wir schon im Frühjahr 2019 beginnen.

 

SonnenKlee: Die Strohbau-Community lebt ja bekanntlich vom gegenseitigen Austausch, kannst du uns vielleicht ein paar interessante nationale oder auch internationale Events nennen, die in der nächsten Zeit stattfinden werden?

Wouter Klijn: In den Niederlanden ist die wichtigste Messe die „De Bouwbeurs 2019“. Die Veranstaltung ist vom 4. bis 8. Februar 2019 in Utrecht. Die Messe findet jedes zweite Jahr statt und für die Niederlande ist sie die einzige große Messe in der Baubranche.
Der Verein Strobouw Nederland wird auch hier anwesend sein. Es wird eine lange Straße mit verschiedenen Strohbautechniken / Produkten und einem Stand mit allen möglichen Strohbau verwandte Produkten geben: Ausbau, Installationen, etc.
Und 2019 gibt es auch eine ESBG (European StrawBale Gathering). Diesmal findet diese zweijährliche Veranstaltung in Großbritannien statt. Der Ort ist noch nicht fix aber möglicherweise wird das Netzwerktreffen in der Nähe von Hastings stattfinden. Das ESBG ist ein mehrtägiges Treffen von vielen europäischen Fachleuten im Bereich von Bauen mit Stroh und den damit verbundenen Techniken.

Im Jahr 2017 war die ESBG in Venedig und man kann hier darüber nachlesen.

SonnenKlee: Wie viele Strohhäuser gibt es in den Niederlanden schon und wie denkst du wird sich der Strohbau in den nächsten Jahren entwickeln?

Wouter Klijn: In den Niederlanden gibt es etwa 150 Strohprojekte.
In den letzten Jahren haben wir gesehen, dass der Strohbau immer unabhängiger wird. In den ersten Jahren ging ein großer Teil der Entwicklung, oder die Information darüber, über unseren Strohbau-Verein. In letzter Zeit tauchen immer mehr unbekannte Projekte auf, bei denen kein Kontakt oder keine Informationen durch den Verein entstanden sind.
Ich persönlich glaube, dass es derzeit wirklich eine Chance gibt, dass sich der Strohbau in die Breite entwickelt. Das erfordert einiges an Anstrengung, nicht nur bezüglich Regulierungen, die dem klimagerechten Bauen mehr Raum geben sollen, sondern es bedarf auch Unterstützung mit den richtigen Informationen für alle Beteiligten. Außerdem braucht es noch mehr inspirierende Beispiele und auch Organisationen, die es wagen mit Strohbau neue Wege zu gehen.

SonnenKlee: Was wäre deiner Meinung nach wichtig, damit klimaschonendes Bauen und Dämmen mit Stroh öfter zur Anwendung kommt?

Wouter Klijn: Zahlen Daten und Fakten sind nicht genug. Eine Tonne Stroh hält 1,5 Tonnen CO2 für mehr als die Lebensdauer eines Gebäudes aus der Atmosphäre. Besseres Bauen ist kaum möglich. Stroh als Baumaterial zu einer guten Alternative zu machen, erfordert viel mehr. Der Bau ist kein innovativer Sektor. Der Strohbau hat also großen Widerstand aufgrund von Informationsmangel und Vorurteilen.
Bauen mit Stroh muss selbstverständlich werden. Dabei ist es wichtig, im Voraus mit klaren und leicht zugänglichen WIE- und WARUM-Informationen den Zugang zu erleichtern.
Und dann komme ich noch zur richtigen Herangehensweise. In der amerikanischen Typologie der Strohbauweise stoße ich oft auf den Begriff „Schlamm und Stroh“. Dies scheint mir im professionellen Strohbau kein brauchbares Bild zu sein. Das ist nur in einer ganz speziellen enthusiastischen Welt gut.

SonnenKlee: Ist die Zeit jetzt reif für einen nächsten großen Fortschritt im Strohbau?

Wouter Klijn: Ich denke, die Chancen sind klar. Aber es ist kein Prozess, der selbstverständlich ist. Es braucht das richtige Management. Darüber hinaus denke ich, dass es auch eine große Herausforderung ist, zuerst die „richtige Richtung“ zu finden und sie dann effektiv anwenden zu können.
Das geschieht nicht von heute auf morgen. Ein großer Schritt nach vorn erfordert die notwendige Synchronisierung von Angebot und Nachfrage in den Bereichen Ausbildung, Marketing, Versorgung, Regulierung usw.

In diesem Zusammenhang sehe ich auch, dass es in vielen Projekten immer noch eine Herausforderung ist, den richtigen Strohballen zu finden. Wo kann man gutes Stroh kaufen? Welche Anforderungen muss es auf ein Minimum erfüllen? Welche Dimensionen sind verfügbar? Ist das Stroh ohne Pestizide? Kann es organisch sein? Was sind die Kosten?  Wie koordiniere ich Projekt und Lieferung?  Und was ist mit der Zertifizierung und wofür brauche ich sie?
Landwirte und Akteure der Baubranche müssen sich finden und sich gegenseitig unterstützen. Das sehe ich auch als eine sehr wichtige Aufgabe für unseren Strohbauverein.

 

SonnenKlee: Was möchtest du unseren Strohbau-Interessierten Leserinnen sonst noch mitgeben?

Wouter Klijn: – Manchmal schaue ich gerne aus größerer Distanz auf den Verlauf des Geschehens: Jede Bautechnik kann auf verschiedene Arten angewendet werden. Wir sind alle frei, aber die Auswahl ist begrenzt. Ich sehe dann 3 Möglichkeiten:
– Vergiss es und tu es nie wieder – mach es wie seit Jahren – tu auf eine neue Art und Weise.

Mit Stroh bauen, anders als bisher, das ist die größte Herausforderung für mich. Und dabei geht es nicht nur ums „machen“, sondern ums „verstehen“.

Etwas anders machen als bisher, das tun wir ständig, oft ohne es zu sehen und zu wissen.
Erkennen und verstehen, dass wir etwas anderes machen, das erfordert im Bauwesen über die bekannten Rahmenbedingungen hinauszugehen und sich mit dem Material neu zu befassen. Es geht darum alte Methoden los zu lassen. Aber womit hast du noch etwas zu tun? Nichts. Das ist schwierig.

Ich helfe mir dabei zum Beispiel, indem ich versuche in die Eigenschaften des Materials selbst hineinzusehen. Wie verhält sich Stroh tatsächlich?
Was macht die Wärmeleitung manchmal unabhängig von der Dichte? Was passiert, wenn Kondensation in der Luft zwischen den Strohteilen und im Stroh selbst auftritt? Wie beginnt die Selbstentzündung in einer Strohmasse und unter welchen Bedingungen? Wie würde ich ein Problem lösen, wenn ich der Strohhalm wäre?

Stroh ist ein schönes Material für mich. Im Laufe der Zeit war es immer ein nützliches Material für unsere sich ständig ändernden Umstände: Mangel an Holz, Geldmangel, Bedürfnis nach Natürlichkeit, Aufmerksamkeit für Gesundheit, Wunsch nach Komfort, Notwendigkeit, CO2 zu beseitigen, erschöpfende Rohstoffe und  und und … die Zukunft wird noch viel mehr dazu beitragen das Stroh als Baumaterial eingesetzt wird.

Think like straw, don’t put it in your head!

Lieber Wouter, vielen Dank für das sehr interessante Interviewgespräch.

 

 

 

Pilotprojekt Stroh-Einblasdämmung in Tirol

Pilotprojekt Stroh-Einblasdämmung in Tirol

Unser neuestes Pilotprojekt bei dem wir SonnenKlee Stroh-Einblasdämmung zum Einsatz gebracht haben steht in den wunderschönen Tiroler Alpen. Die Verarbeitung durch unseren Einblas-Partner (Siegfried Walser/Isocell) verlief reibungslos und die Qualität unseres Bio-Produkts hat sich wieder einmal bewährt. Unsere 100% ökologische und wirklich nachhaltige Dämm-Alternative funktioniert sehr gut und wir arbeiten weiterhin an der Erlangung einer Europäisch technischen Zulassung für unser Produkt.

Falls auch Sie ihr Projekt mit Stroh dämmen möchten, dann senden Sie uns eine Nachricht mit den Eckdaten. Wir prüfen ob und in welcher Form Stroh als Dämmstoff einsetzbar ist und machen Ihnen ein Angebot.

Fotos Ruth Ostermann.

SonnenKlee Baustrohballen für STEP-Workshop

SonnenKlee Baustrohballen für STEP-Workshop

Herbert Gruber und Toni Auer bauen derzeit ein zweigeschossiges Strohballenhaus mit überdachter Terrasse und Scheunenanbau. Dabei verwenden sie auch Strohballen von SonnenKlee. Das Projekt in Summerau/OÖ ist Strohballen-Architektur in Reinstform und dient auch als Trainingsbaustelle für einen STEP-Strohbau- und Lehmputz-Workshop im Rahmen der Ausbildung zur zertifizierten Strohballen-Fachkraft.

Weitere Details zu diesem Strohbau-Projekt und sehr schöne Fotos finden Sie auf der StrohNatur-Webseite.

Jürgen Herler (Biologe) im Interview

Jürgen Herler (Biologe) im Interview

Einer der Gründe warum hierzulande noch nicht mehr Häuser mit Stroh gebaut werden, ist ein großes Informationsdefizit. Um mehr Menschen das Thema nahe zu bringen, sind Referenzprojekte notwendig, die zeigen, dass bauen mit Stroh funktioniert. Jürgen Herler ist einer der schon sehr früh die Vorteile von Stroh als Baumaterial erkannt hat und er hat sein eigenes Haus in dieser vorbildlich nachhaltigen Weise errichtet. Als Ökologe weiß er genau warum es Sinn macht mit Stroh zu bauen und als Bewohner beweist er täglich, dass das Konzept Strohhaus in der Praxis taugt. Wir haben ihn heute zum Interview eingeladen.

Strohballenhaus Herler im Wienerwald

SonnenKlee: Hallo Jürgen, bitte erzähle uns kurz, wer du bist und was du machst.

Jürgen Herler: Hallo. Ich bin von meiner Ausbildung her Biologe und habe 15 Jahren in der Meeresforschung gearbeitet. Vor 3 Jahren habe ich ein Unternehmen für vertikale, essbare Begrünungen gegründet. Vor 4 Jahren haben wir ein strohgedämmtes Holzständerhaus im Wienerwald gebaut, in dem es sich hervorragend lebt.

 

SonnenKlee: Warum hast du dein Haus mit Stroh gebaut?

Jürgen Herler: Weil ich als Biologe immer den

ökologischen Stoffen und biologischen Kreisläufen den Vorzug gebe, da sie keine negativen Umweltfolgen nach sich ziehen. Stroh hat einen kurzen turn-over, muss nicht eigens angebaut werden und hat auch noch hervorragende Dämmeigenschaften. Ein wunderbarer Dämmstoff.

SonnenKlee: Kannst du uns als Biologe/Ökologe vielleicht sagen warum es Sinn macht Häuser mit Stroh zu bauen?

Lehmputz in natur gehalten

 

Jürgen Herler: Es ist biogen, entsteht als Nebenprodukt in der Landwirtschaft, ist lokal verfügbar und hat beste Dämmeigenschaften. Somit gibt es keinen Baustoff mit vergleichbarer Ökobilanz und regionaler Wertschöpfung. Stroh als Dämmstoff löst daher viele Probleme simultan.

SonnenKlee: Bitte nenne uns noch ein paar Fakten aus dem echten Leben in einem mit Stroh gedämmten Haus?

Jürgen Herler: Tatsächlich funktioniert das Haus am besten im Winter, aber da Stroh auch eine sehr gute Wärmespeicherfähigkeit hat, bleibt es auch im Hochsommer recht kühl im Haus. Die Kombination mit Holz, Lehm und Flächenheizungen (Solar-, Holzofenkombination) ergibt eine einzigartige Lebensqualität. Das bestätigen uns auch laufende unsere Besucher, zu denen Bauherren, ArchitektInnen, Vereine und Umweltorganisationen gehören.

 

 

SonnenKlee: Worauf kommt es bei einem wirklich zukunftsträchtigen, verantwortungsbewussten und nachhaltigen Lebenskonzept an?

Jürgen Herler: Auf echte ökologische Konzepte. Lösungen, die möglichst wenige oder gar keine Folgeprobleme mit sich

Jürgen Herlers HERBIOS Vertikalgärten

bringen. Das Schlagwort heißt „nature-based solutions“. Dazu zähle ich im Baubereich vor allem biogene Baustoffe. Stroh kann hier eine große Rolle spielen. Neben dem Wohnbedürfnis ist aber vor allem auch unsere Ernährung wichtig. Diesem Thema gehe ich nun mit meinem Unternehmen Herbios nach, in dem ich Gebäude auch mittels Vertikalgärten „essbar“ machen möchte. Auch unser Strohhaus erhält derzeit eine biologische, essbare Hülle.

SonnenKlee: Was müsste deiner Meinung nach passieren, damit ein Umdenken in der Gesellschaft Platz greift und noch viel mehr Menschen sich für ein nachhaltiges Lebensmodell entscheiden?

Jürgen Herler: Echte Aufklärung zum Thema Ökologie von Baustoffen und mehr Mut für flexibles und reversibles Bauen mit biogenen Baustoffen. Wir bauen für Jahrhunderte, aber schon nach 30 oder 40 Jahren will keiner mehr die „alten“ Häuser. Daher müssen wir uns auch mehr über die Entsorgung unserer Gebäude Gedanken machen. Ökobilanzen sollten ernster genommen werden. In Zeiten des Klimawandels und Artensterbens braucht es einen massiven Strukturwandel in unseren Grundbedürfnissen Wohnen und Ernährung.

SonnenKlee: Würdest du die Bauweise mit Stroh anderen Menschen weiterempfehlen und wenn ja, warum?

Strohaus der Familie Herler

Jürgen Herler: Natürlich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Klimawerte und Ökobilanz von Stroh sind großartig. Vor allem in Kombination mit Holz und Lehm. Ich möchte die Frage daher umdrehen: warum baut man eigentlich mit anderen Materialien, wenn es auch mit Stroh und Holz geht?

SonnenKlee: Was möchtest du unseren Lesern und Leserinnen sonst noch gerne mitgeben?

Jürgen Herler: Mehr Mut bei der Entscheidung zum Bauen mit biogenen Baustoffen und mehr Vertrauen in die Natur. Die Lösungen sind viel einfacher, als es uns eine technisch hochentwickelte Gesellschaft und Wirtschaft suggeriert. Wichtig ist die Information durch fachlich kompetente Bauberater. Diese werden glücklicherweise laufend mehr. Und bestehende Häuser besuchen. Auch unser Haus steht Besuchern offen, die sich durch unser glückliches Leben in einem Strohhaus stimulieren lassen möchten, ebenfalls ein biologisches Haus für sich oder andere zu bauen.

SonnenKlee: Lieber Jürgen, wir danken dir für das interessante Interviewgespräch!

Jürgen Herler: Sehr gerne! Viel Spaß und Erfolg beim weiteren Umsetzen ökologisch nachhaltiger Bauwerke.

 

Links:

Fotos: Jürgen Herler